Die Ärzte, Oomph!, Fireball Ministry, u.a.
Minden / Weserufer - 02.07.04

50 Km mit dem Fahrrad um die Ärzte zu sehen? Für zwei unerschrockene Freunde
und mich kein Problem... 3,5 Stunden später kamen wir dann auch endlich in Minden
an und suchten als erstes unsere Unterkunft, die nette WG von Radio666-Mode-
rator Dirk und seinem Mitbewohner Henning, auf. An dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön für die Schlafplätze und die nette Verpflegung.
Pünktlich um 19.30 Uhr kamen wir dann auch endlich am wirklich hübschen Weser-
ufer-Gelände an: im Hintergrund die Weser, links der Hermann und auch ohne Ein-
trittskarte eine wundervolle Sicht auf die Bühne. Dank letzterer Eigenschaft waren
auch relativ viele Punks da, die sich mit anderen Leuten zusammen das Konzert für
Lau von Außen anschauten. Wir schlenderten ums Gelände um einen weiteren
Kumpel zu finden, dessen Karte ich hatte.

Leider verpassten wir alle vorherigen Vorbands und hörtenn bzw. sahen von Außen nur
den Auftritt von Oomph!. Ich sage nur: Gut das wir draußen waren!

Um 21.00 Uhr, es war noch nicht dunkel, legten dann auch endlich Die Ärzte los! Ein
an den Kult-Zombie-Film "Night of the living Dead" angelehntes Intro, das im Anfang
von "Nicht allein" endete, eröffnete den Abend und mit den ersten Textzeilen des Songs,
vom aktuellen Album "Geräusch", fiel dann auch der Vorhang. Das Publikum ging gut
mit und es folgte der Klassiker "Radio brennt", der besonders bei den hinteren Reihen gut
ankam. Es folgten Songs von den Alben nach 93, wie z.B. "Ignorama" und "Hurra",
dann ging man mit "Richtig schön evil", "Ein Mann" und "Deine Schuld" aber wieder ver-
stärkt zum neuen Album über, wobei letzterer richtig gut ankam.
Dann freuten sich die älteren Konzertbesucher wieder, denn Klassiker wie "Für immer"
und "Gwendoline" standen auf dem Programm, bevor Rod und Farin die Plätze tauschten.
Mit Rod an der Gitarre gab es "Anti-Zombie", das nicht so gut ankam und den allseits be-
liebten "1/2 Lovesong".
180° Drehung und weiter ging es mit "Meine Freunde", dem Pogokracher von der "Le
Frisur"-Konzeptplatte. Dann waren "Die klügsten Männer der Welt" an der Reihe und
Bela nutzen den Song für ein Statement gegen George Bush und die CDU. Nach dem
nächsten Klassiker "Popstar" wurde mit "Ein Sommer nur für mich" wieder gegen Nazis
gewunken, dann war nach "Kopfüber in die Hölle" und dem "Schunder-Song" das regu-
läre Set beendet. Wirklich Feierabend? Natürlich nicht mit Die Ärzte! Obwohl Farin
sich über Kälte auf der Bühne beschwerte ging es weiter.
Rod nahm Platz am Flügel und es gab erstmal "Dinge von denen", es folgte "Unrock-
bar" bei dem Bela und Farin mal wieder ihrer Spontanität freien Lauf liessen und die
ein oder andere Textzeile zur Freude des Publikums dazutexteten.
Vor "Schrei nach Liebe" zeigte Farin sich dann Slime-Textsicher. Er forderte das Publikum
auf aktiv gegen Nazis vorzugehen und mit Blick auf die anwesenden Polizisten sagte er
dann "aber ich will ja nicht zur Gewalt aufrufen!". Bela setzte darauf mit "Wie 68 in West-
Berlin..." ein, was Farin mit "2/3 Heizöl, 2/3 Benzin" mathematisch korrekt fortführte.
Dann war es an der Zeit für die nächste Umbaupause, in der sich das Publikum über das
von Band eingespielte "Pausenlied" freuen durfte. Die Ärzte kamen in den "Rock'n'Roll
Realschule"-Outfits wieder auf die Bühne und es ging unplugged weiter. "Biergourmet",
"Der lustige Astrotnaut", der mal wieder auf verschiedene Buchstaben von den Leuten
auf dem Gelände, sowie von den Schnorrern draußen gesungen wurde. Während das
Publikum noch fleißig weitersang gab es dann auch schon die "Monsterparty".
Nach dem unplugged Teil betrat Bela dann alleine wieder die Bühne und zwar mit Um-
hang, hohem Kragen und Akkustik-Gitarre. Es gab den "Graf" mit fliegendem Gitarren-
wechsel als Bela wieder ans Schlagzeug musste.
Das große Finale bildeten wie immer "Westerland" und "Zu Spät", die natürlich richtig
abgefeiert wurden, und die goldenen Worte von Rod: "Remember I love you". Dann war
endgültig Feierabend, was die überdimensionale Lichtwand dem Publikum mit einem
freundlichen "Verpisst euch!" klarmachte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Konzert auf jeden Fall weitaus besser war
als das letztjährige in Hamburg (siehe Review). Zwar haben DÄ immer noch einen Haufen
sinnlosen Schnick-Schnack auf der Bühne, z.B. riesige brennende Boxentürme etc., trotz-
dem hatte ich das Gefühl, dass wenigstens ein bischen abgespeckt wurde (vielleicht hatte
ich das Gefühl auch nur weil das Team besser eingespielt war und deshalb die Umbau-
pausen kürzer waren). Positiv sind auch die Versuche der Ärzte, durch politische Statements
etwas der Politikverdrossenheit entgegenzusetzen, zu werten. Neben Statements von der
Bühne gab es auch einen Attac- und einen Amnesty International-Stand, Gästelistengäste
wurden gezwungen letzterer Organisation 5 Euro zu spenden. Leider schien ein Großteil
des Publikums für politische Messages nicht sonderlich offen zu sein.
Trotzdem kam auch dieses Konzert leider nicht an die schöne Zeit um 1998 ran: Die Leute
die man früher auf fast jedem Ärzte-Konzert getroffen hat trifft man leider immer seltener,
dafür ist der Anteil an Schicksen nocheinmal nach oben geschraubt worden. Ein Problem
beim neuen Set ist für mich auch, dass, trotz einiger echter Klassiker wie "Für Immer",
einfach ein zu großer Teil dem aktuellen Album gewidmet wird. Das Album war für mich
nicht wirklich überwältigend und am Ende fehlen live dann einige alte oder mittelalte Knaller,
die zugunsten von einigen mittelmässigen neuen Songs ausgelassen werden.
Verständlich, dass das neue Material präsentiert wird und schlecht sind die neuen Songs ja
live auch nicht, aber mir fehlt da einfach ein bißchen das Feeling.

Nach dem Konzert zechten wir dann noch mit Dirk und anderen Studies in der Uni, um
6 Uhr hatte dann auch der letzte seinen Schlafplatz im Flur gefunden. Am nächsten Morgen
ging es dann gewohnt frisch und entspannt mit dem Fahrrad zurück in Richtung Heimat.

Ich beende dieses Review mal mit einem Zitat vom, man höre und staune, neuen Album:
"Ich dreh die Zeit ein Stück zurück, ich will das alles wie früher ist!" (aus "Anders als beim
letzten Mal" vom aktuellen Album "Geräusch", übrigens ein sehr gute Song!)
    BB