Die Lieblingstanzkapelle der jungen bis
mittelalten Intelligenzia lud zum Tanz in der
alten Bogefabrik und das Bielefelder Publikum
folgte trotz harter Konzertkonkurrenz.
Gut gefüllt zeigte sich das Forum
– wesentlich stärker als beim letzten Konzert vor
1½ Jahren - was den Platz zum obligatorischen
Abzappeln natürlich merklich
schrumpfen ließ.
Zunächst aber erst einmal die Vor„band“:
Die selbsternannte „Sterne-Praktikantin“
aus Linz, Österreich, mit dem netten Namen
Gustav amüsierte das Publikum
mit ihrer Ein-Frau-Show unter Zuhilfenahme von
Minimal-Elektronika aus der Dose kombiniert
mit Keyboard oder auch mal Ukulele-
Einlagen. Obendrein gab’s ulkige, zumeist
deutsche Texte und smoothe, elegante
Bewegungen. Durchaus gefällig.
Die Hauptband:
Nach verständlicherweise ziemlich
kurzer Umbaupause betraten die "Stars" des
Abends die Bühne und es war endlich
der Moment gekommen, um sich Achseln und
Stirn mit Schweiß zu benetzen. Das
neue Album „Räuber und Gedärm“ sollte präsen-
tiert werden, was sich an der Setlist
dann auch deutlich bemerkbar machte. Von den
13 Liedern der Platte wurden ganze 12
über den Prä-Zugaben-Teil des Konzerts ver-
teilt, zugegebenerweise gut durchmischt
mit alten Klassikern.
Mutig, wo sich doch die Meinungen von
Kritikern und Fans bei dem weniger durchkon-
struierten neuen Werk scheiden. So wurden
auch schnell die ersten Stimmen laut,
um mehr alte Kracher zu fordern. Sterne-Sänger
Spilker reagierte mit der Ansage, er
müsse ja auch das neue Werk vorstellen
und vertröstete den Mob auf den Zugabenteil.
Von diesem Moment an wurde nach jedem
Lied lautstark „Zugabe“ gefordert, mehr
Statement zu einem Album benötigt
es nicht. Es soll aber nicht der Eindruck entsteh-
en, die Leute hätten nicht auch bei
diesen Songs ihren Spaß gehabt. Dass ca. die er-
sten sieben Reihen komplett ausflippten
und ausgelassen das Tanzbein schwangen,
wurde jedoch nur durch die großen
Hits wie „Kaltfront“, „Universal Tellerwäscher“ oder
„Big in Berlin“ erreicht, deren Anteil
im hinteren Teil des Konzerts dann auch immer
mehr zunahm.
Interessanterweise hatte Spilker die Texte
zu den neuen Liedern immer zu seinen
Füssen liegen, was bei aufmerksamen
Beobachtern verschiedenste Vermutungen
aufkommen ließ. Leidet er nun unter
vorzeitiger Demenz oder hat die geraume Zeit
seit der Veröffentlichung der Platte
nicht zur Verinnerlichung der Zeilen ausgereicht.
Es muss hier aber zu seiner Entschuldigung
eingeräumt werden, dass er so gut wie
gar nicht auf die Textzettel zurückgreifen
musste und das Konzert auch sonst musika-
lisch ziemlich einwandfrei durchgespielt
war.
Einen jener Textzettel bekam ein junger
Mann aus dem Publikum beim Song „Der Tun-
nel“ in die Hand gedrückt, um diesen
anschließend an Spilkers Stelle, dieser nahm eine
kleine Auszeit, nahezu originalgetreu
zu verlesen – sehr schön anzuschauen, das.
Nach zwei, auch noch die letzten Kraftreserven
des Publikums aufzehrenden Zugaben,
war die Show aus. Die meisten verließen
daraufhin in ihrem erschöpft triefenden Zu-
stand zügig das Gebäude um einfach
nur noch duschen und schlafen zu gehen. Das
soeben noch prall gefüllte Forum
leerte sich rasch, was natürlich weniger im Sinn des
Sterne-Keyboarders Richard von
der Schulenburg war. Dieser legte nämlich noch
planmäßig feine Indie-Mucke
auf, gegen die rein gar nichts einzuwenden war. Doch
kaum jemand erwartete sich verständlicherweise
noch eine Steigerung von diesem
Abend und die Tanzfläche ließ
sich von dem kleinen versprengten Trüppchen einfach
nicht mehr füllen, sodass auch der
hier Schreibende den Ort des Geschehens verließ,
um sich noch einer anderen Lokalität
zuzuwenden. Er hätte mehr verdient gehabt, der
Richard.
Fazit:
Sie haben uns mal wieder ein gerechtes
Brett gegeben, die Hamburger. Die langjährige
Live-Erfahrung macht sich beim Publikum
nun mal bemerkbar. Der Kontakt zu selbigem
ist eng, Synchroneinlagen von Sänger
und Bassist erfreuen das Auge. Auch die neuen,
unter den Fans weniger konsensfähigen,
Songs werden ergreifend präsentiert. Insge-
samt ein gelungener Abend. Vielen Dank!
Andre Gatzemeier
Zurück zur Startseite