Vincent Black Prince, The Nervous Return
29.01.04 - Bielefeld / Forum

Als "Wave-Pop-Glam-Indie-Machine" tituliert sich "The Nervous Return" auf der kleinen
Bühne des Bielefelder Forum. Dunkel, maskulin und laut ist die Musik. Suchte man den
Vergleich zu Motorrädern, wirkte sie wie die "Vincent Black Prince", das Schwestermodell
der "Black Shadow", die der "Black Rebel Motorcycle Club" zusammen mit ähnlich nischen-
populären Vereinigungen wie den "Hives" und den "Strokes" aufgebockt hat.
Eine rundliche Verkleideng schmiegt sich um das hochgezüchtete, technisch solide aber ge-
legentlich ölende Triebwerk. eine Hülle, die Avantgarde und  einen gewissen Glamour verheißt.
Richard Hell und Prince sind die Pole, zwischen denen sich Musik und Show des Quartetts aus
Los Angeles abspielen. Zwischen rotziger  "You're such a bore"-Pose und verhuschten Falsett-
Vocals finden lange Instrumentalparts statt, in denen die drei Saitenspieler fröhlichen wavigen
Exorzismen frönen, indem sie den diabolisch rot angestrahlten Schlagzeuger mit seinem volu-
minösen Afroschopf von allen Seiten bedrängen.
Präzise und gut geschmiert wirkt das Zusammenspiel selbst bei solchen Übungen, mit kernigen
und doch transparenten Klängen, getragen von einem fast schwarzen Grooveempfinden. Gitarrist
Shane Gallagher, erst einige Monate bei der Truppe, gefällt mit innovativem, wohlbalanciert dis-
sonanten Spiel, erinnert damit an den Avantgarde-Punk-König Robert Quine.
Einen launig-selbstironischen, irgendwie typisch kalifornischen  Humor pflegt die Band, dazu auch
die typisch kalifornische Arbeitseinstellung, als sie schon nach knapp 90 Minuten von der Bühne ab-
geht.
Danach ist es für Sänger Jason auch vorbei mit der Retro-Rock-Strubbeligkeit, gekämmt und sauber
gescheitelt kommt er aus der Kabine.
The Nervous Return ist eine Gruppe, die möglicherweise gerade den kommerziellen Durchbruch er-
lebt, sie wird demnächst "Blink 182" auf Tour durch große Arenen begleiten und hat mit diesem Pop-
Punk-Kontakt auch die Gelegenheit zu gut promoteten Aufnahmen erhalten. Schön, sie auch einmal
mit 50 Gleichgesinnten in einem kleinen, schmuddeligen Raum erlebt zu haben.

Rainer Schmidt