On The Last Day, Anomalie, Yell Of Rage, u.a.
21.01.07 - Bielefeld / AJZ

"EmoMetalMatinee, ein guter Grund sich Sonntags vor dem Lernen zu drücken"
dachte ich mir und machte mich auf ins AJZ. Es hieß pünktlich sein, denn eröff-
nen sollten Yell Of Rage, entsprechend war ich bereits um 17.30 Uhr im Ajo.
Außer dem riesen Merchstand von Scars Of Tomorrow war dort allerdings noch
so gut wie niemand. Das machte allerdings erstmal garnichts, denn an der The-
ke gab es veganen Kuchen und fairtrade Kaffee. Ich entschied mich für Tee,
die ersten Leute trudelten ein, das übliche Gelaber.

Gegen 18.30 Uhr legte dann die Spenger/Jöllenbecker Formation Yell Of Rage
los. Es war immer noch arschkalt im AJZ, darauf stellte sich auch die Band ein:
Bassist Peter präsentierte neben seinem neuen Haarschnitt einen super Strick-
pulli, Janis trug hinterm Schlagzeug Kapuze, Jonas zog die Jacke garnicht erst
aus und Hendrik sorgte im Kapuzenzipper einer Erkältung vor. Aber wir wollen
hier ja nicht über Wintermode, sondern über Musik reden. Mit ihrer eingängigen
Mischung aus Emo und Hardcore passten die Jungs nicht so recht in das Kon-
zept des Abends. Trotzdem sicherte ihnen bereits der Opener "Samstagsseife"
den Applaus der bis dahin 35 Zahlenden. Die Jungs setzten bei ihrem AJZ-De-
but vor allem auf neue Songs, die auf ihrer bald erscheinenden, neuen CD's
sein werden. Die neuen Songs waren alle deutschsprachig, gewohnt abwechs-
lungsreich und konnten mich vor allem durch die längeren Screamparts von Jo-
nas überzeugen. Neben "Hide + Seek" war das abschließende "Between two
worlds" der letzte verbleibende englischsprachige Song im Set. Ein gelungener,
wenn auch bestimmt nicht der engagierteste Auftritt der Band.

Weiter ging es mit der auf Beniihana Records beheimateten Deathcore Truppe
A Fear Called Treason. Zu den Bielefeldern kann ich nicht viel sagen, weil ich
von dieser Art Musik keine Ahnung hab. Obwohl alle Bandmitglieder an ihren In-
strumenten mit Sicherheit respektabel sind, ist mir das ganze etwas zu krass
und ich kann mit der Musik einfach nichts anfangen.

Umso mehr sagten mir dafür Anomalie aus Düsseldorf zu. Die Screamo-/Hard-
core-Combo startete trotz eines mit ca. 50 Zahlenden immer noch sehr über-
schaubaren Publikums richtig durch. Keine Kompromisse, direkt auf die Fresse
zwischen Wahn und Genie. Wie es sich für Poisonfree Bands gehört, ist die
Band natürlich straight edge, hat das jedoch sympathischer Weise nicht auf je-
dem Kleidungsstück stehen und singt auch nicht in jedem zweiten Song darü-
ber. Genau genommen in keinem einzigen. Inhalte haben die Songs trotzdem
und bei den deutschsprachigen Texten sei dem einen oder anderen das genaue
Hinhören empfohlen. Da konnte eine Band bei mir Punkten, die bisher komplett
an mir vorbeigegangen war.

Mit On The Last Day folgte die erste Victory Band des Abends. Und das merkte
man. Die hochgradig professionelle, hochgradig überstylte und hochgradig künst-
liche Band legte mit ihrer hochgradig poserhaften Bühnenshow los. Musikalisch
geht das ganze in Richtung Aiden, jedoch mit etwas mehr Härte. Vor allem die
Frisur des einen Gitarristen der Band zeigten welcher Auswüchse der ganze
Emoschnitt-Trend annehmen kann, da wundert es auch niemanden, dass die
Jungs auf ihrer Homepage ihren Frisör verlinkt haben. Schmunzelte man über
diese übertrieben Künstlichkeit und das übertrieben Posing der Band auf der klei-
nen AJZ Bühne, so konnte mich die Musik der Jungs durchaus überzeugen. Eine
gelunge, düstere Emocore-Variante mit viel Tempo.

Scars of Tomorrow sparte ich mir anschließend, wie einige andere auch: Der
Metalcore-Trend ist wohl endgültig tot, Oldschool Hardcore ist wieder in.

BB
 

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