No Fun At All, Kassierer, u.a.
Köln / Live Music Hall - 18.09.05

Was für ein Wochenende: Samstag erst Schweicheln Rock City,
dann Geburtstagsparty bis in den Morgen hinein, Sonntag erst
wählen, dann Fussball und anschließend auf nach Köln um bei
der diesjährigen Reunionshow von No Fun At All dabei zu sein.

Um 17 Uhr holte mich dann auch Fenne ab, natürlich war ich mal
wieder nicht fertig, dann ging es weiter um weitere Mitreisende
aus den umliegenden Städten und Dörfern abzuholen. Verdamm-
te Axt waren wir spät: die Uhr zeigte bereits an, dass es in ein
paar Minuten die ersten Hochrechnung geben würde und wir wa-
ren noch nichteinmal auf der Autobahn... dann gab es auch noch
Stau und aufgrund des Gerstensaftkonsum einige Pinkelpausen,
so dass schnell klar wurde, dass wir niemals pünktlich in Köln
ankommen würden...

Wir verpassten sowohl eine noch recht junge Band, die angeb-
lich schon gegen 19.30 spielte und von der mir nur bekannt ist
dass sie "Bro Hymn" von Pennywise gecovert hat, als auch mit
3 Feet Smaller die erste angekündigte Vorband. Von der Öster-
reichern hörte ich im nachhinein nur positives, einige von euch
werden sie mit Sicherheit noch von der letztjährigen NFAA-Re-
unionshow aus dem Kölner Underground kennen.

Gegen 20.45 erreichten wir endlich die Live Music Hall und bald
darauf legten auch die Kassierer los. Ich war gespannt auf die
Jungs, denn ich hatte sie noch nie live erlebt, aber schon die ein
oder andere Geschichte gehört. Die Wattenscheider eröffneten
mit "Besoffen sein", es folgte "Sex mit dem Sozialarbeiter". Vom
Gesang konnte man irgendwie nicht viel verstehen, trotzdem
guckte die doch recht zahlreich vertretene "Styler-Fraktion" recht
ungläubig. Nachdem die Security irgendwelche Leute rausschmei-
ßen wollte, weil diese sich ausziehen wollten, zog sich Sänger
und APPD-Kanzlerkandidat Wolfgang Wendland aus. Es folgten
Songs wie "Blumenkohl am Pillemann" und "Mach die Titten frei
ich will wichsen". In Konzertsaal wurde es leerer und die ersten
Pfiffe ertönten. Weiter standen Songs wie "Mein Glied ist zu groß",
"Dr. Martens" und "Außerirdischer wo befindet sich dein After"
auf dem Programm. Die Pöbelpunks passten wirklich überhaupt
nicht ins Konzept, den Hauptschock für das Publikum gab es als
Gitarrist Niko Sonnenscheisse die Hand vom Schlagzeuger in
den allerwertesten geschoben bekam... den größten Applaus
bekamen die Kassierer als sie ankündigten nun den letzten Song
spielen zu wollen.

Dann strömten die ca. 1400 Konzertbesucher aber auch wieder
in den Konzertsaal um dem zweiten No Fun At All Gig des heu-
tigen Tages beizuwohnen. Dem zweiten? Ja klar, nach dem le-
gendären Underground Konzert im letzten Jahr ließen es sich
die Schweden nicht nehmen, vor dem großen Live Music Hall
Gig ein kurzes, aber exklusives Geheimkonzert im Underground
zu spielen.
Als dann Paddy die Bühne der Live Music Hall betrat um die No
Fun At All anzukündigen gab es kein Halten mehr: Die Band be-
trat die Bühne und mit dem ersten Akkord bildete sich ein großer
Moshpit vor der Bühne. Die Band wirkte sichtlich erfreut vor so
einem großen Publikum zu spielen und spielte einen Hit nach
dem anderen, quer durch die Bandgeschichte, bereits als zwei-
ter Song gab es das fantastische "Beat'em Down". Sänger Inge-
mar Jansson wirkte mit seinen langen Haaren und der Brille ir-
gendwie ein bißchen psychopathisch und teilweise unkoordiniert,
die anderen Bandmitglieder wirkten dafür umso frischer. Alles in
allem war mir die Band sehr sympathisch, denn die Jungs kon-
zentrierten sich nicht, wie es aktuelle Bands leider viel zu oft tu-
en, darauf gut auszusehen, sondern rockten einfach ordentlich
die Hall.
Mit "Where´s the truth" und "Alcohol" wurden echte Klassiker ge-
spielt, auch "Catch Me Running If You Around" soweit ich weiß
dabei, mit "Stranded" näherte sich das offizielle Set dem Ende
zu. Doch dann war es an der Zeit für den Beginn einer Spezial-
Performance: Paddy kam, augenscheinlich unter Alkoholeinfluss,
auf die Bühne und animierte das Publikum zu Zugaberufen, etc.
Die Band kam wieder und am Bühnenrand gingen einige Leute,
unter Ihnen auch Paddy ordentlich ab. Bei "celestial q&a" und
"Believers" schnappte er sich dann gleich auch mal das Mikro
und feierte die Songs richtig ab. Als die Band dann nach "Master
Celebrator" wieder kurzzeitig in der Hintergrund trat ging er noch
einmal ans Mikro um zur allgemeinen Belustigung völlig dicke
irgendetwas auf englisch ins Mikro zu gröhlen. Unverständlicher
Weise fingen ein paar Leute an "Buh!" zu rufen und auch im Fo-
rum des Konzerts gab es am nächsten Tag einige negative Ein-
träge zu diesem Auftritt, was ich wirklich nicht verstehe: Mal
ganz davon abgesehen dass der Mann den Abend organisiert
hat, finde ich das nichts dagegen spricht wenn Leute auf Punk-
rock Konzerten Bands richtig abfeiern und sich auf mal besoffen
das Mikro krallen. Gerade diese Nähe zwischen Band, Publikum
und in diesem Fall Veranstalter macht doch den Reiz von Punk-
rock aus. Wer bei zwei Songs nen bißchen Mitgegröhle nicht er-
trägt, wobei ich sowas eigentlich nicht als störend, sondern eher
als Ansporn nochmehr abzugehen empfinde, der sollte sich ent-
weder nen anderen Musikstil suchen oder nur noch auf die ganz
großen, unpersönlichen Konzerte gehen. Stellt euch am besten
noch noch ne halbe Stunde vor den Spiegel, damit eure Haare
auch unter euren Trucker-Caps ordentlich sitzen, übt von mir
aus auch cool rumstehen vor eurem Spiegel, aber lasst abgehen
wer abgehen will. Basta! Und jetzt wieder zum Thema...
... denn was jetzt noch folgte war wirklich ein starker Abschluss.
Die Schweden kamen noch einmal zurück um ein paar Cover-
Songs zu spielen: Für mich war das Sex Pistols Cover das ab-
solute Highlight, die Masse feierte Gang Green am meisten ab.

Fazit:
Alle die im letzten Jahr im Underground dabei waren, waren sich
einig, dass dieses Konzert nicht an die legendäre Show rankam.
Kein wunder, die Atmosphäre in so einem Club wie dem Under-
ground ist natürlich immer eine ganz besondere und eine zweite
Reunionshow ist nie so aufregend wie die erste.
Ich war leider im letzten Jahr im Undeground nicht dabei und
fand das Konzert in der Live Musik Hall echt gut: Publikum aus
allen teilen Deutschlands und den angrenzenden Ländern, eine
Band die wirkte als hätte sich Spass auf der Bühne und endlich
mein erstes No Fun At All Konzert!
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Die Securities in der Live Musik
Hall, die haben sich nach übereinstimmenden Aussagen mehrer
Konzertbesucher aufgeführt wie die Wilden und hatten anschei-
nend Spass daran Leute rauszuschmeissen.

BB

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