Dieser erste richtig warme Sonntag im Jahr
2005 (mit richtigen
sommerlich anmutenden Gefühlen plus
erstem Sonnenbrand)
sollte seinen krönenden Abschluss
im ausverkauften Forum bei
Tocotronic finden. Voller Vorfreude
begab ich mich verhältnis-
mäßig pünktlich nach Bielefeld.
Um 21:10 Uhr ging es dann endlich mit
La Grande Illusion los. Da-
bei handelt es sich um ein Hamburger Soloprojekt
von Heiko Badje,
der von seiner (bezaubernden ) Assistentin
Christina Castillon mit
Akkustikgitarre und Percussions unterstützt
wurde. Wirklich vom
Hocker gehauen, hat das Duo wohl die wenigsten
im Saal. Nette
seichte Popsongs untermalt von Elektrofrickeleien.
Badjes Stimme
war meiner Meinung nach zu dünn und
klang teilweise sehr feminin.
Die Single „Stereotypes“ (man kann sie
bei www.la-grande-illusion
.com
herunterladen) brachte einige Besucher dazu, freundlich mitzu-
nicken, doch so recht wollte der Funke
nicht überspringen. Auch die
letzte Nummer, die als tanzbar angekündigt
wurde, konnte das Pub-
likum nicht überzeugen. La Grande
Illusion ist zwar passende Musik
um einen lauen Sommerabend ausklingen
zu lassen, als Vorband
zum Einstimmen auf Tocotronic
jedoch ungeeignet. Ich war froh, als
nach einer halben Stunde Schluss war.
Nach einer 20 minütigen Umbauspause
erklang dann das bombas-
tische Klassik-Intro von Tocotronic,
zusätzlich sorgte die Nebelma-
schine für Spannung. Dann kamen Dirk
von Lowtzow, Jan Müller, Ar-
ne Zank und Rick Mc Phail auf die Bühne
und begannen mit ihrem
Märchen "Ich habe Stimmen gehört...".
Nach einem kurzen schwelgen in alter
Forum-Vergangenheit seitens
Dirk (im Buffy-the-Vampire-Slyer-T-shirt)
ging es dann mit "Hier Le-
ben, nein Danke" weiter. (Eine Anspielung
auf das gerade erwähnte
Bielefeld ?). Der Livesound war etwas
härter als auf der Platte, was
mir persönlich sehr gefiel.
Die neuen Songs wurden gut vom Publi-
kum angenommen. Weiter ging es dann etwas
ruhiger mit "Näher zu
dir" und "Der Achte Ozean". Es gab
kaum längere Ansagen zwisch-
en den Songs, wenn überhaupt Ansagen
kamen. Das mittlerweile
voll eingestiegene Rick Mc Phail interessierte
sich anscheinend gar
nicht fürs Publikum, er blickte stur
auf seine Gitarre.
Die ersten 30 Minuten waren von
Songs des neusten Album „Pure
Vernunft darf niemals siegen“ bestimmt.
Begeistert nahm das Publi-
kum "Führe mich sanft" und "In höchsten
Höhen" auf.
Als die ersten Töne von "Jackpot"
angestimmt werden geht eine be-
geisterte Woge durchs Publikum welches
euphorisch zu tanzen be-
ginnt. Genauso großartig ging es
dann mit "Ich bin viel zu lange mit
euch mitgegangen" und "Drüben auf
dem Hügel". Dann kam "Mein
Prinz", zu dem es auch ein Video bei www.tocotronic.de
gibt. Als Ab-
schlusslied (vor den Zugaben natürlich)
gab es dann "Pure Vernunft
darf niemals siegen".
Das Publikum verlangte nach mehr. Manchmal
ist weniger mehr, denn
nun gab es "Ich muss reden auch wenn ich
schweigen muss", "Drei
Schritte vom Abgrund entfernt" und
"Freiburg" in der alten Dreier-Be-
setzung. Totale Extase. Als die 3 von
der Bühne verschwanden verlang-
te das Publikum lauthals nach mehr, denn
einige großartige Songs der
Tocotronic-Geschichte wurden noch
vermisst.
Diesmal wieder zu viert kamen sie wieder
und gaben mit lauter Unter-
stützung der (-zumindest bis zur
Hälfte des Raumes) tobenden Menge
"Hi Freaks" zum besten und bestritten
als wirklich letztes Lied mit "Neu-
es vom Trickser" den Abend.
Alles in allem ein extrem zufriedenstellendes
Konzert, wenn auch einige
ältere Songs vermisst wurden. (Eine
Floskel, die man nach jedem Kon-
zert immer wieder gerne anbringt). Ich
bin ein klein wenig glückseeliger
nach diesem Konzert, an das ich mich immer
wieder gerne zurückerin-
nern werde.
Wiebke