Lars Frederiksen & the Bastards, The Heartaches,
End of the Line
11.09.04 - Bielefeld/Kamp

Wie es sich für die "großen" Konzerte im Kamp gehört, war der Einlass bei
Lars Frederiksen & the Bastards natürlich hinten über den Hof. Als ich um
kurz nach 21 Uhr am JZ ankam, war auf dem Hinterhof auch schon gut was
los: Iros, Dosenbier, rumhängende Leute und eine Schlange am Eingang.
Ich freute mich schon auf drei Bands, da kamen mir End of the Line entge-
gen, die Jungs trugen gerade ihr Equipment aus dem Kamp. Hmm, das war
wohl nichts mit Beginn 21 Uhr. Konzerte die zu früh anfangen...
Im Kamp startete dann ersteinmal eine großangelegte Shitletter Werbekam-
pagne: ich hängte hochwertig-kopierte Plakate auf und legte Flyer aus. Was
tut man nicht alles für den Erfolg...

So gegen 21.20 Uhr legten dann The Heartaches los, sie eröffneten ihr Set
mit "Move on" und "Execution". Harter Punkrock, das Kamp füllte sich lang-
sam. Mit Songs wie "Voodoo Politics" und "Heartbeat" sowie vielen Tattoos
bei nahezu allen Bandmitgliedern ging es weiter. Wie man es von dem un-
dankbaren Supportjob kennt ging natürlich noch nicht viel, was die Band auch
gleich mit "Ihr bestätigt die Vorurteile gegen das deutsche Publikum: Ihr steht
rum und macht nichts" kommentierte. So richtig punkten konnte die Band bei
mir nicht. Weiter ging es mit "Dead Girl" und "White Widow Love", der Säng-
er hüpfte zwischenzeitlich immer wieder auf der Bühne rum und wirkte dabei
recht unbeholfen. Nach "Action" und "Numbers ID" war Feierabend. Nicht gut,
nicht schlecht: standard.

Das Kamp war wirklich recht gut gefüllt und als Lars Frederiksen zusammen
mit seinen Bastards die Bühne, mit einer dänischen Flagge geschmückt, be-
trat drängte alles nach vorne. Das Rancid-Mitglied nahm das Mikrophone und
und sagte unter dem Jubel des Publikums: "Hello! I'm Lars Frederiksen and
this are the..." und schon gab's mit "Bastards" den Opener.  Der schnelle Punk
'n'Rolll Song kommt live, wie alle Songs vom neuen, von Brett Gurewitz und
Tim Armstrong weichgespülten,  Album "Viking", ungleich härter als auf Platte.
Kompromislos ging es mit "6'5"", "Have and have not", "Zombies" und "Cam-
pell" weiter: Mal was für Freunde der alten Platte. Vor der Bühne war nur noch
Amok! Die ersten Stage-Diver wurden unsanft vom Roadie wieder zurück ins
Publikum befördert, als einer ganz besonders dreist wurde verhinderte der
Chef persönlich ein Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Roadie. Dann
gab's mit "Switchblade", "Skins, Punx and Drunx" und "Fight" wieder was vom
neuen Album.  Die Songs knallen live richtig und die Band geht, von schwerge-
wichtigen Bassisten Big Jay mal abgesehen, einfach nur ab! Mit "Blind Ambi-
tion" und "Gods of War" blieb man bei der neuen Platte. Sänger Bastard und
Gitarrist Craig Leg konnten neben Lars Frederiksen himself die Energie der
Songs am besten rüberbringen. Die Rancid-Einflüsse sind natürlich nicht zu
überhören, doch die Bastards treten das Gaspedal einfach noch ein ganzes
Stück weiter durch. Mit "Wine & Roses" ging es dann wieder zurück zum alten
Album, nach dem Song präsentierte das lebenden Tattoo-Museum dann erst-
einmal sein neustes Tattoo: ein Wikinger auf der Wade. Mit "The Kids are qui-
et on Shamon Palms", "Maggots", "Mainline Murder" und "Little Rude Girl"
gab es dann nochmal das neue Album. Vom Sound her findet manb sich zwi-
schen Punkrock, Rockabilly und Hardcore wieder. Es folgte ein Statement ge-
gen Bush, dann gab's noch "10 Plaques", das Blasters-Cover "Marie, Marie"
und den ruhigen Song "The Viking", der die zum Teil melancholische Stimmung
von Lars Frederiksen gut wiederspiegelt. Auch dieser Song kommt, ohne die
Streicher auf der Platte, live einfach besser.
Natürlich gab's auch noch Zugaben: Mit "Dead American", "Anti-Social" und
"Vietnam" kamen nochmal die Freunde der schon länger bekannten Songs
auf ihr Kosten. Ein letztes Mal allgemeines durchdrehen und Roadie ärgern.
Immer wieder klaute irgendwer ein Mikro von der Bühne und der arme, unbe-
liebte Roadie war alles andere als glücklich. So war dann auch wirklich Feier-
abend.

Fazit:
Lars Frederiksen & the Bastards knallen live einfach nur, auch die Songs der
viel kritisierten neuen Platte "Viking" kommen live wirklich gut! Sonderlich pub-
likumsnah gab sich der, auch im Gesicht tätowierte, Kalifornier zwar nicht, so
sind sie nun einmal die Rockstars. Eine gute Show, schön die Jungs so abgeh-
en zu sehen und wunderbar auch zu sehen, wie Lars Frederiksen sich auf der
Bühne mit einem Kamm die Haare wieder nach hinten kämmt.

BB