Schrottgrenze, Schwarz auf Weiß, u.a.
Bielefeld / AJZ - 13.11.04

Das OX-Fanzine hatte geladen und nicht besonders viele kamen...
Der zweite Teil des OX Weekend Festivals fand im AJZ Bielefeld
statt und das Line-Up mit Schrottgrenze, Schwarz auf Weiß, The
Girls, Timid Tiger, The Masons und Jumbo Queen konnte sich für
6,50 € bzw 7,50 € nach 19 Uhr wirklich sehen lassen. Umso erstaun-
ter war ich, als ich um 21.30 Uhr am AJZ ankam und gute 3,5 Stun-
den nach Einlass erst 44 Zahlende anwesend waren. So leer hatte
ich das Ajo noch nie erlebt, was mit Sicherheit auf die vielen Konkur-
renzveranstaltungen zurückzuführen ist, man denke an die Resistan-
ce Tour, die Mad Caddies, die Mimmi's, Solea, etc.

Natürlich startete auch dieses kleine Festival mit der AJZ typischen
Verspätung: Um 19.00 Uhr hätte es losgehen sollen, ich konnte um
21.30 noch eine ganze Menge von Timid Tiger, der zweiten Band
des Abends, mitbekommen. Die "schüchternen Tiger" aus Köln hat-
ten es mit ihrem ElectroPunk schwer. Die wenigen Leute beklatsch-
ten die Band zwar und einige tanzten auch, dennoch war es halt leer,
dabei war die Musik der Fünf aus der Cartoonwelt garnicht so schlecht.
Mal was anderes von schmalzig, triefend und sentimental bis zu lau-
nisch und kraftvoll. Von ihrer EP "Timid Tiger & The Electric Treasure
Box" konnte mich der Song "Miss Murray" am meisten überzeugen,
vom Sound her auf jeden Fall charttauglich.

Weiter ging es mit The Girls. Die Jungs aus Seattle sind zur Zeit ge-
rade mit Timid Tiger auf Europa-Tour und waren darum natürlich au-
ch im AJZ dabei. Rock'n'Roll Punk der sehr stark an die Hives und
beim Gesang auch etwas an Billy Talent erinnerte. Der Saal füllte
sich etwas und Songs wie "Zero", "Dope" und "Therapeutic" konn-
ten das Publikum durchaus begeistern. Besonders cool war der Sän-
ger der Band: der sah nämlich aus wie eine Mischung aus Joey Ra-
mone und dem Sänger der Red Hot Chili Peppers. Die Band musste
sogar eine Zugabe spielen. Verwunderlich fand ich, dass die Band
Shirts mit Titten-Aufdruck im AJZ verkaufen durfte!

Mit Schwarz auf Weiß aus Bremen war dann schon wieder ein kom-
pletter Stilwechsel angesagt. Die Sieben Hansestädter sorgten mit
ihrem zwei Bläsern und der Orgel für einen extrem tanzbaren Sound.
In Overalls bekleidete legten sie mit "Weg vom Plastik" los, es folg-
ten "Nero Burning" und "Was treibt dich": Kein Off-Beat, dement-
sprechend auch nicht wirklich Ska-Punk, vielmehr konnte die Band
Einflüsse aus allerlei anderen Stilen aufweisen. Getanzt wurde ganz
gut, weitere Songs waren "Rosa Brille", "Als ich noch so war wie ich
heute bin", "Stunde X" und "Retro". Gefiel mir alles sehr gut, es muss
nicht alles Off-Beat sein was Bläser hat und tanzbar seien will. Die
Jungs zogen aufgrund der Uhrzeit straight durch und machten mit
"Flucht Punkt" Schluss, natürlich nicht ohne vorher auf ihr neues Al-
bum "Hurra System" hinzuweisen.

So gegen 1 Uhr kamen dann auch endlich Schrottgrenze auf die Büh-
ne. Die vier Hamburger konnten ja in den letzten Jahren vermehrt An-
hänger im Umfeld der Wohlstandskinder gewinnen und das neue
Album "Das Ende unserer Zeit" wird ja allgemein gelobt. Ich hatte
die Jungs vorher noch nie gesehen und war darum einfach mal ge-
spannt. Opener "Wohnung", es folgt "Belladonna" von der gleichna-
migen EP. Schöner Punkrock auf der Grenze zwischen Emo und
Pop. "Zwilling da draußen" wurde von Sänger und Trommler Alex als
sein Lieblingssong vom neuen Album vorgestellt, weiter ging es mit
"Lied von Schnee", ebenfalls vom neuen Album. Erinnern Schrottgren-
ze auch auf Platte noch etwas an die Wohlstandskinder, so kann live
davon keine Rede sein: Die Songs krachen bedeutend mehr als auf
der Platte, die Gitarren gehen steil nach vorne und das Schlagzeug
treibt. Gefiel mir bedeutend besser als die Wohlstandskinder zuletzt.
Das Publikum tanzte und hüpfte, die Bandhits "Lila will heim", "Rock-
typen" und "Reibung, Baby", zu dem es übrigens auch superhässliche
T-Shirts gibt, beendeten das Set.

Um 2 Uhr hatte ich dann eigentlich genug und verzichtete auf The Ma-
sons, auf der Rückfahrt wurde mir dann mein Tinitus von den überlau-
ten Schrottgrenze bewußt. Eigentlich ein nettes, sehr sehr abwechs-
lungsreiches Festival, leider mäßig besucht.

BB