Zum 28. Mal rief Stemwede und es kamen wieder 20.000 Leute zum wohl
besten Umsonst und Draußen in Deutschland. Jedliche Coleur, von
Punks
über Hip Hopper bis hin zu Hippies, war mal wieder vertreten und
es wurde
friedlich zwei oder mehr Tage gefeiert.
DONNERSTAG
Wir erreichten das Festivalgelände schon Donnerstag am frühen
Abend. Als
wir uns gerade ein Stück Land gesichert und die Zelte aufgeschlagen
hatten
öffnete der Himmel auch schon seine Schleusen. Alles schien im
Regen unter-
zugehen und unser Pavillion hielt nur mit menschlicher Unterstützung
dem
Wetter stand. Nachdem sich Stemwede im letzten Jahr als staubtrockene
Wüste
einen Namen gemacht hatte, war dieses Jahr anscheinend Sintflut angesagt.
Uns störte das erstmal allerdings recht wenig. Wir rissen die
ein oder andere
Kanne auf und genossen den Abend im Schutz des Pavillions. Ein bißchen
gröhlen, ein bißchen Essen und Trinken, da stört einen
das Wetter nicht.
FREITAG
Ohh nein! Kopfschmerzen! Und dann auch noch mit dem Kopf nach unten
ge-
schlafen. Nicht gut! Egal! Das Festivalgelände war morgens immer
noch recht leer
und mit den ersten Schauern machten wir uns Sorgen, ob überhaupt
noch Leute
kommen würden. Doch die Sorgen machten wir uns umsonst. Ab 15
Uhr füllte
sich der Zeltplatz doch zusehens.
Um 17 Uhr sollten GOOD WITCH OF THE SOUTH eigentlich das Festival
auf der Hauptbühne eröffnen, doch wie das bei den ganzen
Schluffis so ist... um
17.45 war immer noch nichts los, so dass ich mich erstmal wieder verzog.
Gegen
18 Uhr hörte ich dann vom Campingplatz aus ein dumpfes Gemetzel
in der Ferne.
Ich schaffte es leider nicht mich aufzuraffen und so verpasste ich
den Stonerrock
der Meller. Wer rotzigen, harten Rock'n'Roll mag sollte sich die Jungs
jedoch nicht
entgehen lassen.
Als nächstes waren dann CONCRETE JUNGLE an der Reihe. Vor der
Bühne
war es schon gut gefüllt und die Leute gingen von Anfang an mit.
Wunderbare
Raggae-Musik, die auch mich das Tanzbein schwingen ließ.Vor der
Bühne lieferten
sich einige Leute ein wunderbare Schlammschlacht. Woodstock hautnah!
Ich und
viele andere waren begeistert. Schon bei der zweiten Band des Tages
steppte der
Bär vor der Waldbühne.
Dann musste ich mich aber erstmal wieder verziehen. Leider verpasste
ich einen
Großteil der Show der bielefelder Melodie-Punks von END OF THE
LINE. Die
traten mit Ersatzgitarrist an und konnten vor der Nu Stage die ersten
Menschen
zum Tanzen animieren. Zwischendurch könnten sie sich allerdings
immer wieder
mal kleine, mal größere Redepausen, die eine Punkerin dazu
veranlassten pöbelnd
vor die Bühne zu ziehen. Als kurz darauf der Krach weiterging
schwang sie allerdings
schon wieder das Pogotanzbein.
SPILLSBURY auf der Waldbühne verpasste ich komplett und auch von
TIGERBEAT
bekam ich nur wenig mit. Die Hamburger waren mir ein wenig schicksig
für Stemweder
Verhältnisse und auch die Musik konnte mich zu diesen Zeitpunkt
nicht vom Hocker
reißen.
Dann war der Platz vor der Waldbühne aufeinmal überfüllt.
EA 80 waren an der Reihe.
Legendenzeit! Die Mönchengladbacher spielten in Stemwede ihren
ersten Festivalgig
seit 25 Jahren und das Publikum war heiß. Mit Sicherheit eigenwillig,
aber eines
der Urgesteine der deutschen Punkszene.
Gegen 3 Uhr betraten dann auch THE MOVEMENT die Bühne. Es wurde
etwas
leerer, aber trotzdem wurden die Mod-Ska-Power-Pop-Punker aus Kopenhagen
abgefeiert wie sau. Natürlich war die Setlist schon vorher klar:
bei einem Album
gibt es nicht soviele Möglichkeiten. Die Dänen rockten
wie Stulle und die Hits wie
"Losing you" und "Waiting" brachten die Menge zum kochen. Nach 4 Uhr
war dann
auch Feierabend.
SAMSTAG
Der Körper wehrt sich langsam gegen Dosenfraß, wenig Schlaf
und Billigbier, aber
was soll's...
SOMMERSET eröffnen mit richtig gutem Emo-Core um 13 Uhr auf der
Waldbühne.
Ich mag's wirklich und einige Punks bewerfen sich vor der Bühne
mit Matsch. Eine
wirklich gute Band aus Neuseeland (auuuus Neuseeland)!
ONE MAN AND HIS DROID verpasse ich leider, dafür sehe ich auf
der Nu Stage
die Hippie-Combo von LACK OF LIMITS. Die sind sympatisch weil sie ihre
CDs
nicht zu festen Preisen, sondern nach den finanziellen Möglichkeiten
der Käufer ver-
ticken. Die Musik kann mir dann leider nicht so zusagen. Celtic Folk
Rock und irgend-
wie klingt es nach "What shall we do with the drunken sailor". Ich
verabschiede mich
wieder und chille unter Pavillion mit einer köstlichen Dose Gemüse-Raviolli.
Die ELENDEN sind wirklich lustig. Machen Punkrock mit Folk- und auch
mal Polka-
einflüssen und singen komische Texte über Popstars und andere
wichtige Themen. Der
Sänger ist ca. 3m groß und schlacksig, trägt einen
Schottenrock und hat ein nettes
Grinsen.
Dann starten die Bayern von SCOREFOR durch. Melodic-Punk. Vor der Bühne
ist
nicht viel los, hinter der Bühne steht der bandeigene Bulli. Der
Sänger trägt ein "Not
my Ministerpräsident"-Shirt mit dem Bild von Stoiber, was die
Band sympathisch
macht, ich gehe micht trotzdem wieder erfrischen.
MOTORMUSCHI verpasse ich leider Gottes, dafür bin ich pünktlich
zu PANTEÓN
ROCOCÓ wieder da. Vor der Bühne drängt sich alles
in freudiger Erwartung. Die
Mexicaner brauchen recht lange zum Bühnenaufbau, dann geht es
los. Mit dem ersten
Ton ist der gesamte Platz vom Mexican Ska infiziert. Es wird getanzt,
gehüpft, gestage-
divt usw. Alles geht durcheinander, alle haben Spass. Die Band präsentiert
St. Pauli
Pulli und Fahne auf der Bühne und beweißt damit auch neben
der Musik einen guten
Geschmack. Was will man mehr sagen, als "Alle sind ausgerastet!"? Ca.
1 Stunde
später war Stemwede für mich dann auch beendet. Ich suche
bis heute noch Sachen
wie Töpfe, Schlafsack und Lufmatratze die quer durch unsere Autos
verteilt wurden...
Danke Stemwede. Danke Helfer. Es war wieder wunderbar. Bis zum nächsten Jahr!
BB