Nofx, Swingin' Utters, Epoxies
23.05.04 - Osnabrück / Hyde Park

Nachdem ich von der Show vorletztes Jahr in Hannover so begeistert war, freute
ich mich natürlich umso mehr, dass die Vorzeige-Californier einen ihrer drei Deutsch-
land-Gigs dieses Jahr direkt um die Ecke in Osnabrück absolvierten. Zwei Fragen
stellten sich für mich vor der Show: 1. können die beiden Vorbands mit den Vor-
bands der letzten Tour, die beide komplett abgefeiert wurden,  mithalten? 2. Spielt
Politik jetzt eine größe Rolle bei Nofx-Shows?

Um 20.00 Uhr eröffneten die Epoxies mit ihrem Hit "Need more Time" den Abend.
Im spacigen Outfit legte das Quintett gleich richtig los: Frontfrau Roxy Epoxy schwang
die Hüften besser als Shakira und Keyboarder Fritz M. Static spielte, im Maske-
Klebeband-kostüm, abwechselnd Roboter und Pyschopath. Weiter ging's mit Songs
wie "Walk on the Streets", "Science of you" und "You", die live doch rockiger klangen
als auf Platte, jedoch war mir der Gesang etwas dünn. Die Band spielte nahezu ihr
komplettes Album durch und anschließend noch den ein oder anderen neuen Song.
Beim Publikum kamen Fat Mikes' neuen Lieblinge überhaupt nicht an. Viele verstörte
und fragende Blicke, lediglich wenige wackelnde Köpfe, vereinzelt sogar Buh-Rufe.
Mir gefiel der Mix aus New Wave und 77er Punk-Gitarren anfangs eigentlich ganz gut,
doch nach ca. 15 Minuten klang das alles doch sehr eintönig.
Schon mehr den Nerv des Publikums trafen die Swingin' Utters. Die machten typischen
Melodic-Punk und gleich gingen die Leute ganz gut mit. Mir gefiel die Band überhaupt
nicht, was vor allem am Sänger lag. Mit kurzen Haaren und Polohemd gabs von ihm das
typische Skinhead-Rumgegröhle und -geschreie. Auf Platte mag ich Songs wie "Five
Lessons learned" eigentlich noch ganz gerne, da wird nämlich gesungen, doch  live gibt's
einfach nur gekrächtze. Positiv herausgestochen hat da vielleicht der Akkustikgitarren-
song "Fruitless Fortune", der von Gitarristen der Band gesungen wird. Auch der Sound
konnte mich bei den Utters nicht wirklich überzeugen.
Um auf Frage 1 zurückzukommen: Nein, die Vorbands konnten in keinster Weise mit
denen der letzten Tour (Frenzal Rhode, Bouncing Souls) mithalten.

Um 21.45 Uhr betraten dann Nofx die Bühne und das Publikum war sofort auf der
Höhe. Die Herren spielten ein kurzes Intro mit El Hefe an der Trompete und Keyboard-
unterstützung von den Epoxies. Es folgte "Muder the Government" mit einem neuen Text
in dem unter anderen Dick Cheney und George Bush vorkamen. Dann wurde ersteinmal
groß rumgelabbert, überhaupt labberte die Band nach fast jedem Song erstmal eine Runde
großen blödsinn. Auf "Dinosaurs will die" folgte wieder ein Song mit politischem Hinter-
grund und zwar "Franco Unamerican". Bei diesem Song gab's wieder Keyboardunter-
stützung durch die Epoxies, wobei Fritz die erste Strophe verkackte, Schuld daran waren
natürlich die Pillen und nicht der Alkohol... Anschließend coverten die Vier kurz "Amoeba"
von den Adolescents und erzählten anschließend natürlich wieder irgendwelchen blöd-
sinn. Es folgten der laut Fat Mike beste Nofx-Song "The Separation of Church and Skate",
der Klassiker "Kill all the White Men" und "Perfect Government". Die Band spielte und
labberte, das Publikum ging ab.
Auf die Frage welches Land man noch mehr hasse als Amerika wußte im Publikum so
ziemlich keiner eine Antwort, bis Fat Mike bekanntgab: "France!" und das klasse Cover
"Champs Elysees" anstimmte.
Irgendwann wechselten dann Melvin und Mike die Instrumente und es gab "Radio" und
noch ein bischen Bad Religion.
Dann gab es nocheinmal was politisches und zwar "Idiot Son of an Asshole" und einen
Haufen Klassiker, z.B. "Stickin' in my Eyes", "Bob", "Beer Bong", "The Brews" und "We
threw gasoline...". Aus "Bottles to the ground" wurde letztendlich noch "Pollacks to the
Ground". Traditionell gab's zum Schluss natürlich wieder unendlich lange Melvin am Ak-
kordeon und ohne weitere Zugaben war nach ca. 90 Minuten + 10 Minuten Plektren
und Sticks verteilen Feierabend.
Um auch noch zu Frage 2 zu kommen: Einige politische Statements gab es durch Songs,
jedoch wurde sonst mehr gescherzt.
Das Publikum war begeistert von Nofx Auftritt und ich auch. Die Band hat musikalisch
einige Statements gebracht, jedoch den Spass auf der Bühne in keiner Weise vernach-
lässigt. Vom den Entertainment her können die Vier mit Sicherheit mit den Ärzten kon-
kurrieren, die ja sonst als die Götter des Blödsinns gelten, musikalisch haben sie einen
sauberen Querschnitt gebracht, indem auch die Trompete gut zum Einsatz kam. Leider
fehlte wieder "Eat the Meak".

Alles in allem ein runder Abend, der jedoch nicht an das Konzert vor zwei Jahren in Hann-
over heranreichen konnte. Nofx weiterhin live ein Erlebnis, die Vorbands waren dieses
Jahr jedoch leider nicht so gut gewählt und der Eintrittpreiss ist von 15€ auf 20€ gestiegen.

Fazit:
Nofx: live ein Erlebnis!

    BB