Social Distortion, Backyard Babies, Cooper
Bielefeld / Ringlokschuppen - 17.08.05

Lange ist es her, dass eine Tour schon im Vorfeld für so viel Auf-
merksamkeit und Vorfreude gesorgt hat: Nach acht Jahren end-
lich wieder Social Distortion in Deutschland! Da konnten auch ca.
30 Euro Eintritt niemanden abschrecken: Hamburg war quasi so-
fort ausverkauft, Berlin wenig später und kurz vor Konzertbeginn
war dann auch der Bielefelder Ringlokschuppen "Sold Out", so-
gar Konzertbesucher aus Belgien und anderen Ländern ließen
sich die Chance nicht entgehen die Band (hoffentlich nicht zum
letzten Mal) auf europäischen Bühnen mitzuerleben und machten
sich auf den Weg nach OWL.

Trotz der allgemein positiven Aufnahme des neuen Albums "Sex,
Love and Rock'n'Roll" brodelte schon seid Tagen die Gerüchte-
küche: "Hast du schon die Setlist aus London gesehen? Es gibt
kein "Don't Drag Me Down", die spielen zuviel neues Zeug" hörte
man in den ersten Tagen der Tour, kurz vor dem Konzert in Bie-
lefeld gab es dann allerdings Entwarnung in Form von überaus
positiven Berichterstattungen aus Hamburg und Berlin.

Pünktlich um 20 Uhr kam ich am Ringlokschuppen an und bei
dem Anblick der Menschenmassen stellte ich mir als erstes die
Frage "Haben die vor acht Jahren tatsächlich in der Hechelei ge-
spielt?" Naja egal, erstmal nen paar Bekannten übern Weg laufen,
gammeln usw.

Den Abend eröffneten Cooper. Die Poppunker aus Holland erinner-
ten ein wenig an All, ihr Album "Makes Tomorrow Alright" erschien
jüngst auf Kung Fu Records, wo ja bekanntlich auch Mike Ness &
Co. zuhause sind. Die Band riss irgendwie niemanden vom Hocker,
in der Halle blieb es recht leer und Bewegung gab es auch nicht im
Publikum, wenn man musikalisch bei so einer Veranstaltung nicht
wirklich ins Konzept passt hat man es als erste Band des Abends
noch schwerer als es eh schon ist. Auch ich verzog mich nach we-
nigen Songs in Richtung Bar um auf Großbildleinwand nach Jahren
mal wieder ein bißchen Ländergekicke zu verfolgen.

In der Halbzeitpause machte ich mich dann aber doch wieder auf
in Richtung große Halle. Die Backyard Babies aus Schweden, die
ja auch schon alleine in der kleinen Halle des Ringlokschuppens
aufgetreten sind, waren nun an der Reihe. Mittlerweile war gut was
los hier und ich machte es mir in großzügigem Abstand von der Büh-
ne gemütlich um mir die Jungs tatsächlich komplett anzuhören. Ich
stehe nicht sonderlich auf die Band, andere Leute gingen jedoch
stark ab. Ganz gut posen können sie, das kann man nicht abstrei-
ten, mir wirkte die Show jedoch viel zu abgespult.

Während der Umbaupause liefen dann ausschließlich die Ramones,
blonde Mädchen mit bunten Armen drängten in Richtung Bühne,
Jungs in Turbojugendjacken folgten, weiter hinten dann die Leute
bis 40. Als dann ein muskelbepackter, tätowierter Mann mit einer
coolen Mütze auf dem Kopf die Bühne betrat und eine goldene Gib-
son Gitarre mit einem Orange County Aufkleber in die Hand nahm
war in der Halle kein halten mehr. Die Südkalifornier eröffneten mit
"Reach for the Sky" dem ersten Song vom aktuellen Album "Sex,
Love and Rock'n'Roll" und auch der zweite Song im Set "Highway
101" folgt unmittelbar an zweiter Stelle auf der CD. Ein gelungener
Anfang wie ich fand. Dann gab es auch schon die ersten Klassiker
und damit absolute Highlights: "Mommys Little Monsters" und "Don't
Drag Me Down" heizten die Stimmung noch mehr an. Glückliche,
mitsingende Menschen wohin man sah, aufgrund des doch ge-
mässigten Tempos der meisten Social Distortion Songs gab aber
keinen übermässigen Pit. Zwischen den Songs gab es kaum An-
sagen, Mike Ness machte lediglich zwischendurch eine Blase mit
seine Kaugummi, dann ging es weiter im Programm. Zwischen-
durch gab es immer wieder coole Califorina-Blues-Nummern,
dann folgten wieder Hits wie "Dont Take Me For Granted". Irgend-
wann holte Mike Ness dann einen 14 jährigen Jungen mit Iro aus
dem Publikum auf die Bühne und bedankte sich bei "der ersten Ge-
neration von Punkrockern", denn schließlich hätten die ermöglicht,
dass heute Kids solche Konzerte erleben könnten. Wer will da noch
behaupten Social D seien eine Band für alte Männer?
"Sick Boys", "Live Before you die" und "Prison Bound" waren wei-
tere Highlights im Set und besonders der Keyboard bzw. Orgel-
Spieler schaffte es immer wieder die Songs nett aufzupeppen.
Für den Abschied sorgten dann "Story Of My Life" und das gute,
alte "Ring Of Fire". Ich ergatterte noch einen Stick und der Abend
war gerettet. Hervorragendes Konzert, ich hörte nachher von nie-
mandem was schlechtes und wenn die T-Shirts nicht 25 € ge-
kostet hätten, hätte ich mir vielleicht sogar eins gekauft... vor dem
Ringlokschuppen gab es dann wieder Posterverkauf im großen
Stil und je weiter man sich vom Eingang (5 €) in Richtung Park-
platz (2 €) entfernte, desto biliger wurden die Teile. Das sollte als
Lobeshymne erstmal reichen.

BB

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