Terrorgruppe, Bitume, Nitrominds
Münster / Alcatraz - 25.10.03

Passend zum neuen Terrorgruppe Album muss es natürlich auch mal wieder
eine ausführlich Tour geben. Also auf nach Münster, mal schauen was es so
neues (und altes) gibt. Die erste Überraschung gibt's gleich am Eingang: Man
wird ernsthaft gefilzt, bevor man das doch recht kleine Alcatraz betreten
darf. Waffen- und Drogenfrei werde ich also tatsächlich reingelassen und be-
staune erstmal das neue TG-Merchandise. Da is doch tatsächlich ne ganze
Menge zusammengekommen. Sehr schick das geklaute "Terrorgruppe Racing
Team" Motiv.
Um 21 Uhr betreten die Nitrominds die Bühne. Mit ihrem recht harten Punk-
rock laden die drei Brasilianer zu den ersten Runden Pogo ein. Die Stimmung
kocht noch nicht wirklich über, was man bei "Mitsing-Aktionen" merkt, aber
es ist ja allgemein bekannt, dass die erste Band immer den Scheissjob hat.
Mich erinnern einige Songs und der Gesang ein wenig an "Amercian Psycho"
von den Misfits. Ansonsten sind die Nitrominds aber eher gute gelaunte Ge-
sellen.
Bitume betreten als zweite Band des Abends die Bühne. Vor der Bühne wird
es gedrängter, und die Vier gläntzen durch nette Ansagen in der Fahrrad-Haupt-
stadt Münster: "Wir kommen aus Oldenburg, dass ist etwa 20min mit dem Fahr-
rad von hier... wenn man schnell fährt!". Sogar ein paar Groupies haben sie mit-
gebracht, die, knapp bekleidet in Rock und Bitume-Top, vor der Bühne tanzen
und den Wimpernschlag perfektionieren. Der moderne, deutsche Punkrock
kommt beim Publikum gut an und natürlich auch das Cover des Ramones-
Klassikers "The KKK took my Baby away" findet seine Freunde und vor der
Bühne fliegen schonmal die Fetzen, Zugaben müssen gespielt werden. Sehr
symphatisch: Bitume spielen ohne Setlist
Dann kommt irgendwann auch endlich die Terrorgruppe auf die Bühne. Im
Alcatraz geht's nun weder rein noch raus und das Tour-Intro heitzt das Publi-
kum auf. Mit "Sabine" gibt's gleich einen meiner Hits als Opener. Geht ja gut
los. Das Publikum dreht dermaßen durch, dass die TG nach dem 3. Song erst-
einmal ein Ansage zum Thema Sicherheit machen muss. Hier zeigt sich wieder
die Spontanität von Archi "Ey, passt auf euch auf, wenn da wer umfällt helft
ihm auf, sonst stirbt er! Und sterben tut ihr alle früh genug, nämlich auf dem
Weg zur Arbeit. Das nächste Lied heißt übrigens "Gestorben auf dem Weg
zur Arbeit"..."
Die Berliner finden einen super Mix zwischen neuen, alten und lange nicht ge-
spielten Songs. So sind zum Beispiel Klassiker wie "Rumhängen" und "Die Gesell-
schaft ist Schuld" im Set, aber auch Songs, wie "Personenkult", mit denen man
nicht gerechnet hätte. Mit "Keiner hilft euch", "Ich und du" und "Amerika", inklu-
sive Ami-Nationalhymne, sind sogar drei Songs vom sonst live so gemiedenen
Album "Keiner hilft euch" mit im Set. Vom neuen Album "Fundamental" gibt es
"Kleinstadt-Lied", "Hedonistische Heilsfront", "Marilyn", "Kathedralen" und
natürlich die Single "Angela". Reinzufällig ist während des Songs, zur allgemeinen
Belustigung, auch ein Wischmop, mit geschnittenem Pony, auf der Bühne. Die
neuen Songs gefielen mit live sehr gut, auch wenn ich statt "Kleinstadt-Lied" lieber
"Prinzipien" gehört hätte.
Das Publikum dreht weiterhin völlig am Rad und fordert von Johnny Bottrop die
beiden Songs "Ozonloch-Lied" und "Adolf Hitler dem sein Bart" während Archi
und Slah die Instrumente stimmen.
Irgendwann wird auch ein Typ mit einer echt beschissenen Frisur (so nach hinten-
oben gegelt) von Archi auf die Bühne gebeten und zur "geilsten Frisur der Tour" ge-
kröhnt. Wenig später springt irgendwer total besoffen auf die Bühne und randaliert
erstmal ein bischen. Archi fordert ihn auf sich vorzustellen, woraufhin er sich als
"Leck mich am Arsch" vorstellt. Johnny Bottrop kührt ihn zum neuen Viva-Moder-
ator. Kurz darauf gibt der Typ dann auch einfach mal vor der Bühne um. Alkohol
macht's möglich.
Es gibt die üblichen Zugaben und bei "Schöner Strand" zündet Archi eine Schwanz-
feuerwerk und singt daraufhin "Schöner Schwanz". Irgendwelche Typen springen
auf die Bühne ziehen sich die Hose runter und freuen sich. Wirklich schön.
Nachder letzten planmässigen Zugabe wird der Saal dann auch schnell leer. Nur
etwa 50 Leute bleiben und schreien weiter nach Zugaben. Die Band kommt, schon
umgezogen, wieder auf die Bühne und spielt noch "5 Kilo". Das Publikum stürmt die
Bühne und einige Leute drehen noch mal um. Die Band feiert noch mit ca. 1/3 des
Publikums weiter. Wirklich ein Super-Konzert: Stimmung super und Set super.
Obwohl ich zum Set noch anmerken muss, dass "Stay away from the good Guys"
leider nicht gespielt wurde, dafür aber mal wieder "Namen vergessen", was ich für
wesentlich unwichtiger halte. Aber man kann ja nicht alles haben. Ich freue mich
jedenfalls auf's nächste Konzert.