Deconstruction Tour 2004
Pennywise, Anti-Flag, MXPX, Slackers, u.a.
München / Zenith - 28.05.04

München? Knappe 8 Stunden Fahrt für ein Konzert, aber wer will schon die Deconstruction
Tour verpassen... vor allem wenn einem das Line-Up so gut gefällt wie in diesem Jahr: Viel
Melodycore und Pennywise wollte ich sowieso mal wieder sehen!

Pünktlich um 14 Uhr kam ich am doch sehr im Industriegebiet versteckten Zenith, einer alten
Lagerhalle, an. Unfreundliche Securitys und eine Stunde Verzögerung beim Einlass bestätigten
mein vorurteilbehaftetes Bild von Bayern. Um 15.05 Uhr legte dann jedoch pünktlich die erste
Band los.

Die Halle war zwar noch recht leer, doch die die schon da waren drängten vor die Bühne als
1208 begannen. Die Band konnte mit ihrem Standard-Ami-Punk kaum jemanden so richtig
vom Hockereißen, das lag zum einen mit Sicherheit an dem undankbaren Openerjob, zum
anderen aber auch daran, dass die Band nicht sonderlich Innovativ war. Vom Publikum gab
es freundlichen Applaus und etwas Kopfnicken, mehr aber auch nicht.

Als nächstes waren meine geliebten Dänen von The Movement an der Reihe. Nach dem mich
der Clubgig in Bielefeld so begeistert hatte war ich umso mehr gespannt und freute micht das
Trio mal wieder auf einer großen Bühne zu sehen. Mehr Leute waren immer noch nicht da (war
da vielleicht noch wer arbeiten?), doch es bildete sich schon ein kleiner Pit der den die Band
feierte. Wie so oft machten die Dänen, mal wieder mit Ersatzdrummer, einen recht rockigen
Anfang und endeten dann mit den vom Ska beeinflussten Songs. Highlights im Set waren ganz
klar "Loosing you", das auch bald als Single erscheinen wird, und "Move", der Song von Aggro-
pop Sampler der auch gleichzeitig der letzte Song war.

Dann ging es nach draußen zur Motorrad-Show. Die Jungs brachten irrsinnige Aktionen auf
ihren Maschinen, rissen einen Absperrzaun nieder und besprizten das Publikum mit Matsch,
wenn das mal kein Punkrock ist. Beim Wiedereinlass gab es erstmal Chaos mit Stempeln, etc.

Dann waren Pulley am Zug. Es gab wieder Amipunk, jedoch bedeutend besser als 1208. Auch
das peinliche Pentagrammshirt mit 666-Aufdruck des Sängers und ein Basser der optisch eher zu
einer Metallcombo gepasst hätte konnten die Menge nicht vom Pogo abhalten. Schon bald setzte
ein Gitarrenamp aus, doch Hilfe gab es aus dem Hause Anti-Flag.

Als nächste Band betraten Strike Anywhere die Bühne und ich bekam das Gefühl, dass dies die
erste Band war auf die das Publikum wirklich gewartet hatte. Die Leute drängten vor die Bühne
und viele in der Halle konnten die politischen und emotionalen Texte der Hardcorecombo mit-
singen. Am Bühnenrand tauchten auch schon bald Justin und #2 von Anti-Flag auf, die jede Text-
zeile mitsingen konnten und die Band wild-gestikulierend abfeierten. In dem 30 Minuten Programm
waren natürlich auch hier neben dem ein oder anderen neuen Song die Klassiker zu hören. Ein ge-
lungener Auftritt!

Dann war es an der Zeit für BMXer und Skater, die in der Halfpipe ihr können Eindrucksvoll zur
Show stellten und beim Publikum bedeutend besser ankamen als die waghalsigen Motorradfahrer.

Anschließend betraten die von mir mit besonderer Vorfreude erwarteten Slackers die Bühne. Die
New Yorker Raggae und Ska-Urgesteine brachten auf Anhieb alle Anwesenden zum Tanzen oder
zumindest zum fröhlich-in-die-Runde-gucken. Trompete, Posaune, Schlagzeug, Keyboard, Gitarre,
Bass und ein wundervoller Gesang konnten wirklich begeistern. Lustig war der Bassist, der seinen
normalen E-Bass einfach auf einen Hocker stellte und ihn wie einen Kontrabass spielte. Besonders
der Sänger und der Posaunist gingen ab und zeigten sogar eine kleine einstudierte Choreographie,
die vom Publikum begeistert angenommen wurde.

Als nächstes waren auch schon Anti-Flag an der Reihe, für mich natürlich einer der Höhepunkte
der diesjährigen Deconstruction-Tour. Zwar konnte man das Quartett aus Pittsburgh/Pennsylvania
in letzter Zeit nahezu alle drei Monate in Deutschland erleben, doch für mich war es immer wieder
ein Highlight die Jungs rocken zu sehen und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.
Los ging's mit "Death of a Nation", "Underground Network" und "Stars and Stripes"... ein abscheu-
licher Sound, ich war geschockt. Dann die Standardansage von #2 "Fuck Racism, Fuck George
W. Bush... Fuck Police Brutality" und weiter ging. Die Band nutzte die große Bühne, besonders
#2 der sich anscheinend mehr auf's Rennen, Hüpfen und Löcher-in-die-Luft-Treten als auf's Bass-
spielen konzentrierte. Es folgte "Rank-n-File" vom aktuellen Album, bevor Justin über Bush und
"STrOIBER" herzog. Weiter ging's mit "Got the numbers", "Postwar Breakout", bevor im Endteil
der aktuelle Hit "Turncoat" und der Klassiker "Die for your Government" angestimmt wurden.
Ich war von dem Auftritt, vor allem vom Sound, eher enttäucht und auch das Publikum ist nicht so
abgegangen wie ich es erwartet hatte. Leider gab es trotz Zugaberufen, dank engem Zeitplan, auch
keine weiteren Songs.

Positiv überrascht war ich jedoch von den folgenden MXPX. Die Poppunker rockten ordentlich
los und dem Publikum gefiel es anscheinend auch ganz gut. Als Opener diente gleich der Hit "Re-
sponsibility". Mal mit einem, dann wieder mit zwei Gitarristen gab es Songs wie "My Life Story",
"I'm ok, you're ok" und "Party, My House, be there". Obwohl die Band sonst nicht zu meinen
Favoriten zählt fand ich den Auftritt wirklich gelungen. Zum Ende gab es dann noch "Chick Magnet"
und den absoluten Bandhit "Punk Rawk Show".

Es folgte eine relativ lange Umbaupause und die Leute, im nicht wirklich überfüllten Zenith, strömten
nach vorne. Die ersten "Pennywise"-Rufe ertönten, verstummten aber irgendwie recht schnell wieder.
Die Roadies versuchten das Publikum nocheinmal anzuheizen, was aber auch nicht recht gelang und
so betrat die Band ohne Rockstargekreische von seiten des Publikums irgendwann die Bühne.
Das Publikum ging nun aber doch richtig ab und es folgte Hit auf Hit "The World", "My own Way"...
Dann gab's die erste Überraschung: Pennywise coverten "Hey ya" vonm Outcast, natürlich auf ihre
Art und Weise. Mit feinstem Hardcore/Punk ging es dann auch weiter "Waiting" vom aktuellen Album,
"Fuck Authority", "My own Country" und "Society". Dann durfte das Publikum abstimmen welche
Band nun gecovert werden sollte. In der zweiten Abstimmungsrunde gewannen ganz klar die Ramones
und es gab "Blitzkrieg Bop" zu hören. Während des Song rannte ein als Osama Bin Laden verkleideter
Mann mit MG über die Bühne, gut dass das Konzert nicht in den USA stattfand, ansonsten hätte man
mit einem Polizeigroßeinsatz rechnen müssen. Die Band spielte noch ein paar Songs wie "Same old
Story" und "God save the USA", bis auf einmal Bad Religion Gitarrist Bryan die Bühne betrat, er
ließ sich kurz die Akkorde von "Bro Hymn" erklären und es kam zum großem Finale: bei dieser
Konstellation und dem Klassiker schlechthin rastete das Publikum einfach aus und einige stürmten
die Bühne. Nach einer Stunde und 15 Minuten Pennywise war dann der Abend um pünktlich 23 Uhr
beendet. Ja, ja: die Bayern mögens früh!

Alles in allem natürlich ein spitzen Konzert. Das bayrische Publikum wirkte leider stellenweise ein
bischen unterkühlt und so voll wie es das Line Up verdient gehabt hätte war es leider auch nicht,
trotzdem ein starker Konzerttag. Das freut man sich doch schon auf das nächste mal oder vielleicht
ja auch wieder eine Reconstruction Tour.

BB