Die Ärzte, Fettes Brot
Hamburg / Color Line Arena - 19.12.03

Nun sollte es also dieses Jahr doch noch eine Die Ärzte Tour geben... zwar nur eine kleine,
aber immerhin eine Tour. Nachdem mich das neue Album nicht wirklich überzeugt hatte,
freute ich mich umso mehr auf die Tour, denn live haben DÄ ja bekanntlich bisher immer noch
gerockt wie Hulle! Nicht sehr begeistert war ich schon im Voraus von der Vorgruppenwahl,
denn meiner Meinung nach haben Bands wie DÄ oder auch die Toten Hosen die Pflicht auf-
strebende Rockbands zu fördern. Dieser Pflicht haben sich DÄ meiner Meinung nach auf dieser
Tour ein wenig entzogen, denn die Hip Hopper Fettes Brot sind schon lange keine Unbekannten
mehr. Wenn die Brote also mit auf Tour kamen, wo musste ich dann hin? Na klar, nach Hamburg
City, denn dort standen die Chancen groß, dass die Brote und Bela zusammen ihren Anti-Schill-
Hit "Tanzverbot" performen würden.

Ich entschloss mich also, genau wie 16 000 andere Leute , am 19.12. zur Color Line Arena
zu juckeln. Als ich um 19.30 Uhr vor der riesen Halle ankam standen vor allen Eingängen
riesen Menschenschlangen, glücklicher Weise schaffte ich es mit meiner Pressekarte durch den
Hintereingang und innerhalb von 10 Min. stand ich mitten im Getümmel. Ich schaute mich in
der riesen Arena um und hatte erstmal eine Runde Mitleid mit den armen Säcken auf den Sitz-
plätzen und Oberrängen, bitter sowas. Dann wollte ich mich, mit einem Kumpel zusammen,
auf nach vorne machen doch am Wellenbrecher wurde uns der Weg versperrt. Wir guckten
etwas blöd, da vorne noch relativ viel Platz war und fragten, wann man denn wieder durch-
käme. Die nette Antwort war "Wahrscheinlich garnicht!" und quasi im selben Moment ließ der
Typ drei Mädels durch. Ich wurde langsam böse und zuckte erstmal elegant/arrogant meine
Pressekarte, woraufhin der Security sich erstmal entschuldigte und uns durchließ... Arschloch!

Dann legten auch schon Fettes Brot los. Es gab 45 Minuten Party-HipHop mit allen bekannten
und einigen neuen Songs. Beim Heimpublikum kam die Band erwartungsgemäß gut an, ich hätte
nach einer viertel Stunde schon genug gehabt... Gegen Ende coverten die Brote dann noch, sehr
zur Freude der DÄ-Fans, "Radio brennt". Dann war Ende. Ende? Nein, es gab natürlich noch
"Tanzverbot" als Zugabe. Das Publikum kreischte als Bela die Bühne betrat und irgendwie ging
leider die politische Message ein bischen verloren. Dann war Umbaupause.

Um kurz vor 21.00 Uhr hatten die Securitys dann immer noch nicht mehr Leute vor den Wellen-
brecher gelassen, so dass man das übliche Gedrängel vor Ärzte-Konzerten vermisste. Das übliche
Intro ertönte, die ersten Töne des Openers "Nicht allein" erklangen, dann fiel ein kleiner Vorhang
und ein kleiner Ausschnitt der Bühne wurde sichtbar. Bela, Farin und Rod legten, mit dem wie
ich finde, schlecht gewählten Opener los und das Publikum begann sich ein wenig zu bewegen.
Kein Pogo. Traurig. Normalerweise war ich von DÄ-Konzerten immer ein 3-Song-Geschiebe-
Massaker zu beginn gewohnt, aber hier hatten alle mehr als genug Platz und tänzelten nur so vor
sich hin. Ich weiss nicht was hinter dem Wellenbrecher so abging, aber vorne blieb es auch bei
den nächsten zwei Songs "2000 Mädchen" und "Richtig schön evil" eher ruhig, "Polizei SA-SS"
von Slime wurde angespielt. Außer Kreischen, Mitsingen und Klatschen war nicht allzuviel drin.
Ich persönlich war recht enttäuscht über das Publikum und darüber, dass von den ersten drei
Songs gleich zwei vom neuen Album waren.
Dann fiel auch der große Vorhang und die wirklich riesige Bühne wurde sichtbar. Die drei rückten
weiter auseinander und im Hintergrund tauchten Boxentürme auf, wie man sie sonst nur von Bands
wie Metallica kennt.Bei "Hurra" waren vorne die ersten Runden Pogo zu verzeichnen und, sehr zu
meiner Freunde, war auch "Moterfucker 666" im Set, bei dem Farin jedoch erste Aussetzer zeigte.
Es folgten weitere neue Lieder (z.B. "Deine Schuld" und "T-Error") und die Bühne wurde fast nach
jedem zweiten Song umgestaltet. Lichtblicke gab es mit den älteren Songs "Grace Kelly" und "Alleine
in der Nacht", ansonsten stammten die Songs im Grunde genommen nur von den letzten zwei bis drei
Alben. Vom neuen Album "Geräusch" waren noch "Nichts in der Welt", "Geisterhaus", "Die klügsten
Männer der Welt" und "WAMMW" dabei. Am besten im ganzen Set gefielen mir dann eigentlich "Gib
mir Zeit", "Bravopunks" (was heute mehr als passend war) und "Rebell". Mir fiel auf, dass Farin relativ
viele Aussetzer hatte. DÄ wissen jedoch immer noch das Publikum zu unterhalten und so gab es auch
wieder Gags ohne Ende, Laolawellen etc. Den Abschluss machte "Wie es geht", dann begann das be-
kannte "Zugabe-Spiel".
Die neue Single "Dinge von denen" macht, mit Rod am Flügel, den Anfang, gefolgt von der letzten Single
"Unrockbar". Dann gab's noch "Schrei nach Liebe", bevor ein "Unplugged"-Teil folgte. Der war echt cool,
denn DÄ traten in den original Rock'n'Roll Realschule Uniformen auf und performten "Langweilig", das
"Medley" und "Monsterparty". Bei "Monsterparty" kam es zu der "We will rock you" Interpretation "We
will, we will Monsterparty!", die sich durch's ganze Konzert zog.
Auch Fettes Brot betraten noch mal die Bühne und es gab einen "Punkrock vs. Hip Hop" Battle in Form
vom "FaFaFa" an deren Ende beide Bands von Securitys von der Bühne getragen wurden.
Dann folgten die letzten Songs. Bei "Westerland" wurden die Ramones ein bischen verarscht, denn ein
Typ mit einem Westerland-Schild und einer Zombie-Ramones-Maske  lief während des Songs in bester
Joey Ramone Art über die Bühne. Es folgten "Elke" und der letzte Song "Zu Spät", unterbrochen von
"We will.. Monsterparty"!

Fazit:
Das schlechteste Die Ärzte Konzert, dass ich je gesehen hab: Zu teuer, die Halle war wirklich einfach zu
groß und die Fans, zumindest vorne, sind auch nicht so abgegangen wie man es gewohnt ist. Das Set
beinhaltete viel zu viele neue Songs und die Bühnenshow war einfach übertrieben. Andauerend Umbau:
brennende Verstärkertürme, Klamottenwechsel, riesen Diskokugel, riesen Leinwände, Fakeln, usw, das
muss doch nicht alles sein. Ausgewählte Effekte hätten meiner Meinung nach mehr gezogen als diese Effekt-
Überschüttung, die wahrscheinlich auch mit dafür verantwortlich ist, dass man DÄ nicht mehr für 38 DM
sondern nur noch für 28 Euro sehen kann.
Positiv anzumerken sind aber auf jeden Fall die Unplugged-Songs und die Sprüche die die Band immer
noch zwischen den Songs drauf hat.

BB