Tocotronic, La Grande Illusion
03.04.05 - Bielefeld / Forum

Dieser erste richtig warme Sonntag im Jahr 2005 (mit richtigen
sommerlich anmutenden Gefühlen plus erstem Sonnenbrand)
sollte seinen krönenden Abschluss im ausverkauften Forum bei
Tocotronic finden. Voller Vorfreude begab ich mich verhältnis-
mäßig pünktlich nach Bielefeld.
Um 21:10 Uhr ging es dann endlich mit La Grande Illusion los. Da-
bei handelt es sich um ein Hamburger Soloprojekt von Heiko Badje,
der von seiner (bezaubernden ) Assistentin  Christina Castillon mit
Akkustikgitarre und Percussions unterstützt wurde. Wirklich vom
Hocker gehauen, hat das Duo wohl die wenigsten im Saal. Nette
seichte Popsongs untermalt von Elektrofrickeleien. Badjes Stimme
war meiner Meinung nach zu dünn und klang teilweise sehr feminin.
Die Single „Stereotypes“ (man kann sie bei www.la-grande-illusion
.com herunterladen) brachte einige Besucher dazu, freundlich mitzu-
nicken, doch so recht wollte der Funke nicht überspringen. Auch die
letzte Nummer, die als tanzbar angekündigt wurde, konnte das Pub-
likum nicht überzeugen. La Grande Illusion ist zwar passende Musik
um einen lauen Sommerabend ausklingen zu lassen, als Vorband
zum Einstimmen  auf Tocotronic jedoch ungeeignet. Ich war froh, als
nach einer halben Stunde Schluss war.
Nach einer 20 minütigen Umbauspause erklang dann das bombas-
tische Klassik-Intro von Tocotronic, zusätzlich sorgte die Nebelma-
schine für Spannung. Dann kamen Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Ar-
ne Zank und Rick Mc Phail auf die Bühne und begannen mit ihrem
Märchen "Ich habe Stimmen gehört...".
 Nach einem kurzen schwelgen in alter Forum-Vergangenheit seitens
Dirk (im Buffy-the-Vampire-Slyer-T-shirt) ging es dann mit "Hier Le-
ben, nein Danke" weiter. (Eine Anspielung auf das gerade erwähnte
Bielefeld ?). Der Livesound war etwas härter als auf der Platte, was
mir persönlich  sehr gefiel. Die neuen Songs wurden gut vom Publi-
kum angenommen. Weiter ging es dann etwas ruhiger mit "Näher zu
dir"  und "Der Achte Ozean". Es gab kaum längere Ansagen zwisch-
en den Songs, wenn überhaupt Ansagen kamen. Das mittlerweile
voll eingestiegene Rick Mc Phail interessierte sich anscheinend gar
nicht fürs Publikum, er blickte stur auf seine Gitarre.
 Die ersten 30 Minuten waren von Songs des neusten Album „Pure
Vernunft darf niemals siegen“ bestimmt. Begeistert nahm das Publi-
kum "Führe mich sanft" und "In höchsten Höhen" auf.
 Als die ersten Töne von "Jackpot" angestimmt werden geht eine be-
geisterte Woge durchs Publikum welches euphorisch zu tanzen be-
ginnt. Genauso großartig ging es dann mit "Ich bin viel zu lange mit
euch mitgegangen" und "Drüben auf dem Hügel". Dann kam "Mein
Prinz", zu dem es auch ein Video bei www.tocotronic.de  gibt. Als Ab-
schlusslied (vor den Zugaben natürlich) gab es dann "Pure Vernunft
darf niemals siegen".
Das Publikum verlangte nach mehr. Manchmal ist weniger mehr, denn
nun gab es "Ich muss reden auch wenn ich schweigen muss", "Drei
Schritte vom Abgrund entfernt"  und "Freiburg"  in der alten Dreier-Be-
setzung. Totale Extase. Als die 3 von der Bühne verschwanden verlang-
te das Publikum lauthals nach mehr, denn einige großartige Songs der
Tocotronic-Geschichte wurden noch vermisst.
Diesmal wieder zu viert kamen sie wieder und gaben mit lauter Unter-
stützung der (-zumindest bis zur Hälfte des Raumes) tobenden Menge
"Hi Freaks" zum besten und bestritten als wirklich letztes Lied mit "Neu-
es vom Trickser" den Abend.
Alles in allem ein extrem zufriedenstellendes Konzert, wenn auch einige
ältere Songs vermisst wurden. (Eine Floskel, die man nach jedem Kon-
zert immer wieder gerne anbringt). Ich bin ein klein wenig  glückseeliger
nach diesem Konzert, an das ich mich immer wieder gerne zurückerin-
nern werde.

Wiebke