Street-Beat-Festival
Schiesser, Se Schrillos, ZZZ Hacker, End of the Line
24.01.04 - Bielefeld / Forum

Was ist am vorletzten Freitag in Januar? Na klar, Street Beat Festival! Und was gibt's
da jedes Jahr? Na klar, nen Haufen Bands und irgendwas Neues von Midge. Dieses
Jahr bescherte Midge uns zwei Bühnen, das hatte den Vorteil dass Umbaupausen im
Grunde genommen wegfielen. Wunderbare Sache also. Dazu noch stabile Preise (12
Bands für 10 €), dass lässt doch schon im voraus gute Laune aufkommen!

20 Uhr Beginn? Wichtige Leute kommen natürlich später, so trudelte ich gegen 21 Uhr
im Forum ein und hatte schon die ersten beiden Bands Trapped und Flugs von Statten
verpasst.
Das Forum war schon relativ voll und Mötex rockten gerade auf der kleinen Bühne. Re-
lativ harter Sound mit Hacker-Kussi an der Gitarre. Ich fand die Band ja damals schon
als Support der Lost Lyrics ganz gut und der Eindruck bestätigte sich, auch wenn das
nicht wirklich 100%ig mein Stil ist. Nach ihrem letzten Song gab es ein nettes "Los, haut
ab! Geht zur anderen Bühne!"und das Ganze Völkchen wanderte zur anderen Bühne.
Dort waren als nächste Jumbo Queen an der Reihe. Die machten rockigen Punkrock bei
dem mir vor allem die dreckige, krächzende Stimme des Sängers, der ständig auch seine
Gitarre und nicht ins Publikum schaute, gefiel. Ansonsten kann ich zu der Musik nur sagen:
Nette Hintergrundmusik, wenn man die passende Stimmung hat und auf dem Sofa liegt!
Dann ging's wieder zur kleinen Bühne, wo die ZZZ Hacker am Start waren. Am Start?
Nee, wie immer wenn die bielefelder Urgesteine irgendwo auftauchen klappt nichts und
so bewerte sich an dieser Stelle das 2 Bühnen System auch nicht weiter, denn Tekielas
Gitarre funktionierte nicht. Also blieb erstmal genug Zeit um über das geschmackvolle
Outfit von Sänger und Drummer Charles zu staunen: An den Armen setzte er auf stilvolle
pinke Ärmel mit Totenköpfen während der Oberkörper mehr im Leopardenmuster er-
strahlte. Los ging's dann auch bald. Für so ziemlich jeden gab's nen "Arschtritt", dann
folgte "Kein Bier, kein Ton". Normalerweise mag ich die Hacker ja schon alleine weil
sie immer noch so schlecht sind wie vor 20 Jahren, aber der Anfang kam bei mir diesmal
nicht so sonderlich an. Das änderte sich aber. "Discotod" und "Nymphomanin" gefielen
mir da schon besser. Dann kam der einzige Filmsong den die Hacker je gemacht haben:
"Operation Dancesensation". Und auch der alte Song "Arschloch" wurde mal wieder ge-
spielt, super Sache! Die Stimmung war gut, die ersten Runden Pogo wurden getanzt und
die Hacker durften auch die erste Zugabe des Abends geben. Und was gab's? Passend
zum Thema Schüco-Arena vs. Alm natürlich "DSC Arminina".
Dann ging's zurück zur großen Bühne, wo Cromdale mit rockigem Folkpunk zu begeistern
wußten. Die alten Herren erschienen mir, besonders der Sänger, ein wenig wie die deutschen
Flogging Molly (nur ein bischen weniger Punk). An Instrumenten boten sie neben dem
"Normalen" noch Akkordeon und Geige. Besonders lustig fand ich den Bassisten, der ohne
Haare, dafür aber im Schottenrock auf der Bühne rumspackte und nur grinste. Super Typ!
Auch an dezenten Effekten wurde nicht gespart, so gab's brennende Sticks während eines
Songs. An einen Herrn George W. gab es das Statement "I know I have to die, but not for
you". Auch hier verlange das Publikum nach Zugaben. Bis jetzt die beste Stimmung des
Abends. Es gab noch "What shall we do with the drunken Sailor" und der Zeitplan verschob
sich weiter. Für mich die postive Überraschung des Abends.
Darauf folgte die negative Erfahrung des Abends: Dust. Überhaupt nicht mein Ding harte,
brachiale Mucke à la Sepultura. Ich wartete sehnlichst auf das Ende.
Weiter ging es auf der großen Bühne mit Kindercore. Weisse Hemden und kurze Hosen
räumten den Laden auch gut leer. Die Witze der Band (mit dem Bobbycar den Tod von
James Dean darstellen) und auch die Mischung aus hartem Punkrock, ab und an Ska und
einer Psycho-Stimme kamen beim Publikum nicht wirklich an. Wie die Band selbstironisch
feststellte gab es den größten Applaus, als sie ihr letztes Lied ankündigten. Den Auftritt wird
das OX wohl wieder in der Luft zerreissen.
Um es vorwegzunehmen, es folgte DIE Band des Abends: Se Schrillos. Als Zwerge mit
langen roten Mützen auf dem Kopf betraten sie gegen 1.20 Uhr die Bühne und boten dem
Publikum einen Haufen Cover-Songs. Aber nicht im Ami-Me first...-Style, sondern als
Rock'n'Roll-Punk-Versionen. Opener "Sex Bomb". Begeisterung im Publikum. Weiter ging's
mit "Waterloo", "You can go your own Way", "Lady in Black", "Seasons in the Sun" und das
Publikum feierte. Natürlich musste auch hier eine Zugabe her: "The Ace of Spades". Alle
gingen ab, dann war auch hier Feierabend.
Im Forum war es, aufgrund der Uhrzeit, schon deutlich leerer als Schiesser in neuer Formation
auf die Bühne gingen. Das hatte sich Midge bestimmt anders ausgemalt. Es gab ein paar neue
Songs, ein paar alte Überarbeitetet, natürlich Arminia-Songs. Alles in allem ist der Sound der
Schiesser Brüder und Schwestern eindeutig runder geworden. Für mich schon zu rund, unge-
wohnt klang z.B. "Fürn Arsch". Bleibt zu hoffen, dass die Schiesser das Saxophone demnächst
in coolen Offbeat-Song umzusetzen wissen. Natürlich gab's auch hier eine Zugabe und zwar
den neusten Song "Kill a Punk fpr R'n'R". Sorry, aber dazu kann man nicht viel positives sagen.
Irgendwann hat man "Sheena is a Punkrocker" auch oft genug gecovert, wir erinnern uns an
"Schiesser sind Punkrocker" und "Aufsteiger Bielefeld". Natürlich ist der Song super, ist ja auch
von den Ramones, aber auf Dauer wird's auch einfach langweilig in immer wieder zu kopieren,
vor allem wenn sich in dem Song die Zeile "Kill a Punk for R'n'R" einfach nur ständig wiederholt.
Kreativität = 0! Zwar gab's auch noch Knaller wie "Madame Kuluga", aber alles in allem war
ich schon ein bischen enttäuscht.
Nun mußte ich mir erstmal die Birne mit dem sonst so verhassten Kaffee vollschütten um nicht
einzupennen (hatte die Nacht davor nicht geschlafen) dann setzten End of the Line den Endpunkt.
Die jüngste Band des Abends hatte zuvor schon einen anderen Gig gehabt und war leicht ange-
heitert. Es gab Melodic-Punk mit Einflüssen wie Ska und Raggae. Ein super Band, die sich heute
auch mal abschließend ein paar Verspieler leisten konnte! Die letzten Schnapsleichen tanzten
noch ordentlich, dann war Feierabend. Netter Auftritt für 3.00 Uhr morgens!

Fazit:
Das Street-Beat Festival war mal wieder ordentlich! Wobei ich kritisch anmerken muss, dass
da mal mehr jüngere Bands spielen sollten. Das würde noch ein zweites Publikum anlocken und
andere Bands hätten mal die Chance im Forum zu spielen. Also nicht nur Bands mit Altersdurch-
schnitt über 30 spielen lassen. Ansonsten wie gesagt ne gute Sache!