Wie es sich für die "großen"
Konzerte im Kamp gehört, war der Einlass bei
Lars Frederiksen & the Bastards
natürlich hinten über den Hof. Als ich um
kurz nach 21 Uhr am JZ ankam, war auf
dem Hinterhof auch schon gut was
los: Iros, Dosenbier, rumhängende
Leute und eine Schlange am Eingang.
Ich freute mich schon auf drei Bands,
da kamen mir End of the Line entge-
gen, die Jungs trugen gerade ihr Equipment
aus dem Kamp. Hmm, das war
wohl nichts mit Beginn 21 Uhr. Konzerte
die zu früh anfangen...
Im Kamp startete dann ersteinmal eine
großangelegte Shitletter Werbekam-
pagne: ich hängte hochwertig-kopierte
Plakate auf und legte Flyer aus. Was
tut man nicht alles für den Erfolg...
So gegen 21.20 Uhr legten dann The Heartaches
los, sie eröffneten ihr Set
mit "Move on" und "Execution". Harter
Punkrock, das Kamp füllte sich lang-
sam. Mit Songs wie "Voodoo Politics" und
"Heartbeat" sowie vielen Tattoos
bei nahezu allen Bandmitgliedern ging
es weiter. Wie man es von dem un-
dankbaren Supportjob kennt ging natürlich
noch nicht viel, was die Band auch
gleich mit "Ihr bestätigt die Vorurteile
gegen das deutsche Publikum: Ihr steht
rum und macht nichts" kommentierte. So
richtig punkten konnte die Band bei
mir nicht. Weiter ging es mit "Dead Girl"
und "White Widow Love", der Säng-
er hüpfte zwischenzeitlich immer
wieder auf der Bühne rum und wirkte dabei
recht unbeholfen. Nach "Action" und "Numbers
ID" war Feierabend. Nicht gut,
nicht schlecht: standard.
Das Kamp war wirklich recht gut gefüllt
und als Lars Frederiksen zusammen
mit seinen Bastards die Bühne,
mit einer dänischen Flagge geschmückt, be-
trat drängte alles nach vorne. Das
Rancid-Mitglied nahm das Mikrophone und
und sagte unter dem Jubel des Publikums:
"Hello! I'm Lars Frederiksen and
this are the..." und schon gab's mit "Bastards"
den Opener. Der schnelle Punk
'n'Rolll Song kommt live, wie alle Songs
vom neuen, von Brett Gurewitz und
Tim Armstrong weichgespülten,
Album "Viking", ungleich härter als auf Platte.
Kompromislos ging es mit "6'5"", "Have
and have not", "Zombies" und "Cam-
pell" weiter: Mal was für Freunde
der alten Platte. Vor der Bühne war nur noch
Amok! Die ersten Stage-Diver wurden unsanft
vom Roadie wieder zurück ins
Publikum befördert, als einer ganz
besonders dreist wurde verhinderte der
Chef persönlich ein Auseinandersetzung
zwischen ihm und dem Roadie. Dann
gab's mit "Switchblade", "Skins, Punx
and Drunx" und "Fight" wieder was vom
neuen Album. Die Songs knallen live
richtig und die Band geht, von schwerge-
wichtigen Bassisten Big Jay mal
abgesehen, einfach nur ab! Mit "Blind Ambi-
tion" und "Gods of War" blieb man bei
der neuen Platte. Sänger Bastard und
Gitarrist Craig Leg konnten neben
Lars Frederiksen himself die Energie der
Songs am besten rüberbringen. Die
Rancid-Einflüsse sind natürlich nicht zu
überhören, doch die Bastards
treten das Gaspedal einfach noch ein ganzes
Stück weiter durch. Mit "Wine &
Roses" ging es dann wieder zurück zum alten
Album, nach dem Song präsentierte
das lebenden Tattoo-Museum dann erst-
einmal sein neustes Tattoo: ein Wikinger
auf der Wade. Mit "The Kids are qui-
et on Shamon Palms", "Maggots", "Mainline
Murder" und "Little Rude Girl"
gab es dann nochmal das neue Album. Vom
Sound her findet manb sich zwi-
schen Punkrock, Rockabilly und Hardcore
wieder. Es folgte ein Statement ge-
gen Bush, dann gab's noch "10 Plaques",
das Blasters-Cover "Marie, Marie"
und den ruhigen Song "The Viking", der
die zum Teil melancholische Stimmung
von Lars Frederiksen gut wiederspiegelt.
Auch dieser Song kommt, ohne die
Streicher auf der Platte, live einfach
besser.
Natürlich gab's auch noch Zugaben:
Mit "Dead American", "Anti-Social" und
"Vietnam" kamen nochmal die Freunde der
schon länger bekannten Songs
auf ihr Kosten. Ein letztes Mal allgemeines
durchdrehen und Roadie ärgern.
Immer wieder klaute irgendwer ein Mikro
von der Bühne und der arme, unbe-
liebte Roadie war alles andere als glücklich.
So war dann auch wirklich Feier-
abend.
Fazit:
Lars Frederiksen & the Bastards
knallen live einfach nur, auch die Songs der
viel kritisierten neuen Platte "Viking"
kommen live wirklich gut! Sonderlich pub-
likumsnah gab sich der, auch im Gesicht
tätowierte, Kalifornier zwar nicht, so
sind sie nun einmal die Rockstars. Eine
gute Show, schön die Jungs so abgeh-
en zu sehen und wunderbar auch zu sehen,
wie Lars Frederiksen sich auf der
Bühne mit einem Kamm die Haare wieder
nach hinten kämmt.
BB