Dass ich die Busters, vor allem live, mag dürfte den meisten
von euch bekannt
sein und wenn die dann noch Joe Strummer Tribut zollen, wie sie es
mit der
neuen Studio-Scheibe "Revolution Rock" (VÖ:19.01.04) und der dazuge-
hörigen Tour tun, dann ist bei mir eigentlich schon vor dem Konzert
die halbe
Miete gezahlt! Aber eben nur die Halbe...
Etwas gedämpft wurde meine hemmungslos gute Laune im voraus durch
die Tatsache, dass die Busters auf dieser Tour des öftern den
Sprung vom
kleinen, gemütlichen Club in die größere, kommerziellere
Halle wagen. Diesen
Schritt kann man keiner Band verdenken, aber ich mag nunmal die Atmos-
phäre in kleinen Clubs lieber. Außerdem hatte ich die Befürchtung,
dass die
Busters ihr Live-Set zu sehr der neuen Platte anpassen würden,
d.h. viel zu
viel Rocksteady und Oldschool Ska, wenige meiner geliebten schnellen
Songs.
Ich war also recht gespannt und hin und her gerissen vor meinem ersten
Busters
Konzert in einer größeren Konzert-Halle.
In die stilvolle "Jovel" Konzert-Halle in Münster passen locker
über 1000 Menschen
und schätzungsweise kamen ca. 500 um die fussballmannschaftsgroße
Kapelle aus
Hessen, die endlich mal eine Vorband dabei hatte, zu erleben.
Um 20:00 Uhr gingen dann auch Les Hurlement d'Leo aus Bordeaux/Frankreich,
von
denen im Raum anscheinend noch niemand etwas gehört hatte, auf
die Bühne. Die
Combo war mit Kontrabass, Akkustik-Gitarren, Trompete, Akkordeon, Schlagzeug,
etc. ausgestattet, die Musik lässt sich wohl am besten als französische
Chanson mit
Magret-Einflüssen beschreiben. Mal was anderes! Ich hätte
die Musik in einem kleinen
Club, einer Kneipe oder auf der Strasse als passend angesehen, hier
in der Halle aber
kam das Flair, das diese Musik ausmacht, nicht wirklich rüber.
Dem restlichen Publikum,
bis auf einige wild tanzende Ausnahmen, schien es da nicht anders zu
ergehen.
Sehr cool fand ich jedoch, dass die Band währrend der Umbaupause,
nur mit dem nötig-
sten an Instrumenten ausgerüstet, komplett unplugged vor der Bühne
im Publikum weiter-
spielte.
Und dann waren die Busters an der Reihe. Von technischen Problemen,
die mir klar-
machten warum auf Konzertkarten immer "Keine Haftung für Hörschäden"
steht, be-
gleitet begann das Akkordeonintro von "Mickey Mouse in Moscow" und
es ging gleich
mit einem der Bandhighlights los. Es folgte "Rude vibrations", die
Bläserabteilung tanzte
wie gewohnt lässig und ich war mal wieder absolut begeistert.
Die Stimmung war gut, obwohl der Laden natürlich alles andere
als voll war. Die Leute
rückten vor der Bühne zusammen und tanzten einfach. Meine
böse Vorahnung schien
sich nicht zu bestätigen, doch dann gab es einen Umbruch und der
mittlere Teil des Sets
bestand fast ausschließlich aus ruhigeren Rocksteady-Nummern.
Anfangs freute ich mich noch, z.B. über "Revolution Rock", den
Titelsong des neuen
Album den einige schon von der letzten Tour kennen werden, doch auf
Dauer brauche
ich einfach Tempo. Ich höre zwischendurch gerne mal zwei oder
drei Songs ruhigere
Songs, wie "Tribute to Skatalites", um ein wenig zu verschnaufen, doch
irgendwann will
ich dann auch wieder schnellere Songs hören.
Diese Meinung teilten anscheinend auch andere Leute im Publikum, genau
wie die, dass
ein Jovel-Mitarbeiter ein echtes Arschloch war. Schubsend und pöbelnd
stampfte er
durch die Masse um Stagediver von den Händen zu reißen und
drohte dabei Leuten die
ihm dabei im Weg standen. Ich hab noch nie so aggressive "Security"
gesehen.
Zwei Höhepunkte im Set, die den langsamen Teil etwas unterbrachen
und ihn mir somit
versüssten, waren "Six Beers and Rocksteady Music" und "Birthday
Song", doch das
wirkliche Highlight des Konzerts folgte beim "Busters Wunschkonzert".
Always-smiling-
Richy rief einen gewissen Andi auf die Bühne. Dieser kannte die
Busters aus dem Kinder-
kanal und hatte sich "Wir lassen es nicht zu" bei der Wunschkonzert-Aktion
auf der Busters
-Homepage gewünscht. Sein Wunsch war der Band befehl und es gab
den Song, den ich
eigentlich auf jeden Konzert hören will, endlich mal live. Ich
war wieder begeistert und als
dann noch der End-Teil des Sets Tanznummern wie "Dead or Alive", "Ruder
than Rude"
und "No risk, no fun" aufwartete war ich für "alles" entschädigt.
Posaunist Rob und Trompetenmeister Hardy schienen auch den ganzen Gig
über ihren
Spass zu haben und sorgten zusammen mit den Saxophonsiten Q. und Fischi
dafür, dass
die Busters in Sachen Bläserabteilung auch weiterhin anderen Ska-Bands
einiges voraus
haben. Gitarrist Alex ging auch bei seinen Solo-Parts wieder ab Schmidt's
Katze, so dass
die gute Laune wirklich ansteckend war.
Überhaupt bewiesen die Busters, wie man trotz großem Saal
und aller Professionalität
publikumsnah sein kann. Dazu trug sowohl das Wunschkonzert als auch
die Verabredung
für "Nachher in der Luna Bar" bei. Bands die nachher mit den Fans
reden und trinken sind
doch immer sehr sympathisch!
Dann gab's den ersten Zugabenteil in dem mir besonders "Skank down"
und "Do ya
thing" zusagten. Natürlich hatte auch danach noch niemand genug
es ging nochmal weiter mit
Songs wie "Rosita" und "Wendy". Vor dem letzten Song "Please come home"
bedankte
man sich noch dafür, dass die neuen Songs so gut angenommen worden
waren, obwohl die
Platte noch garnicht auf dem Markt war. Recht hatten sie! Das Publikum
war wirklich durch-
gehend ganz gut mitgegangen, jedoch meiner Meinung nach nicht ganz
so geil wie in kleinen
Clubs. Auch mir gefielen die neuen Songs, trotz aller Rocksteady-lastigkeit,
für's erste Mal
hören ganz gut, vor allem "The other Day" konnte punkten!
Fazit:
Die Busters machen immer noch Ska mit einem wirklich super Sound und
einer fetten
Bläserabteilung! Man kann sich der guten Laune im Grunde nicht
entziehen, trotzdem
ist Stimmung in kleinen Clubs einfach besser. Mein persönlicher
Kritikpunkt an diesem
Konzert ist das Set: Zwar ist es verständlich, dass sich das Set
am neuen Album orien-
tiert, jedoch finde ich die Aufteilung, ein großer Block mit
langsamen Rocksteady-Nummern
der von zwei kurzen Blöcken mit schnellen Songs umringt wird,
nicht wirklich gelungen.
Das Set der letzten Tour gefiel mir weitaus besser, trotzdem waren
auch hier alle Hits,
von "Liebe macht blind" mal abgesehen, zu hören.
Auf dieser Tour kommen mehr die Oldschool-Ska-/Rocksteady-Freunde als
die Two Tone
Anhänger auf ihre Kosten.
BB