Rubberslime, Rasta Knast, Popperklopper, u.a.
28.02.04 - Hamburg / Markthalle

Zines die nur über Ami-Punk/Hardcore/Emo schreiben würden das Publikum der
"Force Attac Warm Up"-Tour wohl als "Assel-Punks" oder ähnliches bezeichenen,
doch ganz so einfach sollte man es sich auch nicht machen, denn bei diesem Spek-
takel waren nicht nur die standardmässigen Freunde des Deutschpunk anwesend.
Auch "normale" Jugendliche und alte Slime-Fans/-Bekannte waren gekommen um
die Uhr ein paar Jahre zurückzudrehen, Groupies waren auf der Jagd nach Auto-
grammen. Ca. 1200 Menschen sorgten in der hamburger Markthalle für ein bischen
Rockstar-Feeling beim Heimspiel von Rubberslime.

Den Anfang machten Popperklopper. Das Trio spielte Deutschpunk der härteren
Gangart und war für mich die positive Überraschung des Abends. Songs wie "Wir
brauchen keine Bundeswehr" , "Hoffnung" und "KZ" konnte das Publikum mitreissen,
so dass schnell ein großer Pit entstand. Die Band ging wirklich gut ab, ein super Auf-
takt, der auf jeden Fall Lust auf mehr machte. Highlight: der Klassiker "Die Multina-
tionalen".

Diese Lust bremsten Müllstation anschließend jedoch gnadenlos aus. Die Vier boten
Punkrock der etwas älteren Art, der kaum jemanden begeistern konnte. Die Band ging
auf der Bühne nicht wirklich ab, sondern spielte trocken ihre Lieder runter und der
Sänger war im Grunde genommen nicht zu verstehen, ich schätze mal, dass das an sei-
nem Alk-Pegel lag. Der Sound der Band ist stark englisch beeinflußt und erinnerte mich
immer wieder an die guten, alten Sex Pistols.

Auf die schlechteste Band des Abends folgte die leider witzigste Band des Abends: Jesus
Skins. Hier gab es Oi!-Punk der christlichen Art. Die zwei Sänger gröhlten, mit Bier be-
waffnet, ihre wertvollen Texte ins Mikro, was beim Publikum auf geteilte Meinung prallte.
Die einen tanzten vor der Bühne Pogo, die anderen lachten und wieder andere zeigten
der Band bei jeder Gelegenheit den Mittelfinger. Die Songs hießen "Kirchenasyl", "Die
3 Könige" und "Skinheads in der Kirche" und zeichneten sich besonders durch recht sim-
pel strukturierte Texte aus. Ich kann mir ein Grinsen und Kopfschütteln nicht verkneifen.
Dann kam kurz ein unbekannter Sänger auf die Bühne um den verbotenen Text von "77
heißt grüß Gott" zu singen, zum Abschluss gab's dann noch "Saufen und Fussball", dann
war endlich Schluss. Gott sei dank! Bitter!!!

Nun folgte die für mich beste Band des Abends: Rasta Knast! Deutschpunk mit schwe-
dische Einflüssen. Melodich und ein wenig melancholisch! Das Set begann mit dem
Klassiker "Legale Verbrecher" und das Publikum ging gleich richtig ab. Für mich war es
dass erste Mal, dass ich Hecktor (Ex-Hass) als zweiten Gitarristen und Sänger erlebte
und ich fand, dass er sich ganz gut eingelebt hat. Es gab allerhand an Songs wie "Gene-
ration des Untergangs", "Blut, Tod und Tränen", "Kein Licht" sowie "Die Katze beißt in
Draht". Schwitzen taten jetzt, zumindest aufgrund des Klimas, die meisten. Doch dann
gab's noch ein echtes Highlight. Dirk von Rubberslime betrat die Bühne und spielte mit
Rasta Knast zusammen noch "Gerechtigkeit". Wirklich hammer! Da war die Vorfreude
auf Rubberslime groß.

Als Rubberslime die Bühne betraten zitterte ich fast, hatte ich doch nie Slime live sehen
dürfen und hoffte nun auf eine ordentliche Entschädigung. Viele Slime-Cover, eine paar
Rubbermaids-Songs, etwas CIA und ein paar eigene Songs erwartete ich.
Opener war gleich der Klassiker "ACAB" und die Meute war nicht mehr zu halten. Pogo
wohin man sah. Es folgten weitere Slime-Klassiker, bevor Dirk dann feststellte "Wir sind
keine Slime-Coverband". Es folgten einige Rubbermaids-Cover und einige neue Songs.
Das Publikum schaltete bei den neuen Songs deutlich zurück und das war auch kein Wun-
der, konnten die Songs doch nicht wirklich überzeugen. Slime-Klassiker wie "Wenn der
Himmel brennt" und "Yankees raus" begeisterten, doch neue Songs wie "Stupid White
Men" wirkten dagegen nur plastisch. Mir schien es so, als wollte man da auf moderne,
poppige Art ein Statement zu George Bush abgeben, weil zur Zeit alle ein Statement dazu
abgeben. Sehr oberflächlich und unpassend, da war nichts mehr von Aggresivität zu
spüren. Im Zugabenteil gab es dann noch "Religion" als Statement an die verblendeten
Jesus Skins und "1,7 Promille", bei dem alle Bands der Tour auf die Bühne kommen soll-
ten, was leider nicht ganz gelang. Highlights waren hier: "Alle gegen alle" und "Albtraum".

Wirklichen überzeugen konnten mich Rubberslime nicht. Im modernen Trainingsjacken-
Outfit, gebräunt und blondiert kann man der Band zwar zugute halten, sich offen weiter-
entwickelt zu haben und sich auf der Bühne nicht wie "die alten Slime" verkleidet zu haben,
doch geht so auch etwas von dem Flair verloren. Für mich ist Rubberslime wirklich ein
Versuch nochmal etwas Kohle zu verdienen und das "es wird keine Slime-Reunion mehr
geben"-Statement zu umgehen. Sehr bedrückend war für mich, dass die Songs nicht mehr
wirklich überzeugt klangen, für mich ist Rubberslime wirklich eine Band, die Slime-Songs
nachspielt, also doch eine Slime-Coverband. Es standen die Songs, nicht die Aussage im
Vordergrund. Bitter aber wahr.

Fazit:
Wer Slime-Songs mal live hören will und dabei Original Sänger Dirk, Ur-Gitarrist Elf und
Punkrockurgestein Minne sehen will, der sollte sich Rubberslime ruhig anschauen, sich je-
doch darüber im klaren sein, dass er/sie eventuell über die Entwicklung der einstigen Vor-
bilder enttäuscht sein wird. Die Message geht verloren. Wer sich an die guten, alten Zeiten
erinnern will, dem empfehle ich die Slime-DVD.

    BB