Das OX-Fanzine hatte geladen und
nicht besonders viele kamen...
Der zweite Teil des OX Weekend Festivals
fand im AJZ Bielefeld
statt und das Line-Up mit Schrottgrenze,
Schwarz auf Weiß, The
Girls, Timid Tiger, The
Masons und Jumbo Queen konnte sich für
6,50 € bzw 7,50 € nach 19 Uhr
wirklich sehen lassen. Umso erstaun-
ter war ich, als ich um 21.30 Uhr am AJZ
ankam und gute 3,5 Stun-
den nach Einlass erst 44 Zahlende anwesend
waren. So leer hatte
ich das Ajo noch nie erlebt, was mit Sicherheit
auf die vielen Konkur-
renzveranstaltungen zurückzuführen
ist, man denke an die Resistan-
ce Tour, die Mad Caddies,
die Mimmi's, Solea, etc.
Natürlich startete auch dieses kleine
Festival mit der AJZ typischen
Verspätung: Um 19.00 Uhr hätte
es losgehen sollen, ich konnte um
21.30 noch eine ganze Menge von Timid
Tiger, der zweiten Band
des Abends, mitbekommen. Die "schüchternen
Tiger" aus Köln hat-
ten es mit ihrem ElectroPunk schwer. Die
wenigen Leute beklatsch-
ten die Band zwar und einige tanzten auch,
dennoch war es halt leer,
dabei war die Musik der Fünf aus
der Cartoonwelt garnicht so schlecht.
Mal was anderes von schmalzig, triefend
und sentimental bis zu lau-
nisch und kraftvoll. Von ihrer EP "Timid
Tiger & The Electric Treasure
Box" konnte mich der Song "Miss Murray"
am meisten überzeugen,
vom Sound her auf jeden Fall charttauglich.
Weiter ging es mit The Girls. Die
Jungs aus Seattle sind zur Zeit ge-
rade mit Timid Tiger auf Europa-Tour
und waren darum natürlich au-
ch im AJZ dabei. Rock'n'Roll Punk
der sehr stark an die Hives und
beim Gesang auch etwas an Billy Talent
erinnerte. Der Saal füllte
sich etwas und Songs wie "Zero", "Dope"
und "Therapeutic" konn-
ten das Publikum durchaus begeistern.
Besonders cool war der Sän-
ger der Band: der sah nämlich aus
wie eine Mischung aus Joey Ra-
mone und dem Sänger der Red Hot
Chili Peppers. Die Band musste
sogar eine Zugabe spielen. Verwunderlich
fand ich, dass die Band
Shirts mit Titten-Aufdruck im AJZ
verkaufen durfte!
Mit Schwarz auf Weiß aus Bremen
war dann schon wieder ein kom-
pletter Stilwechsel angesagt. Die Sieben
Hansestädter sorgten mit
ihrem zwei Bläsern und der Orgel
für einen extrem tanzbaren Sound.
In Overalls bekleidete legten sie mit
"Weg vom Plastik" los, es folg-
ten "Nero Burning" und "Was treibt dich":
Kein Off-Beat, dement-
sprechend auch nicht wirklich Ska-Punk,
vielmehr konnte die Band
Einflüsse aus allerlei anderen Stilen
aufweisen. Getanzt wurde ganz
gut, weitere Songs waren "Rosa Brille",
"Als ich noch so war wie ich
heute bin", "Stunde X" und "Retro". Gefiel
mir alles sehr gut, es muss
nicht alles Off-Beat sein was Bläser
hat und tanzbar seien will. Die
Jungs zogen aufgrund der Uhrzeit straight
durch und machten mit
"Flucht Punkt" Schluss, natürlich
nicht ohne vorher auf ihr neues Al-
bum "Hurra System" hinzuweisen.
So gegen 1 Uhr kamen dann auch endlich
Schrottgrenze auf die Büh-
ne. Die vier Hamburger konnten ja in den
letzten Jahren vermehrt An-
hänger im Umfeld der Wohlstandskinder
gewinnen und das neue
Album "Das Ende unserer Zeit" wird ja
allgemein gelobt. Ich hatte
die Jungs vorher noch nie gesehen und
war darum einfach mal ge-
spannt. Opener "Wohnung", es folgt "Belladonna"
von der gleichna-
migen EP. Schöner Punkrock auf der
Grenze zwischen Emo und
Pop. "Zwilling da draußen" wurde
von Sänger und Trommler Alex als
sein Lieblingssong vom neuen Album vorgestellt,
weiter ging es mit
"Lied von Schnee", ebenfalls vom neuen
Album. Erinnern Schrottgren-
ze auch auf Platte noch etwas an die Wohlstandskinder,
so kann live
davon keine Rede sein: Die Songs krachen
bedeutend mehr als auf
der Platte, die Gitarren gehen steil nach
vorne und das Schlagzeug
treibt. Gefiel mir bedeutend besser als
die Wohlstandskinder zuletzt.
Das Publikum tanzte und hüpfte, die
Bandhits "Lila will heim", "Rock-
typen" und "Reibung, Baby", zu dem es
übrigens auch superhässliche
T-Shirts gibt, beendeten das Set.
Um 2 Uhr hatte ich dann eigentlich genug
und verzichtete auf The Ma-
sons, auf der Rückfahrt wurde
mir dann mein Tinitus von den überlau-
ten Schrottgrenze bewußt.
Eigentlich ein nettes, sehr sehr abwechs-
lungsreiches Festival, leider mäßig
besucht.
BB