Anti Flag mal wieder in Europa:
kurz vor dem Majordebut der Polit-Punks war ein
Konzertbesuch natürlich Pflicht,
gerade auch im Hinblick auf das hochwertige
Vorprogramm.
Als das Quartett aus Pittsburgh vor drei
Jahren für 7 Euro im UJZ Korn spielte
mussten einige hundert Leute draußen
bleiben und auch in diesem Jahr war der
Run auf die, mit 11 Euro etwas teureren,
Tickets groß: Die 60er Jahre Halle war
ausverkauft.
Gegen 20 Uhr eröffnete Mike Park
mit seiner Akustikgitarre den Abend. Mit sei-
nem aktuellen Solo-Album „North Hangook
Falling“ hatte mich der Asian Man Re-
cords Boss überzeugt, dementsprechend
freute ich mich auf seinen Auftritt. Vi-
suell untermalt wurden die ersten beiden
Songs von einem Film, der sowohl Bil-
der von politischer Aktivisten und Politikern
zeigte, als auch Zitate einblendete. Um
die Aufmerksamkeit auf die Medienpräsentation
zu lenken spielte Mike Park die
ersten beiden Songs in Richtung der Leinwand,
bevor er sich vor dem dritten Song
erstmals dem Publikum zuwendete. Mike
Park gelang es allein mit seiner Akustik-
gitarre das Publikum zu unterhalten und
vielleicht ermöglicht es gerade sein Song-
writerstil die Leute zum Nachdenken anzuregen.
Obwohl natürlich „Punkrock-Pub-
likum“ anwesend war erntete der gebürtige
Koreaner viel Applaus, am Merchandi-
se gab es für 8 Euro T-Shirts zum
fairen Kurs. Leider spielte Mike Park nur um
die fünf Songs, ich hätte gerne
noch mehr gehört.
Anschließend waren Good Clean
Fun mit ihren „positve Hardcore“ am Start. Die
Jungs sind ja zur Zeit auch alleine in
kleineren Clubs unterwegs und alle Bekannten
von mir die da waren, waren begeistert.
Im Vergleich zu anderen Hardcorebands
legte die Combo aus Washington eine wirklich
amüsante Show hin. Viel Gelaber
zwischen den Songs machte die Band sympathisch,
jedoch ging diese „Lockerheit“
nicht auf Kosten politischer Statements:
„Drugfree“, „Animalrights“und „Equality“
sind nur einige der Werte, die Good
Clean Fun auf ihren Shirts und in ihren Songs
vertreten. Zwischenzeitlich gab es sogar
eine kurze Diskussion zum Thema Vege-
tarismus mit einem Konzertbesucher auf
der Bühne, das absolute Highlight des
Sets spielte sich jedoch wieder im „witzigen“
Bereich ab: Good Clean Fun cover-
ten „Teenagerliebe“ von den Ärzten.
Das Publikum feierte die Band sehr gut ab,
nach ca. 40 Minuten war Feierabend.
Gegen 22 Uhr ging dann die Hauptband des
Abends auf die Bühne. Anti Flag eröff-
neten mit „One People One Struggle“, einem
der absoluten Highlights des noch
aktuellen Albums „The Terror State“, mit
„Underground Network“, „911 For Peace“
und "Death Of A Nation" folgte Hit auf
Hit. Das Publikum rastete aus, tanzte, brüllte
und machte die üblichen „Raise Your
Fist“-Spielchen mit. Nach dem Anfangsblock
kamen dann vermummte Redner der Antifa
Hannover auf die Bühne um für die De-
mo gegen den Naziaufmarsch in Lüneburg
zu mobilisieren. Kleiner Tipp am Rande:
Nächstes Mal den Text vorher lesen,
dann kann man ihn auch so flüssig vortragen,
dass die wichtigen Infos ankommen.
Die Jungs machten mit zwei Songs von ihrem
bald folgendem Majordebut „For
Blood And Empire“ weiter, bevor es wieder
bekanntes Material gab, wobei „The Pa-
nama Deception“ besondere Erwähnung
verdient. Nach nur 45 Minuten Spielzeit
verabschiedete sich das Quartett bereits
erstmals. Natürlich gab es die üblichen
„Die For Your Government“-Rufe und die
Jungs kamen noch einmal für vier weitere
Songs zurück: Einem weiteren neuen
Song folgten die Klassiker „A New Kind Of
Army“ und nach weiteren Rufen bereits
„Die For Your Government“. Nach diesem
traditionell letzten Song folgte noch
„No Borders, No Nations“, dann war nach ca.
einer Stunde Spielzeit aber auch tatsächlich
Schluss.
Fazit:
Saustarke Bands bzw. Musiker für
einen fairen Preis, hervorragend auch das Rauch-
verbot auf dem Konzert. Die neuen Anti
Flag Songs machen neugierig auf das neue
Album. Als einziger Kritikpunkt fällt
mir die zu kurze Spielzeit von Anti Flag und Mike
Park ein. Alles in allem konnte
ich beim Verlassen des Fausts nur in zufriedene Ge-
sichter schauen.
BB
Weiteres zu Anti Flag und Mike Park:
--> Interviews:
- Anti
Flag vom 21.08.03
--> Plattenreviews:
- Anti
Flag - The Terror State
- Mike
Park - North Hangook Falling
--> Konzertreviews:
- Anti-Flag
vom 19.02.03
- Anti
Flag vom 16.08.03
- Anti
Flag vom 21.08.03
- Anti Flag
vom 28.05.04
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