Wohlstandskinder, Waterdown, u.a.
Triebwerk/Bielefeld – 11.04.04

Wirklich überfülllt war das Triebwerk noch nicht, als ich gegen 20.45 ankam. Dropout
hatte ich verpasst und Face Tomorrow aus Rotterdam machten sich gerade für ihren
Auftritt fertig.
Wenig später legten sie Niederländer dann auch los. Es gab chillige Musik mit zwischen-
zeitlich Geschrei. Klang soweit ganz gut, ein paar Leute bewegten sich auch im Takt und
nickten mit den Köpfen, aber so wirkliche Live-Musik war das meiner Meinung nach
nicht! Mehr sowas für's Sofa.
Als nächstes waren Good Witch of the South an der Reihe. Die rockten los was Zeug
hält! Hart und psychotisch präsentierten sich die fünf jungen Männer. Mir gefielen die
(schon fast virtuosen) Gitarren und der abgehende Bassist, das Gesamtergebnis überzeugte
mich jedoch nicht komplett. Was mich auf jeden Fall abschreckte war der Sänger: Mir
schien es als hätte er vor dem Spiegel geübt wie man am besten psychopathisch ein Mikro
hält, außerdem kniete er den halben Gig über auf der Bühne. Dem Publikum gefiel die Mucke
ganz gut und es wurde schon ganz gut abgegangen.
Ca. 300 Leute waren dann da als Waterdown die Bühne betraten. Die Hardcore-Helden
legten als Opener gleich den Klassiker „Impress Me“ vor, sofort bildete sich ein Mosh-Pit.
Ich sah die Band das erstmal nach dem Ausstieg von Sänger Marcel und ar somit sehr ge-
spannt auf den neuen Sänger Chris. Der sieht ne klein bischen nach Bravo-Schönling aus,
geht aber ganz gut ab! Songs wie „A Fortress“ und „Xerox“ kamen beim Publikum an.
Waterdown schaffen es durch ihre zwei Sänger/Shouter immer noch Hardocore mit gefühl-
vollem Gesang zu verbinden. „Bulletproof“ und „Going Back“ sorgten für wahre Stagedive-
Orgien. Nach ca. 50 Minuten beendeten sie ihr Set mit „Round Two“ und „We're still here“.
Guter Auftritt, auch wenn das mit Sicherheit nicht das typische Waterdown-Publikum war.
Interessant war auch, dass mehr Waterdown- als Wohlstandskinder-Shirts im Publikum zu
sehen waren.
Gegen 23 Uhr legten dann auch die Wohlstandskinder los. Ausverkauft war die Osterrock-
Nacht immer noch nicht, doch nun zog es auch die letzen Leute in Richtung Bühne. Krasser
hätte der Kontrast zu den vorherigen Bands wohl nicht sein können, nach der härteren Gang-
art gab's nun, wie gewohnt, Provinzrock. Vorweg jedoch erstmal ein Intro, wie es sich für
Möchtegern-Rockstars gehört. Als Opener gab's gleich „Lautstärke, Baby“, den ersten Song
vom gut gelungenen Pop-Punk Album „Baby, Blau!“. Das Publikum startete gleich wieder
voll durch. Der Sound war nicht wirklich der Hammer und mich überraschte doch sehr das
Aussehen von Frontmann Honolulo Silver: Nicht wie üblich geschminkt und aufgestylt, sondern
anscheinend nicht gekämmte Haare und keine Schminke. Mein Gedanke, dass gestern wohl gut
getrunken worden war bestätigte sich später in einer Ansage. Die Kinder brachten anschließend
„Du, ich und wir zwei“ vom aktuellen Album „Dezibel Karate“, aber, zur allgemeinen Begeister-
ung, auch ältere Songs wie „6 Milliarden und Ich“, „Anderes Wort“, „Groschenromantik“ und
„Ein kleines Märchen“. Bassist Raki hatte zwischenzeitlich Probleme mit seinem Bass, Schlag-
zeuger Caddie schien durch's Schlagzeugspielen mal wieder nicht ausgelastet und hüpfte und
poste noch durch die Gegend, Herr Neidhart ging Mädchen die Stagediven wollten aus dem
Weg und Silver lachte über den ein oder anderen Verspieler der heute dabei war. Die
Mischung aus neuen und alten Songs war der Band jedoch wirklich gelungen. Vom neuen
Album gab's noch „Einer von Millionen“, „Oasen im Ozean“, „Penthouse Bewohner“, sowie
die Single „Kein Radiosong“, von der „Baby, blau!“ gab es noch den Hit „Sommer ist“ und
die Single „Wie ein Stern“ und von den Klassikern „Dein Jesus“, „Das Grau unserer Zeit“ und
zum Abschluss „Ein Tor war es nicht“. Abschluss? Nein, die Leute wollten die Katerkinder noch
einmal zurück und es gab noch „Der Staat ist nett“ und den standardmässig letzten Song „Wir
sehen uns in Las Vegas“. Der ein oder andere Tropfen schweiß war geflossen, die meisten schie-
mem zufrieden und ich war ein wenig zwiegespalten. Auf der eine Seite ein wirklich gut gemisch-
tes Set (Ok, war schon viel vom neuen Album, aber das ist ja klar), auf der anderen Seite gefiel
mir der Sound an dem Abend nicht, was aber nicht mit den paar Kater-Verspielern zusammen-
hing.

BB