Zines die nur über Ami-Punk/Hardcore/Emo schreiben würden
das Publikum der
"Force Attac Warm Up"-Tour wohl als "Assel-Punks" oder ähnliches
bezeichenen,
doch ganz so einfach sollte man es sich auch nicht machen, denn bei
diesem Spek-
takel waren nicht nur die standardmässigen Freunde des Deutschpunk
anwesend.
Auch "normale" Jugendliche und alte Slime-Fans/-Bekannte waren gekommen
um
die Uhr ein paar Jahre zurückzudrehen, Groupies waren auf der
Jagd nach Auto-
grammen. Ca. 1200 Menschen sorgten in der hamburger Markthalle für
ein bischen
Rockstar-Feeling beim Heimspiel von Rubberslime.
Den Anfang machten Popperklopper. Das Trio spielte Deutschpunk
der härteren
Gangart und war für mich die positive Überraschung des Abends.
Songs wie "Wir
brauchen keine Bundeswehr" , "Hoffnung" und "KZ" konnte das Publikum
mitreissen,
so dass schnell ein großer Pit entstand. Die Band ging wirklich
gut ab, ein super Auf-
takt, der auf jeden Fall Lust auf mehr machte. Highlight: der Klassiker
"Die Multina-
tionalen".
Diese Lust bremsten Müllstation anschließend jedoch
gnadenlos aus. Die Vier boten
Punkrock der etwas älteren Art, der kaum jemanden begeistern konnte.
Die Band ging
auf der Bühne nicht wirklich ab, sondern spielte trocken ihre
Lieder runter und der
Sänger war im Grunde genommen nicht zu verstehen, ich schätze
mal, dass das an sei-
nem Alk-Pegel lag. Der Sound der Band ist stark englisch beeinflußt
und erinnerte mich
immer wieder an die guten, alten Sex Pistols.
Auf die schlechteste Band des Abends folgte die leider witzigste Band
des Abends: Jesus
Skins. Hier gab es Oi!-Punk der christlichen Art. Die zwei Sänger
gröhlten, mit Bier be-
waffnet, ihre wertvollen Texte ins Mikro, was beim Publikum auf geteilte
Meinung prallte.
Die einen tanzten vor der Bühne Pogo, die anderen lachten und
wieder andere zeigten
der Band bei jeder Gelegenheit den Mittelfinger. Die Songs hießen
"Kirchenasyl", "Die
3 Könige" und "Skinheads in der Kirche" und zeichneten sich besonders
durch recht sim-
pel strukturierte Texte aus. Ich kann mir ein Grinsen und Kopfschütteln
nicht verkneifen.
Dann kam kurz ein unbekannter Sänger auf die Bühne um den
verbotenen Text von "77
heißt grüß Gott" zu singen, zum Abschluss gab's dann
noch "Saufen und Fussball", dann
war endlich Schluss. Gott sei dank! Bitter!!!
Nun folgte die für mich beste Band des Abends: Rasta Knast!
Deutschpunk mit schwe-
dische Einflüssen. Melodich und ein wenig melancholisch! Das Set
begann mit dem
Klassiker "Legale Verbrecher" und das Publikum ging gleich richtig
ab. Für mich war es
dass erste Mal, dass ich Hecktor (Ex-Hass) als zweiten Gitarristen
und Sänger erlebte
und ich fand, dass er sich ganz gut eingelebt hat. Es gab allerhand
an Songs wie "Gene-
ration des Untergangs", "Blut, Tod und Tränen", "Kein Licht" sowie
"Die Katze beißt in
Draht". Schwitzen taten jetzt, zumindest aufgrund des Klimas, die meisten.
Doch dann
gab's noch ein echtes Highlight. Dirk von Rubberslime betrat die Bühne
und spielte mit
Rasta Knast zusammen noch "Gerechtigkeit". Wirklich hammer! Da war
die Vorfreude
auf Rubberslime groß.
Als Rubberslime die Bühne betraten zitterte ich fast, hatte
ich doch nie Slime live sehen
dürfen und hoffte nun auf eine ordentliche Entschädigung.
Viele Slime-Cover, eine paar
Rubbermaids-Songs, etwas CIA und ein paar eigene Songs
erwartete ich.
Opener war gleich der Klassiker "ACAB" und die Meute war nicht mehr
zu halten. Pogo
wohin man sah. Es folgten weitere Slime-Klassiker, bevor Dirk dann
feststellte "Wir sind
keine Slime-Coverband". Es folgten einige Rubbermaids-Cover und einige
neue Songs.
Das Publikum schaltete bei den neuen Songs deutlich zurück und
das war auch kein Wun-
der, konnten die Songs doch nicht wirklich überzeugen. Slime-Klassiker
wie "Wenn der
Himmel brennt" und "Yankees raus" begeisterten, doch neue Songs wie
"Stupid White
Men" wirkten dagegen nur plastisch. Mir schien es so, als wollte man
da auf moderne,
poppige Art ein Statement zu George Bush abgeben, weil zur Zeit alle
ein Statement dazu
abgeben. Sehr oberflächlich und unpassend, da war nichts mehr
von Aggresivität zu
spüren. Im Zugabenteil gab es dann noch "Religion" als Statement
an die verblendeten
Jesus Skins und "1,7 Promille", bei dem alle Bands der Tour
auf die Bühne kommen soll-
ten, was leider nicht ganz gelang. Highlights waren hier: "Alle gegen
alle" und "Albtraum".
Wirklichen überzeugen konnten mich Rubberslime nicht. Im modernen
Trainingsjacken-
Outfit, gebräunt und blondiert kann man der Band zwar zugute halten,
sich offen weiter-
entwickelt zu haben und sich auf der Bühne nicht wie "die alten
Slime" verkleidet zu haben,
doch geht so auch etwas von dem Flair verloren. Für mich ist Rubberslime
wirklich ein
Versuch nochmal etwas Kohle zu verdienen und das "es wird keine Slime-Reunion
mehr
geben"-Statement zu umgehen. Sehr bedrückend war für mich,
dass die Songs nicht mehr
wirklich überzeugt klangen, für mich ist Rubberslime wirklich
eine Band, die Slime-Songs
nachspielt, also doch eine Slime-Coverband. Es standen die Songs, nicht
die Aussage im
Vordergrund. Bitter aber wahr.
Fazit:
Wer Slime-Songs mal live hören will und dabei Original Sänger
Dirk, Ur-Gitarrist Elf und
Punkrockurgestein Minne sehen will, der sollte sich Rubberslime
ruhig anschauen, sich je-
doch darüber im klaren sein, dass er/sie eventuell über die
Entwicklung der einstigen Vor-
bilder enttäuscht sein wird. Die Message geht verloren. Wer sich
an die guten, alten Zeiten
erinnern will, dem empfehle ich die Slime-DVD.
BB