Stemweder Open Air (U&D)
The Movement, EA 80, Panteón Rococó - 13.08-14.08.04

Zum 28. Mal rief Stemwede und es kamen wieder 20.000 Leute zum wohl
besten Umsonst und Draußen in Deutschland. Jedliche Coleur, von Punks
über Hip Hopper bis hin zu Hippies, war mal wieder vertreten und es wurde
friedlich zwei oder mehr Tage gefeiert.

DONNERSTAG
Wir erreichten das Festivalgelände schon Donnerstag am frühen Abend. Als
wir uns gerade ein Stück Land gesichert und die Zelte aufgeschlagen hatten
öffnete der Himmel auch schon seine Schleusen. Alles schien im Regen unter-
zugehen und unser Pavillion hielt nur mit menschlicher Unterstützung dem
Wetter stand. Nachdem sich Stemwede im letzten Jahr als staubtrockene Wüste
einen Namen gemacht hatte, war dieses Jahr anscheinend Sintflut angesagt.
Uns störte das erstmal allerdings recht wenig. Wir rissen die ein oder andere
Kanne auf und genossen den Abend im Schutz des Pavillions. Ein bißchen
gröhlen, ein bißchen Essen und Trinken, da stört einen das Wetter nicht.

FREITAG
Ohh nein! Kopfschmerzen! Und dann auch noch mit dem Kopf nach unten ge-
schlafen. Nicht gut! Egal! Das Festivalgelände war morgens immer noch recht leer
und mit den ersten Schauern machten wir uns Sorgen, ob überhaupt noch Leute
kommen würden. Doch die Sorgen machten wir uns umsonst. Ab 15 Uhr füllte
sich der Zeltplatz doch zusehens.
Um 17 Uhr sollten GOOD WITCH OF THE SOUTH eigentlich das Festival
auf der Hauptbühne eröffnen, doch wie das bei den ganzen Schluffis so ist... um
17.45 war immer noch nichts los, so dass ich mich erstmal wieder verzog. Gegen
18 Uhr hörte ich dann vom Campingplatz aus ein dumpfes Gemetzel in der Ferne.
Ich schaffte es leider nicht mich aufzuraffen und so verpasste ich den Stonerrock
der Meller. Wer rotzigen, harten Rock'n'Roll mag sollte sich die Jungs jedoch nicht
entgehen lassen.
Als nächstes waren dann CONCRETE JUNGLE an der Reihe. Vor der Bühne
war es schon gut gefüllt und die Leute gingen von Anfang an mit. Wunderbare
Raggae-Musik, die auch mich das Tanzbein schwingen ließ.Vor der Bühne lieferten
sich einige Leute ein wunderbare Schlammschlacht. Woodstock hautnah! Ich und
viele andere waren begeistert. Schon bei der zweiten Band des Tages steppte der
Bär vor der Waldbühne.
Dann musste ich mich aber erstmal wieder verziehen. Leider verpasste ich einen
Großteil der Show der bielefelder Melodie-Punks von END OF THE LINE. Die
traten mit Ersatzgitarrist an und konnten vor der Nu Stage die ersten Menschen
zum Tanzen animieren. Zwischendurch könnten sie sich allerdings immer wieder
mal kleine, mal größere Redepausen, die eine Punkerin dazu veranlassten pöbelnd
vor die Bühne zu ziehen. Als kurz darauf der Krach weiterging schwang sie allerdings
schon wieder das Pogotanzbein.
SPILLSBURY auf der Waldbühne verpasste ich komplett und auch von TIGERBEAT
bekam ich nur wenig mit. Die Hamburger waren mir ein wenig schicksig für Stemweder
Verhältnisse und auch die Musik konnte mich zu diesen Zeitpunkt nicht vom Hocker
reißen.
Dann war der Platz vor der Waldbühne aufeinmal überfüllt. EA 80 waren an der Reihe.
Legendenzeit! Die Mönchengladbacher spielten in Stemwede ihren ersten Festivalgig
seit 25 Jahren und das Publikum war heiß. Mit Sicherheit eigenwillig, aber eines
der Urgesteine der deutschen Punkszene.
Gegen 3 Uhr betraten dann auch THE MOVEMENT die Bühne. Es wurde etwas
leerer, aber trotzdem wurden die Mod-Ska-Power-Pop-Punker aus Kopenhagen
abgefeiert wie sau. Natürlich war die Setlist schon vorher klar: bei einem Album
gibt es nicht soviele Möglichkeiten.  Die Dänen rockten wie Stulle und die Hits wie
"Losing you" und "Waiting" brachten die Menge zum kochen. Nach 4 Uhr war dann
auch Feierabend.

SAMSTAG
Der Körper wehrt sich langsam gegen Dosenfraß, wenig Schlaf und Billigbier, aber
was soll's...
SOMMERSET eröffnen mit richtig gutem Emo-Core um 13 Uhr auf der Waldbühne.
Ich mag's wirklich und einige Punks bewerfen sich vor der Bühne mit Matsch. Eine
wirklich gute Band aus Neuseeland (auuuus Neuseeland)!
ONE MAN AND HIS DROID verpasse ich leider, dafür sehe ich auf der Nu Stage
die Hippie-Combo von LACK OF LIMITS. Die sind sympatisch weil sie ihre CDs
nicht zu festen Preisen, sondern nach den finanziellen Möglichkeiten der Käufer ver-
ticken. Die Musik kann mir dann leider nicht so zusagen. Celtic Folk Rock und irgend-
wie klingt es nach "What shall we do with the drunken sailor". Ich verabschiede mich
wieder und chille unter Pavillion mit einer köstlichen Dose Gemüse-Raviolli.
Die ELENDEN sind wirklich lustig. Machen Punkrock mit Folk- und auch mal Polka-
einflüssen und singen komische Texte über Popstars und andere wichtige Themen. Der
Sänger ist ca. 3m groß und schlacksig, trägt einen Schottenrock und hat ein nettes
Grinsen.
Dann starten die Bayern von SCOREFOR durch. Melodic-Punk. Vor der Bühne ist
nicht viel los, hinter der Bühne steht der bandeigene Bulli. Der Sänger trägt ein "Not
my Ministerpräsident"-Shirt mit dem Bild von Stoiber, was die Band sympathisch
macht, ich gehe micht trotzdem wieder erfrischen.
MOTORMUSCHI verpasse ich leider Gottes, dafür bin ich pünktlich zu PANTEÓN
ROCOCÓ wieder da. Vor der Bühne drängt sich alles in freudiger Erwartung. Die
Mexicaner brauchen recht lange zum Bühnenaufbau, dann geht es los. Mit dem ersten
Ton ist der gesamte Platz vom Mexican Ska infiziert. Es wird getanzt, gehüpft, gestage-
divt usw. Alles geht durcheinander, alle haben Spass. Die Band präsentiert St. Pauli
Pulli und Fahne auf der Bühne und beweißt damit auch neben der Musik einen guten
Geschmack. Was will man mehr sagen, als "Alle sind ausgerastet!"? Ca. 1 Stunde
später war Stemwede für mich dann auch beendet. Ich suche bis heute noch Sachen
wie Töpfe, Schlafsack und Lufmatratze die quer durch unsere Autos verteilt wurden...

Danke Stemwede. Danke Helfer. Es war wieder wunderbar. Bis zum nächsten Jahr!

    BB