Verdammte Axt: Unterwegs mit Alex und Liv
und ich muss auch
noch fahren. Ab geht's, 100 km bis Hannover.
Bis zum Faust
überhaupt kein Problem, aber wo zum
Teufel gibt es in Hannover
Parkplätze? Da muss dringend mal
irgend' so ein Hochhaus ab-
gerissen und zu Parkplätzen gemacht
werden.Aber dieses The-
ma soll uns nicht weiter beschäftigen.
Die Wohlstandskinder hatten zum
Auftakt ihrer 10 Jahre Tour,
auf der jedes (!) Konzert zwecks Live-Platte
aufgenommen wer-
den soll, nach Hannover geladen. Trotz
eines Eintrittspreise von
14 Euro füllte sich der Laden wirklich
gut, vielleicht lag es an den
sehr sympathischen Tourplakaten, die die
Band unten in ganz
klein als "verwöhnt und majorgefloppt"
ankündigen, noch wahr-
scheinlicher liegt es aber an dem Status,
den sich die Band in
den letzten Jahre hierzulande erspielt
hat. Trotz gut gefüllter Hüt-
te und netten Plakaten war ich jedoch
skeptisch gestimmt: Das
aktuelle Album "Dezibelkarate" kann mich
alles andere als be-
geistern und auch der letzte Live-Auftritt
den ich von den Jungs,
damals im Bielefelder Triebwerk, sah,
hatte mich nicht wirklich
überzeugt. Hoffnung machte jedoch
die Ankündigung der Band
wieder vermehrt alte Songs zu spielen.
Pünktlich um 21.00 Uhr eröffneten
Fatbelly
aus Hannover mit
ihrem Song "Take Control". Die junge Band
hatte ihre Freunde
und Fans am Start und konnte dementsprechend
mit ihrem Me-
lodic Punk ganz gut in der Heimat punkten.
Es folgten Tracks
mit geistreichen Titeln wie "We're a Band"
und "Puking Kanga-
roos" und nett-unprofessionelle Ansagen.
Die ersten Runden
Pogo wurden getanzt und besonders die
Songs mit Ska-Ein-
flüssen konnten beim Publikum punkten.
Mit "Vain Promises"
war dann irgendwann Feierabend und die
Band erhielt den
verdienten Applaus.
Dann machten sich die Wohlstandskinder
fertig und legten
pünktlich um 22 Uhr los. Als Intro
gab es vom Band die Instru-
mental-Version von "Am Ende nichts", die
vom Publikum schon
aus vollem Hals mitgesungen wurde, es
folgte als Opener "Lass
Alles". Und auch wenn mir die neue Scheibe
an sich nicht zu-
sagt muss ich sagen, dass der Song durchaus
ein gelungener
Opener ist. Weiter ging's mit "Groschenromantik"
und "Keine
Balladen mehr". Ich war begeistert. Kein
Plan warum, aber es
gefiel mir. Auch "6 Milliarden und ich"
und "Sie betet nur" rock-
ten, der Meinung waren auch die anwesenden
"Assel-Punks",
die jede Zeile mitsingen konnten und die
Band richtig abfeierten.
"Sommer ist" und "Das ist blos der Sonnenstich"
brachen bei mir
das letzte Eis, bevor dann mit "Gegenüber"
endlich der erste al-
te Song folgte, den man schon lange nicht
mehr live gehört hat-
te. Der leicht angetrunkene Alex schwuchtelte
die ganze Zeit
auf's peinlichste Bassist Raki an, während
Liv ständig zum Bier-
stand rannte. Apropos Bass: Der war heute
verdammt laut, so
dass man auch die wenigen Verspieler hören
konnte, und klang
verdammt gut.
Mit "Penthousebewohner" folgte einer der
Songs vom neuen Al-
bum die mir überhaupt nicht zusagen,
weiter ging's mit "Lautstär-
ke, Baby" vom Vorgänger-Album.
Zum Ende des offiziellen Sets gab es dann
nochmal Hit an Hit
"Ein kleines Märchen", "Kein Radiosong",
"Das Grau unserer Zeit"
und "Ein Tor war es nicht". Ich schwitzte
und freute mich auf die
Zugaben.
"Klischee" und "Die Welt von Mitteleuropa
aus" stellten den erst-
en Zugabeblock da und zum Abschluss gab's
dann, wie zur Erwar-
ten "Roter Luftballon", "Der Staat ist
nett" und "Wir sehen uns in
Las Vegas" wieder.
Ich war wirklich zufrieden, auch wenn
die große Retro Show aus-
geblieben war. Vom ersten Album "Für
Recht und Ordnung" spiel-
ten die Kinder zwar lediglich vier
Songs, ein bis zwei mehr hätten
es ruhig seien dürfen, aber der Auftritt
an sich war quasi wie ein
schönes Märchen für Heranwachsende.
Da freue ich mich doch
schon auf's nächste Konzert.
Nach dem Auftritt startete dann die Show
von meinen angetrunke-
nen Begleitern, die sich anscheinend alle
Mühe gaben meinen
Ruf als seriöser Schreiberling zu
ruinieren. Alex sprang nach dem
Auftritt auf die Bühne und schnappte
sich in Groupiemanier Türks
Handtuch, um es dann nachher von der ganzen
Band signieren
zu lassen und eine halbe Stunde im Backstage
zu verschwinden.
Hey: 1. er ist ein Kerl, 2. er ist älter
als 16. Naja, man kann ja
nichts für seine Freunde. Liv widmete
sich dem ausführlichen T-
Shirt verlieren (13 Euro fürn Arsch,
geil!) und ließ Raki für ein
Nietenarmband durch die Gegend rennen.
Was Alkohol doch aus
vernünftigen Menschen alles machen
kann...
BB
Ps: Mein Tipp an die Band: Nächstes
Mal die Setlist am besten
wieder
per Hand schreiben (stilvoller!), ansonsten wenigstens
etwas
größer oder in Fettdruck, dann kann auch Raki auf An-
hieb
alles lesen.
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