Taste Of Chaos Tour 2006
07.11.06 - Bielefeld / Ringlokschuppen

Nachdem die nagelneue Taste Of Chaos Festivaltour im letzten Jahr überraschend
erfolgreich war und die Hallen dieser Nation füllte, war klar, dass es in diesem Jahr
eine Neuauflage geben würde. Mit im Vergleich zum Vorjahr abgespecktem Lineup
ging es wieder rund um den Globus, dabei machte man auch wieder Station im Bie-
lefelder Ringlokschuppen. Dass der VVK in diesem Jahr nicht so übermässig toll
lief zeigte die "Buy2Get3Tickets"-Aktion, die vor ein paar Wochen einsetzte. Am En-
de kamen etwa 1200 Zahlende.

Eröffnen durften Fire In The Attic. Ich mag die Jungs aus Bonn und die meisten der
um 18.30 Uhr bereits Anwesenden schienen die Sache ähnlich zu sehen. Fire In The
Attic überzeugten durch eine gelungene, vor allem nicht übertriebene Show und bo-
ten besten Emo-/Screamopunk. Songtechnisch gab es Material von beiden Alben,
ein guter Start in diesen Abend.

Es folgten auf der kleinen Bühne After One Summer. Endlich mal wieder eine Band
mit Frontfrau, allerdings nicht ganz überzeugend. Ein Nachbar flüsterte mir den
Satz "Klingt wie Silbermond auf Englisch" ins Ohr. Das ist zwar ein bißchen sehr
böse gesprochen, dennoch konnte auch ich mich mit den GütersloherInnen nicht
wirklich anfreunden.

Schlag auf Schlag ging es mit den von vielen heiß erwarteten Saosin weiter. Mit
viel Doublebassdrum, aber trotzdem nicht so schnell und sehr hymnenhaft gaben
die Jungs ihren Emosound zum Besten. Mir klang die Stimme etwas sehr nach
Hormonspritze und es fehlte oftmals etwas Arschtritt. Ansonsten: Derbe Poser-
show.
 
Saosin @
Taste Of Chaos 2006
Ringlokschuppen / Bielefeld

Dann war es an der Zeit für die Getaway Drivers. Die aufmerksamen Plattenreview-
leser unter euch werden mitbekommen haben, dass ich das neuste Werk der Jungs
sehr schätze, entsprechend freute ich mich die Songs endlich live zu sehen. Für
den Großteil der Anwesenden Emokiddies schienen die Jungs um Tobi etwas pun-
kig zu sein, mir gefiel trotz nicht optimalem Sound. Es gab viele von der neuen De-
mo-CD, aber warum zum verfuckten Wunschkonzert-Henker nochmal kein "Von
hier auf ewig"?

Überzeugen konnte mich auch Senses Fail. Die Jungs waren bedeutend brachia-
ler als Saosin und und gingen in ihren Ansagen z.B. auch auf Bill Cosby ein (falls
das hier irgendwen interessiert). Das Publikum im nicht überfüllten Ringlokschup-
pen war trotzdem noch immer in Vorbandstimmung. Das änderte sich wie anzu-
nehmen war auch bei der folgenden Lokalband nicht, dich ich komplett verpasste.

Das erste ernstzunehmende Gekreische gab es dann bei Underoath. Die Christ-
metaler wirkten auf der Bühne garnicht so christlich: Der Sänger wieß eine nicht
zu leugnende Ähnlichkeit mit Iggy Pop auf, was bei mir im Kopf natürlich immer
das Wort Heroin klingeln lässt. Der Rest der Band, vor allem der Keyboarder, ging
ab wie vom Teufel besessen. Exorzismus live! Die folgende Lokalband verpasste
ich leider wieder.
 
Underoath @ Taste Of Chaos 2006 Ringlokschuppen / Bielefeld

Dann war es an der Zeit für die von mir am meisten erwartete Band des Abends:
Anti-Flag! Anscheinend schien ich einer der Wenigen zu sein, die besonders auf
diese Band gewartet haben. Vor der Bühne füllte es sich nicht wieder so sehr wie
bei Underoath, wohl wieder zuviel Punkrock und Poltik für die Emokids. Trotzdem
legten die Jungs ordentlich los und vor der Bühne bildete sich der erste und einzige
ernstzunehmende Pit des Abends.  Weiß heißt die Jungs? Eigentlich legten heute
abend nur zwei richtig los: #2 und Pat gingen ab wie eh und je, Chris wie immer
nicht so sehr, aber was war mit Justin? Der Gute sah noch magerer aus als sonst
und ging kaum ab. Krank? Negativ am Set aufgefallen ist mir vor allem, dass die
Jungs viel zu viele Songs vom Majordebut "For Blood And Empire" spielten und
dass "The Press Corpse" das legendäre "Die for your Government" von der Posi-
tion des letzten Songs vertrieben hat.
 
Anti-Flag @ Taste Of Chaos 2006 Bielefeld / Ringlokschuppen

Für den Abschluss sorgten Taking Back Sunday mit Ersatzgitarrist und kurzfris-
tig anstudiertem Set. So richtig Stimmung kam komischerweise nicht auf, ich
hätte erwartet dass die Jungs mehr mitreißen. Zum Ärgernis vieler gab es zwi-
schendurch einige Akustiksongs. Zur Versöhnung gab es am Ende noch "Tell
all your friends" und "A Decade under the influence", trotzdem konnte man eini-
ge enttäuschte Gesichter nach diesem Auftritt sehen.
 
Taking Back Sundy @
Taste Of Chaos 2006
Ringlokschuppen / Bielefeld

Das war also die Taste Of Chaos Tour 2006. Nicht so erfolgreich und nicht so
gut wie die 2005er Variante, aber trotzdem einen Besuch wert. Stimmungstech-
nisch sehr schwach. Sind wir mal gespannt wer im nächsten Jahr dabei sein
wird, ich tippe ja zum Beispiel auf Aiden und Silverstein. Hoffen wir dass die Tour
nicht untergeht wie der Versuch die Vans Warped Tour nach Europa zu bringen.

BB
 

Diese und weitere Fotos von Ola
 

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