Lange ist es her, dass eine Tour schon
im Vorfeld für so viel Auf-
merksamkeit und Vorfreude gesorgt hat:
Nach acht Jahren end-
lich wieder Social Distortion in
Deutschland! Da konnten auch ca.
30 Euro Eintritt niemanden abschrecken:
Hamburg war quasi so-
fort ausverkauft, Berlin wenig später
und kurz vor Konzertbeginn
war dann auch der Bielefelder Ringlokschuppen
"Sold Out", so-
gar Konzertbesucher aus Belgien und anderen
Ländern ließen
sich die Chance nicht entgehen die Band
(hoffentlich nicht zum
letzten Mal) auf europäischen Bühnen
mitzuerleben und machten
sich auf den Weg nach OWL.
Trotz der allgemein positiven Aufnahme
des neuen Albums "Sex,
Love and Rock'n'Roll" brodelte schon seid
Tagen die Gerüchte-
küche: "Hast du schon die Setlist
aus London gesehen? Es gibt
kein "Don't Drag Me Down", die spielen
zuviel neues Zeug" hörte
man in den ersten Tagen der Tour, kurz
vor dem Konzert in Bie-
lefeld gab es dann allerdings Entwarnung
in Form von überaus
positiven Berichterstattungen aus Hamburg
und Berlin.
Pünktlich um 20 Uhr kam ich am Ringlokschuppen
an und bei
dem Anblick der Menschenmassen stellte
ich mir als erstes die
Frage "Haben die vor acht Jahren tatsächlich
in der Hechelei ge-
spielt?" Naja egal, erstmal nen paar Bekannten
übern Weg laufen,
gammeln usw.
Den Abend eröffneten Cooper.
Die Poppunker aus Holland erinner-
ten ein wenig an All, ihr Album
"Makes Tomorrow Alright" erschien
jüngst auf Kung Fu Records,
wo ja bekanntlich auch Mike Ness &
Co. zuhause sind. Die Band riss
irgendwie niemanden vom Hocker,
in der Halle blieb es recht leer und Bewegung
gab es auch nicht im
Publikum, wenn man musikalisch bei so
einer Veranstaltung nicht
wirklich ins Konzept passt hat man es
als erste Band des Abends
noch schwerer als es eh schon ist. Auch
ich verzog mich nach we-
nigen Songs in Richtung Bar um auf Großbildleinwand
nach Jahren
mal wieder ein bißchen Ländergekicke
zu verfolgen.
In der Halbzeitpause machte ich mich dann
aber doch wieder auf
in Richtung große Halle. Die Backyard
Babies aus Schweden, die
ja auch schon alleine in der kleinen Halle
des Ringlokschuppens
aufgetreten sind, waren nun an der Reihe.
Mittlerweile war gut was
los hier und ich machte es mir in großzügigem
Abstand von der Büh-
ne gemütlich um mir die Jungs tatsächlich
komplett anzuhören. Ich
stehe nicht sonderlich auf die Band, andere
Leute gingen jedoch
stark ab. Ganz gut posen können sie,
das kann man nicht abstrei-
ten, mir wirkte die Show jedoch viel zu
abgespult.
Während der Umbaupause liefen dann
ausschließlich die Ramones,
blonde Mädchen mit bunten Armen drängten
in Richtung Bühne,
Jungs in Turbojugendjacken folgten,
weiter hinten dann die Leute
bis 40. Als dann ein muskelbepackter,
tätowierter Mann mit einer
coolen Mütze auf dem Kopf die Bühne
betrat und eine goldene Gib-
son Gitarre mit einem Orange County Aufkleber
in die Hand nahm
war in der Halle kein halten mehr. Die
Südkalifornier eröffneten mit
"Reach for the Sky" dem ersten Song vom
aktuellen Album "Sex,
Love and Rock'n'Roll" und auch der zweite
Song im Set "Highway
101" folgt unmittelbar an zweiter Stelle
auf der CD. Ein gelungener
Anfang wie ich fand. Dann gab es auch
schon die ersten Klassiker
und damit absolute Highlights: "Mommys
Little Monsters" und "Don't
Drag Me Down" heizten die Stimmung noch
mehr an. Glückliche,
mitsingende Menschen wohin man sah, aufgrund
des doch ge-
mässigten Tempos der meisten Social
Distortion Songs gab aber
keinen übermässigen Pit. Zwischen
den Songs gab es kaum An-
sagen, Mike Ness machte lediglich
zwischendurch eine Blase mit
seine Kaugummi, dann ging es weiter im
Programm. Zwischen-
durch gab es immer wieder coole Califorina-Blues-Nummern,
dann folgten wieder Hits wie "Dont Take
Me For Granted". Irgend-
wann holte Mike Ness dann einen
14 jährigen Jungen mit Iro aus
dem Publikum auf die Bühne und bedankte
sich bei "der ersten Ge-
neration von Punkrockern", denn schließlich
hätten die ermöglicht,
dass heute Kids solche Konzerte erleben
könnten. Wer will da noch
behaupten Social D seien eine Band
für alte Männer?
"Sick Boys", "Live Before you die" und
"Prison Bound" waren wei-
tere Highlights im Set und besonders der
Keyboard bzw. Orgel-
Spieler schaffte es immer wieder die Songs
nett aufzupeppen.
Für den Abschied sorgten dann "Story
Of
My Life" und das gute,
alte "Ring Of Fire". Ich ergatterte noch
einen Stick und der Abend
war gerettet. Hervorragendes Konzert,
ich hörte nachher von nie-
mandem was schlechtes und wenn die T-Shirts
nicht 25 € ge-
kostet hätten, hätte ich mir
vielleicht sogar eins gekauft... vor dem
Ringlokschuppen gab es dann wieder Posterverkauf
im großen
Stil und je weiter man sich vom Eingang
(5 €) in Richtung Park-
platz (2 €) entfernte, desto biliger
wurden die Teile. Das sollte als
Lobeshymne erstmal reichen.
BB
zurück zu Shitletter.tk