Nachdem ich von der Show vorletztes Jahr in Hannover so begeistert war,
freute
ich mich natürlich umso mehr, dass die Vorzeige-Californier einen
ihrer drei Deutsch-
land-Gigs dieses Jahr direkt um die Ecke in Osnabrück absolvierten.
Zwei Fragen
stellten sich für mich vor der Show: 1. können die beiden
Vorbands mit den Vor-
bands der letzten Tour, die beide komplett abgefeiert wurden,
mithalten? 2. Spielt
Politik jetzt eine größe Rolle bei Nofx-Shows?
Um 20.00 Uhr eröffneten die Epoxies mit ihrem Hit "Need
more Time" den Abend.
Im spacigen Outfit legte das Quintett gleich richtig los: Frontfrau
Roxy Epoxy schwang
die Hüften besser als Shakira und Keyboarder Fritz M. Static spielte,
im Maske-
Klebeband-kostüm, abwechselnd Roboter und Pyschopath. Weiter ging's
mit Songs
wie "Walk on the Streets", "Science of you" und "You", die live doch
rockiger klangen
als auf Platte, jedoch war mir der Gesang etwas dünn. Die Band
spielte nahezu ihr
komplettes Album durch und anschließend noch den ein oder anderen
neuen Song.
Beim Publikum kamen Fat Mikes' neuen Lieblinge überhaupt nicht
an. Viele verstörte
und fragende Blicke, lediglich wenige wackelnde Köpfe, vereinzelt
sogar Buh-Rufe.
Mir gefiel der Mix aus New Wave und 77er Punk-Gitarren anfangs eigentlich
ganz gut,
doch nach ca. 15 Minuten klang das alles doch sehr eintönig.
Schon mehr den Nerv des Publikums trafen die Swingin' Utters.
Die machten typischen
Melodic-Punk und gleich gingen die Leute ganz gut mit. Mir gefiel die
Band überhaupt
nicht, was vor allem am Sänger lag. Mit kurzen Haaren und Polohemd
gabs von ihm das
typische Skinhead-Rumgegröhle und -geschreie. Auf Platte mag ich
Songs wie "Five
Lessons learned" eigentlich noch ganz gerne, da wird nämlich gesungen,
doch live gibt's
einfach nur gekrächtze. Positiv herausgestochen hat da vielleicht
der Akkustikgitarren-
song "Fruitless Fortune", der von Gitarristen der Band gesungen wird.
Auch der Sound
konnte mich bei den Utters nicht wirklich überzeugen.
Um auf Frage 1 zurückzukommen: Nein, die Vorbands konnten in keinster
Weise mit
denen der letzten Tour (Frenzal Rhode, Bouncing Souls) mithalten.
Um 21.45 Uhr betraten dann Nofx die Bühne und das Publikum war
sofort auf der
Höhe. Die Herren spielten ein kurzes Intro mit El Hefe an der
Trompete und Keyboard-
unterstützung von den Epoxies. Es folgte "Muder the Government"
mit einem neuen Text
in dem unter anderen Dick Cheney und George Bush vorkamen. Dann wurde
ersteinmal
groß rumgelabbert, überhaupt labberte die Band nach fast
jedem Song erstmal eine Runde
großen blödsinn. Auf "Dinosaurs will die" folgte wieder
ein Song mit politischem Hinter-
grund und zwar "Franco Unamerican". Bei diesem Song gab's wieder Keyboardunter-
stützung durch die Epoxies, wobei Fritz die erste Strophe verkackte,
Schuld daran waren
natürlich die Pillen und nicht der Alkohol... Anschließend
coverten die Vier kurz "Amoeba"
von den Adolescents und erzählten anschließend natürlich
wieder irgendwelchen blöd-
sinn. Es folgten der laut Fat Mike beste Nofx-Song "The Separation
of Church and Skate",
der Klassiker "Kill all the White Men" und "Perfect Government". Die
Band spielte und
labberte, das Publikum ging ab.
Auf die Frage welches Land man noch mehr hasse als Amerika wußte
im Publikum so
ziemlich keiner eine Antwort, bis Fat Mike bekanntgab: "France!" und
das klasse Cover
"Champs Elysees" anstimmte.
Irgendwann wechselten dann Melvin und Mike die Instrumente und es gab
"Radio" und
noch ein bischen Bad Religion.
Dann gab es nocheinmal was politisches und zwar "Idiot Son of an Asshole"
und einen
Haufen Klassiker, z.B. "Stickin' in my Eyes", "Bob", "Beer Bong", "The
Brews" und "We
threw gasoline...". Aus "Bottles to the ground" wurde letztendlich
noch "Pollacks to the
Ground". Traditionell gab's zum Schluss natürlich wieder unendlich
lange Melvin am Ak-
kordeon und ohne weitere Zugaben war nach ca. 90 Minuten + 10 Minuten
Plektren
und Sticks verteilen Feierabend.
Um auch noch zu Frage 2 zu kommen: Einige politische Statements gab
es durch Songs,
jedoch wurde sonst mehr gescherzt.
Das Publikum war begeistert von Nofx Auftritt und ich auch.
Die Band hat musikalisch
einige Statements gebracht, jedoch den Spass auf der Bühne in
keiner Weise vernach-
lässigt. Vom den Entertainment her können die Vier mit Sicherheit
mit den Ärzten kon-
kurrieren, die ja sonst als die Götter des Blödsinns gelten,
musikalisch haben sie einen
sauberen Querschnitt gebracht, indem auch die Trompete gut zum Einsatz
kam. Leider
fehlte wieder "Eat the Meak".
Alles in allem ein runder Abend, der jedoch nicht an das Konzert vor
zwei Jahren in Hann-
over heranreichen konnte. Nofx weiterhin live ein Erlebnis, die Vorbands
waren dieses
Jahr jedoch leider nicht so gut gewählt und der Eintrittpreiss
ist von 15€ auf 20€ gestiegen.
Fazit:
Nofx: live ein Erlebnis!
BB