Die Sterne – „Räuber und Gedärm“-Tour 2006
Forum-Bielefeld am 21.04.06

Die Lieblingstanzkapelle der jungen bis mittelalten Intelligenzia lud zum Tanz in der
alten Bogefabrik und das Bielefelder Publikum folgte trotz harter Konzertkonkurrenz.
Gut gefüllt zeigte sich das Forum – wesentlich stärker als beim letzten Konzert vor
1½ Jahren - was den Platz zum obligatorischen Abzappeln natürlich merklich
schrumpfen ließ.

Zunächst aber erst einmal die Vor„band“:
Die selbsternannte „Sterne-Praktikantin“ aus Linz, Österreich, mit dem netten Namen
Gustav amüsierte das Publikum mit ihrer Ein-Frau-Show unter Zuhilfenahme von
Minimal-Elektronika aus der Dose kombiniert mit Keyboard oder auch mal Ukulele-
Einlagen. Obendrein gab’s ulkige, zumeist deutsche Texte und  smoothe, elegante
Bewegungen. Durchaus gefällig.

Die Hauptband:
Nach verständlicherweise ziemlich kurzer Umbaupause betraten die "Stars" des
Abends die Bühne und es war endlich der Moment gekommen, um sich Achseln und
Stirn mit Schweiß zu benetzen. Das neue Album „Räuber und Gedärm“ sollte präsen-
tiert werden, was sich an der Setlist dann auch deutlich bemerkbar machte. Von den
13 Liedern der Platte wurden ganze 12 über den Prä-Zugaben-Teil des Konzerts ver-
teilt, zugegebenerweise gut durchmischt mit alten Klassikern.
Mutig, wo sich doch die Meinungen von Kritikern und Fans bei dem weniger durchkon-
struierten neuen Werk scheiden. So wurden auch schnell die ersten Stimmen laut,
um mehr alte Kracher zu fordern. Sterne-Sänger Spilker reagierte mit der Ansage, er
müsse ja auch das neue Werk vorstellen und vertröstete den Mob auf den Zugabenteil.
Von diesem Moment an wurde nach jedem Lied lautstark „Zugabe“ gefordert, mehr
Statement zu einem Album benötigt es nicht. Es soll aber nicht der Eindruck entsteh-
en, die Leute hätten nicht auch bei diesen Songs ihren Spaß gehabt. Dass ca. die er-
sten sieben Reihen komplett ausflippten und ausgelassen das Tanzbein schwangen,
wurde jedoch nur durch die großen Hits wie „Kaltfront“, „Universal Tellerwäscher“ oder
„Big in Berlin“ erreicht, deren Anteil im hinteren Teil des Konzerts dann auch immer
mehr zunahm.
Interessanterweise hatte Spilker die Texte zu den neuen Liedern immer zu seinen
Füssen liegen, was bei aufmerksamen Beobachtern verschiedenste Vermutungen
aufkommen ließ. Leidet er nun unter vorzeitiger Demenz oder hat die geraume Zeit
seit der Veröffentlichung der Platte nicht zur Verinnerlichung der Zeilen ausgereicht.
Es muss hier aber zu seiner Entschuldigung eingeräumt werden, dass er so gut wie
gar nicht auf die Textzettel zurückgreifen musste und das Konzert auch sonst musika-
lisch ziemlich einwandfrei durchgespielt war.
Einen jener Textzettel bekam ein junger Mann aus dem Publikum beim Song „Der Tun-
nel“ in die Hand gedrückt, um diesen anschließend an Spilkers Stelle, dieser nahm eine
kleine Auszeit, nahezu originalgetreu zu verlesen – sehr schön anzuschauen, das.
Nach zwei, auch noch die letzten Kraftreserven des Publikums aufzehrenden Zugaben,
war die Show aus. Die meisten verließen daraufhin in ihrem erschöpft triefenden Zu-
stand zügig das Gebäude um einfach nur noch duschen und schlafen zu gehen. Das
soeben noch prall gefüllte Forum leerte sich rasch, was natürlich weniger im Sinn des
Sterne-Keyboarders Richard von der Schulenburg war. Dieser legte nämlich noch
planmäßig feine Indie-Mucke auf, gegen die rein gar nichts einzuwenden war. Doch
kaum jemand erwartete sich verständlicherweise noch eine Steigerung von diesem
Abend und die Tanzfläche ließ sich von dem kleinen versprengten Trüppchen einfach
nicht mehr füllen, sodass auch der hier Schreibende den Ort des Geschehens verließ,
um sich noch einer anderen Lokalität zuzuwenden. Er hätte mehr verdient gehabt, der
Richard.

Fazit:
Sie haben uns mal wieder ein gerechtes Brett gegeben, die Hamburger. Die langjährige
Live-Erfahrung macht sich beim Publikum nun mal bemerkbar. Der Kontakt zu selbigem
ist eng, Synchroneinlagen von Sänger und Bassist erfreuen das Auge. Auch die neuen,
unter den Fans weniger konsensfähigen, Songs werden ergreifend präsentiert. Insge-
samt ein gelungener Abend. Vielen Dank!

Andre Gatzemeier
 

Zurück zur Startseite