Anti Flag, Good Clean Fun, Mike Park
22.01.06 – Hannover / Faust

Anti Flag mal wieder in Europa: kurz vor dem Majordebut der Polit-Punks war ein
Konzertbesuch natürlich Pflicht, gerade auch im Hinblick auf das hochwertige
Vorprogramm.

Als das Quartett aus Pittsburgh vor drei Jahren für 7 Euro im UJZ Korn spielte
mussten einige hundert Leute draußen bleiben und auch in diesem Jahr war der
Run auf die, mit 11 Euro etwas teureren, Tickets groß: Die 60er Jahre Halle war
ausverkauft.

Gegen 20 Uhr eröffnete Mike Park mit seiner Akustikgitarre den Abend. Mit sei-
nem aktuellen Solo-Album „North Hangook Falling“ hatte mich der Asian Man Re-
cords Boss überzeugt, dementsprechend freute ich mich auf seinen Auftritt. Vi-
suell untermalt wurden die ersten beiden Songs von einem Film, der sowohl Bil-
der von politischer Aktivisten und Politikern zeigte, als auch Zitate einblendete. Um
die Aufmerksamkeit auf die Medienpräsentation zu lenken spielte Mike Park die
ersten beiden Songs in Richtung der Leinwand, bevor er sich vor dem dritten Song
erstmals dem Publikum zuwendete. Mike Park gelang es allein mit seiner Akustik-
gitarre das Publikum zu unterhalten und vielleicht ermöglicht es gerade sein Song-
writerstil die Leute zum Nachdenken anzuregen. Obwohl natürlich „Punkrock-Pub-
likum“ anwesend war erntete der gebürtige Koreaner viel Applaus, am Merchandi-
se gab es für 8 Euro T-Shirts zum fairen Kurs. Leider spielte Mike Park nur um
die fünf Songs, ich hätte gerne noch mehr gehört.

Anschließend waren Good Clean Fun mit ihren „positve Hardcore“ am Start. Die
Jungs sind ja zur Zeit auch alleine in kleineren Clubs unterwegs und alle Bekannten
von mir die da waren, waren begeistert. Im Vergleich zu anderen Hardcorebands
legte die Combo aus Washington eine wirklich amüsante Show hin. Viel Gelaber
zwischen den Songs machte die Band sympathisch, jedoch ging diese „Lockerheit“
nicht auf Kosten politischer Statements: „Drugfree“, „Animalrights“und „Equality“
sind nur einige der Werte, die Good Clean Fun auf ihren Shirts und in ihren Songs
vertreten. Zwischenzeitlich gab es sogar eine kurze Diskussion zum Thema Vege-
tarismus mit einem Konzertbesucher auf der Bühne, das absolute Highlight des
Sets spielte sich jedoch wieder im „witzigen“ Bereich ab: Good Clean Fun cover-
ten „Teenagerliebe“ von den Ärzten. Das Publikum feierte die Band sehr gut ab,
nach ca. 40 Minuten war Feierabend.

Gegen 22 Uhr ging dann die Hauptband des Abends auf die Bühne. Anti Flag eröff-
neten mit „One People One Struggle“, einem der absoluten Highlights des noch
aktuellen Albums „The Terror State“, mit „Underground Network“, „911 For Peace“
und "Death Of A Nation" folgte Hit auf Hit. Das Publikum rastete aus, tanzte, brüllte
und machte die üblichen „Raise Your Fist“-Spielchen mit. Nach dem Anfangsblock
kamen dann vermummte Redner der Antifa Hannover auf die Bühne um für die De-
mo gegen den Naziaufmarsch in Lüneburg zu mobilisieren. Kleiner Tipp am Rande:
Nächstes Mal den Text vorher lesen, dann kann man ihn auch so flüssig vortragen,
dass die wichtigen Infos ankommen.
Die Jungs machten mit zwei Songs von ihrem bald folgendem Majordebut „For
Blood And Empire“ weiter, bevor es wieder bekanntes Material gab, wobei „The Pa-
nama Deception“ besondere Erwähnung verdient. Nach nur 45 Minuten Spielzeit
verabschiedete sich das Quartett bereits erstmals. Natürlich gab es die üblichen
„Die For Your Government“-Rufe und die Jungs kamen noch einmal für vier weitere
Songs zurück: Einem weiteren neuen Song folgten die Klassiker „A New Kind Of
Army“ und nach weiteren Rufen bereits „Die For Your Government“. Nach diesem
traditionell letzten Song folgte noch „No Borders, No Nations“, dann war nach ca.
einer Stunde Spielzeit aber auch tatsächlich Schluss.

Fazit:
Saustarke Bands bzw. Musiker für einen fairen Preis, hervorragend auch das Rauch-
verbot auf dem Konzert. Die neuen Anti Flag Songs machen neugierig auf das neue
Album. Als einziger Kritikpunkt fällt mir die zu kurze Spielzeit von Anti Flag und Mike
Park ein. Alles in allem konnte ich beim Verlassen des Fausts nur in zufriedene Ge-
sichter schauen.

BB
 

Weiteres zu Anti Flag und Mike Park:

--> Interviews:
- Anti Flag vom 21.08.03

--> Plattenreviews:
- Anti Flag - The Terror State
- Mike Park - North Hangook Falling

--> Konzertreviews:
- Anti-Flag vom 19.02.03
- Anti Flag vom 16.08.03
- Anti Flag vom 21.08.03
- Anti Flag vom 28.05.04
 
 

Zurück zur Startseite