München? Knappe 8 Stunden Fahrt für ein Konzert, aber wer
will schon die Deconstruction
Tour verpassen... vor allem wenn einem das Line-Up so gut gefällt
wie in diesem Jahr: Viel
Melodycore und Pennywise wollte ich sowieso mal wieder sehen!
Pünktlich um 14 Uhr kam ich am doch sehr im Industriegebiet versteckten
Zenith, einer alten
Lagerhalle, an. Unfreundliche Securitys und eine Stunde Verzögerung
beim Einlass bestätigten
mein vorurteilbehaftetes Bild von Bayern. Um 15.05 Uhr legte dann jedoch
pünktlich die erste
Band los.
Die Halle war zwar noch recht leer, doch die die schon da waren drängten
vor die Bühne als
1208 begannen. Die Band konnte mit ihrem Standard-Ami-Punk kaum
jemanden so richtig
vom Hockereißen, das lag zum einen mit Sicherheit an dem undankbaren
Openerjob, zum
anderen aber auch daran, dass die Band nicht sonderlich Innovativ war.
Vom Publikum gab
es freundlichen Applaus und etwas Kopfnicken, mehr aber auch nicht.
Als nächstes waren meine geliebten Dänen von The Movement
an
der Reihe. Nach dem mich
der Clubgig in Bielefeld so begeistert hatte war ich umso mehr gespannt
und freute micht das
Trio mal wieder auf einer großen Bühne zu sehen. Mehr Leute
waren immer noch nicht da (war
da vielleicht noch wer arbeiten?), doch es bildete sich schon ein kleiner
Pit der den die Band
feierte. Wie so oft machten die Dänen, mal wieder mit Ersatzdrummer,
einen recht rockigen
Anfang und endeten dann mit den vom Ska beeinflussten Songs. Highlights
im Set waren ganz
klar "Loosing you", das auch bald als Single erscheinen wird, und "Move",
der Song von Aggro-
pop Sampler der auch gleichzeitig der letzte Song war.
Dann ging es nach draußen zur Motorrad-Show. Die Jungs brachten
irrsinnige Aktionen auf
ihren Maschinen, rissen einen Absperrzaun nieder und besprizten das
Publikum mit Matsch,
wenn das mal kein Punkrock ist. Beim Wiedereinlass gab es erstmal Chaos
mit Stempeln, etc.
Dann waren Pulley am Zug. Es gab wieder Amipunk, jedoch bedeutend
besser als 1208. Auch
das peinliche Pentagrammshirt mit 666-Aufdruck des Sängers und
ein Basser der optisch eher zu
einer Metallcombo gepasst hätte konnten die Menge nicht vom Pogo
abhalten. Schon bald setzte
ein Gitarrenamp aus, doch Hilfe gab es aus dem Hause Anti-Flag.
Als nächste Band betraten Strike Anywhere die Bühne
und ich bekam das Gefühl, dass dies die
erste Band war auf die das Publikum wirklich gewartet hatte. Die Leute
drängten vor die Bühne
und viele in der Halle konnten die politischen und emotionalen Texte
der Hardcorecombo mit-
singen. Am Bühnenrand tauchten auch schon bald Justin und #2 von
Anti-Flag auf, die jede Text-
zeile mitsingen konnten und die Band wild-gestikulierend abfeierten.
In dem 30 Minuten Programm
waren natürlich auch hier neben dem ein oder anderen neuen Song
die Klassiker zu hören. Ein ge-
lungener Auftritt!
Dann war es an der Zeit für BMXer und Skater, die in der Halfpipe
ihr können Eindrucksvoll zur
Show stellten und beim Publikum bedeutend besser ankamen als die waghalsigen
Motorradfahrer.
Anschließend betraten die von mir mit besonderer Vorfreude erwarteten
Slackers
die Bühne. Die
New Yorker Raggae und Ska-Urgesteine brachten auf Anhieb alle Anwesenden
zum Tanzen oder
zumindest zum fröhlich-in-die-Runde-gucken. Trompete, Posaune,
Schlagzeug, Keyboard, Gitarre,
Bass und ein wundervoller Gesang konnten wirklich begeistern. Lustig
war der Bassist, der seinen
normalen E-Bass einfach auf einen Hocker stellte und ihn wie einen
Kontrabass spielte. Besonders
der Sänger und der Posaunist gingen ab und zeigten sogar eine
kleine einstudierte Choreographie,
die vom Publikum begeistert angenommen wurde.
Als nächstes waren auch schon Anti-Flag an der Reihe, für
mich natürlich einer der Höhepunkte
der diesjährigen Deconstruction-Tour. Zwar konnte man das Quartett
aus Pittsburgh/Pennsylvania
in letzter Zeit nahezu alle drei Monate in Deutschland erleben, doch
für mich war es immer wieder
ein Highlight die Jungs rocken zu sehen und dementsprechend hoch waren
meine Erwartungen.
Los ging's mit "Death of a Nation", "Underground Network" und "Stars
and Stripes"... ein abscheu-
licher Sound, ich war geschockt. Dann die Standardansage von #2 "Fuck
Racism, Fuck George
W. Bush... Fuck Police Brutality" und weiter ging. Die Band nutzte
die große Bühne, besonders
#2 der sich anscheinend mehr auf's Rennen, Hüpfen und Löcher-in-die-Luft-Treten
als auf's Bass-
spielen konzentrierte. Es folgte "Rank-n-File" vom aktuellen Album,
bevor Justin über Bush und
"STrOIBER" herzog. Weiter ging's mit "Got the numbers", "Postwar Breakout",
bevor im Endteil
der aktuelle Hit "Turncoat" und der Klassiker "Die for your Government"
angestimmt wurden.
Ich war von dem Auftritt, vor allem vom Sound, eher enttäucht
und auch das Publikum ist nicht so
abgegangen wie ich es erwartet hatte. Leider gab es trotz Zugaberufen,
dank engem Zeitplan, auch
keine weiteren Songs.
Positiv überrascht war ich jedoch von den folgenden MXPX. Die Poppunker
rockten ordentlich
los und dem Publikum gefiel es anscheinend auch ganz gut. Als Opener
diente gleich der Hit "Re-
sponsibility". Mal mit einem, dann wieder mit zwei Gitarristen gab
es Songs wie "My Life Story",
"I'm ok, you're ok" und "Party, My House, be there". Obwohl die Band
sonst nicht zu meinen
Favoriten zählt fand ich den Auftritt wirklich gelungen. Zum Ende
gab es dann noch "Chick Magnet"
und den absoluten Bandhit "Punk Rawk Show".
Es folgte eine relativ lange Umbaupause und die Leute, im nicht wirklich
überfüllten Zenith, strömten
nach vorne. Die ersten "Pennywise"-Rufe ertönten, verstummten
aber irgendwie recht schnell wieder.
Die Roadies versuchten das Publikum nocheinmal anzuheizen, was aber
auch nicht recht gelang und
so betrat die Band ohne Rockstargekreische von seiten des Publikums
irgendwann die Bühne.
Das Publikum ging nun aber doch richtig ab und es folgte Hit auf Hit
"The World", "My own Way"...
Dann gab's die erste Überraschung: Pennywise coverten "Hey
ya" vonm Outcast, natürlich auf ihre
Art und Weise. Mit feinstem Hardcore/Punk ging es dann auch weiter "Waiting"
vom aktuellen Album,
"Fuck Authority", "My own Country" und "Society". Dann durfte das Publikum
abstimmen welche
Band nun gecovert werden sollte. In der zweiten Abstimmungsrunde gewannen
ganz klar die Ramones
und es gab "Blitzkrieg Bop" zu hören. Während des Song rannte
ein als Osama Bin Laden verkleideter
Mann mit MG über die Bühne, gut dass das Konzert nicht in den
USA stattfand, ansonsten hätte man
mit einem Polizeigroßeinsatz rechnen müssen. Die Band spielte
noch ein paar Songs wie "Same old
Story" und "God save the USA", bis auf einmal Bad Religion Gitarrist
Bryan die Bühne betrat, er
ließ sich kurz die Akkorde von "Bro Hymn" erklären und es
kam zum großem Finale: bei dieser
Konstellation und dem Klassiker schlechthin rastete das Publikum einfach
aus und einige stürmten
die Bühne. Nach einer Stunde und 15 Minuten Pennywise war
dann der Abend um pünktlich 23 Uhr
beendet. Ja, ja: die Bayern mögens früh!
Alles in allem natürlich ein spitzen Konzert. Das bayrische Publikum
wirkte leider stellenweise ein
bischen unterkühlt und so voll wie es das Line Up verdient gehabt
hätte war es leider auch nicht,
trotzdem ein starker Konzerttag. Das freut man sich doch schon auf
das nächste mal oder vielleicht
ja auch wieder eine Reconstruction Tour.
BB