Panteon Rococo
13.09.05 - Bielefeld / JZ Kamp

Zur Zeit schwer im Trend: Latin Ska Punk! Neben Karamelo
Santo und La Vela Puerca wird dieses Feld auch von den
mexikanischen Panteon Rococo dominiert. Ich sah die Zwölf-
Mann-Combo beim letztjährigen Stemweder Open Air erst-
mals live und war so begeistert, dass ein Besuch des Kon-
zerts im Bielefelder Kamp unausweichlich war. Aber warum
sollte man sich auch so eine Party entgehen lassen?

Ich erreichte das beliebte, sehr gut gefüllte Bielefelder Jugend-
zentrum gegen 21.30 Uhr. Bekannte Gesichter wohin man sah,
Begrüßung hier, Händeschütteln da. Dann ging es aber auch
schon los, einen Einheizer brauchten Panteon Rococo nicht.

Die Mexikaner legten nach einem Intro mit "Dime" los und so-
fort begannen die Leute zu Tanzen. Die unerwartet hohe Frau-
enquote in den ersten Reihen sorgte dafür, dass auch bei "Ciu-
dad" noch schön getanzt wurde, Pogo gab es anfangs quasi
nicht. Es folgten "Reality" und "Paralo". Die Stimmung stieg
von Song zu Song und vorne wurde es immer enger, wärmer
und feuchter.
Besonders rhytmisch finde ich Panteo Rococo stark, mit ih-
rem Schlagzeuger, den beiden Jungs die sich um die Per-
cussions kümmern, sowie zwei großen Pauken sind sie auf
diesem Gebiet auf jeden Fall an der Spitze der Latin Ska
Bands. Auch die starken Reggae-Einflüsse, die Sprechge-
sangparts und die Einflüsse anderer traditioneller Musikstile
konnten vollkommen überzeugen.
Aufgrund der Sprachbarriere kommunizierte die Band nicht
viel mit dem Publikum, sondern spielte einen Hit nach dem
anderen. "No te detengas" und "Pequeno" waren zwei abso-
lute Highlights im Set.
Wie es sich für eine ordentliche Band gehört sangen Panteon
Rococo nicht nur von "Fiesta" und "Cerveza", sondern be-
zogen auch politisch klare Standpunkte. Wer die Inhalte nicht
über die Texte der Band verstand, konnte sich am Merchandise
mit politischen Informationen versorgen. Während des Kon-
zerts sammelte das Welthaus Bielefeld spenden für verschie-
dene Projekte in Lateinamerika, die auch von Panteon Rococo
unterstützt werden.
"Borracho" und "J.Alfredo" brachten das Publikum noch einmal
richtig in Fahrt, bevor mit "Esta Noche" und "Dosis" der offizielle
Teil des Abends beendet wurde. Doch der Saal kochte...
... und so gab es natürlich Zugaben. Im ersten Zugabenblock
war "La Carencia" das absolute Highlight und eigentlich auch das
Highlight des Konzerts. Das Publikum stürmte die Bühne und
vor der Bühne wurde einfach nur wild getanzt. Wieder gab es
laute Zugaberufe und...
... die Band kam für eine weitere Zugabe zurück. Über mehr
als 5 Minuten wurde der Song "Concha" gezogen, improvisiert
und einfach nur abgefeiert. Wieder war es auf der Bühne voll
und lauter fröhliche, erschöpfte Gesichter verabschiedeten die
Band aus Mexiko, von der Decke tropfte Schweiß.

Nach dem Konzert spielten einige Panteon Rococo-Mitglieder
noch mit den verbliebenen Besuchern Kicker, auch wir lümmel-
ten uns noch ein wenig im Kamp rum und tranken die ein oder
andere Organina.

Fazit:
Zum fairen Eintrittspreis von 10 € (bzw. 12 € Abendkasse) bo-
ten Panteon Rococo 2 Stunden und 15 Minuten erstklassige
Musik. Das Publikum tanzte, schwitzte und lächelte um die
Wette; im Kamp tropfte es anschließend von der Decke. Eine
wirklich wunderbares Konzert mit Rhytmen, die auch den küh-
len Deutschen einfach ins Blut gingen. Ein sympathisches,
zwölfköpfiges Orchester mit guter Musik, politischer Aussage
und sozialem Engagement.

BB

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