Waterdown, Schrottgrenze
01.04.06 – Bielefeld / Forum

Mal wieder Visions-Party, mal wieder Anwesenheitspflicht: Mit Schrottgrenze, die ja gerade
einen Majordeal eingeheimst haben, und Waterdown, die sich ja mit Zacken einen Sänger
aus hiesigen Gefilden angelacht haben, gab es gleich zwei interessante Bands an einem
Abend.

Nach einigen stillosen Bieren aus der Plastikflasche machten wir uns auf den Weg zum Fo-
rum, wo man sich als Engeraner natürlich immer Wohl fühlt. Als wir ankamen waren Came-
ron, die wir leider komplett verpasst hatten, gerade fertig und Schrottgrenze begannen mit
dem Umbau.

Kurze Zeit später legten die Hamburger mit neuer Besetzung los: Sänger Alex, der früher an
den Drums war, machte sich nun mit blauem Hemd und Sacko als Frontmann an der Gitar-
re zu schaffen, dafür übernahm Caddy, der früher bei den Wohlstandskindern getrommelt
hat, den Platz hinter der Schießbude. Als Opener gab es direkt „Eine Stadt aus Klebstoff“
vom tagszuvor erschienen Album „Château Schrottgrenze“, mit „Nichts einsamer als das,
„Am gleichen Meer“, „Fotolabor“ und „Mann am Punkt“ folgten zum Unverständnis des Pub-
likums ebenfalls neue Songs. Es gab fast nur neue Songs, nur dem Publikum noch unbe-
kanntes Material, nur braven Indie-Pop. Leute die sich auf alte Songs bzw. einen bunten Mix
aus altem und neuem Material gefreut hatten kamen sich ziemlich verarscht vor, Schrottgren-
ze haben sich konsequent von ihren Wurzeln gelöst: Bis auf „Fernglas“, „Feige und Allein“
und „Belladonna“ spielten die Jungs keine alten Songs. Ich gehöre ja nicht zu den Musikfan
s die sich gegen jegliche Form der Weiterentwickung ihrer Bands stellen, nach diesen Auf-
tritt war ich jedoch super enttäuscht, genau wie viele andere. Zwar gab es nach jedem Stück
freundlichen Applaus, etwas Stimmung kam aber höchstens bei den alten Songs auf. Ge-
wöhnungsbedürftig ist besonders Alex, der an der Gitarre stellenweise noch etwas unbehol-
fen wirkt, andererseits aber durch seine neue Rolle, sein Outfit und seine klischeehaft stil-
vollen „Indie-Rock-Bewegungen“ (da kann sich jetzt bestimmt niemand was drunter vorstel-
len, mir fällt aber auch nichts besseres ein) besonders das neue Bild der Band prägt. Nach
diesem Auftritt fragt man sich, warum sich die Band nicht gleich umbenannt hat, unter dem
Namen „Tomte 2“ hätte jeder gewußt was ihn erwartet und ich hätte den Auftritt vielleicht ok
gefunden. So aber bleibt mir nur ein Fazit: Das Cover des neuen Albums sagt alles, Schrott-
grenze haben ihr Gesicht verloren!

Anschließend versammelte sich die vornehmlich mit schwarzen Kaputzenjacken bekleidete
Fraktion vor der Bühne um auf Waterdown zu warten. Die auf Victory Records beheimateten
Niedersachsen legten mit „Disassembled“ los und legten gleich darauf mit „One Thing“ nach.
Als die Jungs bald darauf schon ihren Hit „Impress Me“ spielten wurde der Pit vor der Bühne
etwas größer, es folgten Songs wie „Moshpit Etiquette“ vom neuen Album „All Riot“ oder „Bul-
letproof“.  Die Jungs machten eine nette Show und wirkten dank viel Konfetti und freundlichen
Ansagen nicht zwanghaft böse, wie man es von Bands dieser Art ja zu häufig zu sehen be-
kommt.  Das Ende des Sets bildete „Sleep Well“, bevor im Zugabenpart mit „Round Two“ und
„My Hopelessness And Me“ nochmal zwei absolute Hits angestimmt wurden, die auch vom
Publikum ordentlich abgefeiert und mitgesungen wurden. Fazit: Auch wenn Waterdown mit
Sicherheit nie eine meiner absoluten Lieblingsbands werden, so hat mir der Auftritt doch ge-
fallen; Zacken macht seinen Job in jedem Fall gut! Waterdown sind weiterhin eine Konstante,
was einen Sound auf der Grenze zwischen Hardcore, Metal und Emo angeht.

Auf der anschließenden Visions-Party wurde noch bis in die Morgenstunden gefeiert; ein ver-
söhnliches Ende für mein wahrscheinlich letztes Schrottgrenze Konzert.

Tschau,
       Basti
 

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