Bielefelds größter Club hatte
die große Taste Of Chaos Tour an Land gezogen, da
durfte ich natürlich nicht fehlen.
Und damit sind wir gleich beim Thema: Fehlen.
Aufgrund universitärer Verpflichtungen
konnte ich erst um 20 Uhr am Ringlokschup-
pen sein. Ich traf einen ganzen Haufen
bekannter Gesichter und stellt verdutzt fest,
dass man das Wort Zeitplan hier wirklich
groß schreibt: Die erste Band begann um
18.45 Uhr und schon eine Stunde später
hatte ich die ersten vier Band verpasst.
Den Auftakt machten Days In Grief
auf der Hauptbühne. Alle Leute die ich nachher
gesprochen haben waren begeistert und
meinten, dass die Jungs für den undankba-
ren Openjob einiges gerissen haben.
Die meisten Leute hatten noch garnicht
gemerkt, dass links von der Bühne noch eine
super kleine Bühne stand, als dann
auf der Hauptbühne der Umbau für die nächste
Band begann wurde der Spot auf die kleine
Bühne gerichtet und End Of The Line leg-
ten los. Auch hier hörte ich durchweg
positives. Keine wunder, wer die local Heroes
schon mal gesehen hat, weiss dass sie
es live drauf haben.
Und auch Funeral For A Friend verpasste
ich leider. Hier überschlugen sich quasi die
Kommentare nachher: Pure Begeisterung
und erste Schürfwunden konnten ausfindig
gemacht werden.
Von My Adorable bekam ich dann wenigstens
noch den letzten Song mit. Die Jungs
passten musikalisch natürlich wirklich
super in den Abend und bekamen auch viel Zu-
spruch. Als letzten Song gab es leider
eine Instrumentalnummer, ich hätte die Jungs
ja gerne mit Gesang im Ringlokschuppen
erlebt.
Dann war es an der Zeit für Story
Of The Year. Es zog viele BesucherInnen nach
ganz vorne und von Anfang an ging es ganz
gut ab. Ich war von den Jungs nicht ganz
so begeistert, weil ich irgendwie das
Gefühl hatte, dass die Band die meiste Probe-
zeit nutzt um zu üben wie man auf
der Bühne am besten aussieht. Dementsprech-
end sah dann auch die Show aus. Sänger
Dan Marsala nahm gerne mal ein Bad in
der Menge, natürlich ohne dabei einen
Ton schief zu singen und die beiden Gitarristen
Ryan Phillips und Philip Sneed sprangen
überall runter, wo man runterspringen kann,
mal mit einem Rückwertssalto vom
eigenen Verstärker, dann von einer über zwei Me-
ter hohen Box. Ich schätze in zwei
Jahren sind die Kniee der beiden komplett im
Arsch. Mir war die Performance einfach
zu einstudiert und übertrieben, aber vielen
gefiel vielleicht gerade das. Musikalisch
gab es an den Jungs nicht viel auszusetzen
und so wurden sie wirklich gut abgefeiert.
Und dann war es endlich so weit: Rise
Against! Ich hatte die Jungs noch nie live ge-
sehen und war echt gespannt, weil die
Chicagoer in den letzten Wochen einfach nicht
aus meinem CD-Player raus kommen. "Like
The Angel", "State Of The Union", "Last
Chance Blueprint", "Rumors Of My Demise",
"Life Less Frightening" und "To Them
These Streets Belong", die Jungs haben
in ihr Set wirklich alle Hits gepackt, die man
in einer halben Stunde so durchkriegen
kann. Dazu gab's eine sympathische Bühnen-
show, die sehr energisch, aber im Gegensatz
zu Story Of The Year kein Stück über-
trieben, sondern eher bodenständig
war. Natürlich durfte auch "Give It All" nicht fehlen,
am Ende war ich begeistert und die meisten
anderen ebenfalls.
Es folgten Bleed The Dream auf
der kleinen Bühne, ich vertrieb mir am Rise Against
Merch die Zeit, obwohl man echt sagen
muss, dass die Jungs aus L.A. eigentlich sehr
gut gerockt haben.
Dann war abschalten angesagt: Killswitch
Engage kamen und obwohl ich schon vor-
her wußte, dass die Jungs nichts
für mich sind, schaute ich mir die Show an. Gefiel
mir wirklich überhaupt nicht was
die Jungs da machten, da konnte selbst die zwischen-
zeitliche Unterstützung von Bert
McCracken nichts retten. Ich bin ja allgemein kein Me-
talfan, muss aber sagen, dass es hier
in der Region Metal- und Metalcorebands gibt,
die mir bedeutend besser gefallen.
Pünktlich um 23 Uhr begannen dann
auch die "Headliner" The Used. Es gab Emocore
der mir soweit ganz gut gefiel. Sänger
Bert
Mc Cracken polarisierte mal wieder ein biß-
chen: während die einen sagten "Was
ist das denn für eine beschissene Mischung aus
Penner und Junkie?", sah die Mehrheit
der Leute in ihm einfach einen Rock'n'Roller. Die
Jungs wurden natürlich ebenfalls
gut abgefeiertund nach 30 Minuten war dann mit "Me-
mories" Schluss. Die Band ist echt der
Beweis, dass nicht jede Band die irgendwas
mit Emo macht auch komplett so aussehen
muss.
Fazit:
Wenn auch nicht alles nach meinem Geschmack
war, so doch eine gelungene Festival-
tournee: Ganz coole Bands (auch wenn mich
nur Rise Against 100% überzeugen konn-
ten), viele bekannte Gesichter. Sehr lobenswert
ist übrigens die Tatsache, dass lokale
Bands mit einbezogen wurden und diese
nicht ganz am Anfang spielen mussten. Auch
die Autogrammstunden fand ich sympathisch.
Ich freue mich auf's nächste Jahr.
BB
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