Zur Zeit schwer im Trend: Latin Ska Punk!
Neben Karamelo
Santo und La Vela Puerca
wird dieses Feld auch von den
mexikanischen Panteon Rococo dominiert.
Ich sah die Zwölf-
Mann-Combo beim letztjährigen Stemweder
Open Air erst-
mals live und war so begeistert, dass
ein Besuch des Kon-
zerts im Bielefelder Kamp unausweichlich
war. Aber warum
sollte man sich auch so eine Party entgehen
lassen?
Ich erreichte das beliebte, sehr gut gefüllte
Bielefelder Jugend-
zentrum gegen 21.30 Uhr. Bekannte Gesichter
wohin man sah,
Begrüßung hier, Händeschütteln
da. Dann ging es aber auch
schon los, einen Einheizer brauchten Panteon
Rococo nicht.
Die Mexikaner legten nach einem Intro mit
"Dime" los und so-
fort begannen die Leute zu Tanzen. Die
unerwartet hohe Frau-
enquote in den ersten Reihen sorgte dafür,
dass auch bei "Ciu-
dad" noch schön getanzt wurde, Pogo
gab es anfangs quasi
nicht. Es folgten "Reality" und "Paralo".
Die Stimmung stieg
von Song zu Song und vorne wurde es immer
enger, wärmer
und feuchter.
Besonders rhytmisch finde ich Panteo
Rococo stark, mit ih-
rem Schlagzeuger, den beiden Jungs die
sich um die Per-
cussions kümmern, sowie zwei großen
Pauken sind sie auf
diesem Gebiet auf jeden Fall an der Spitze
der Latin Ska
Bands. Auch die starken Reggae-Einflüsse,
die Sprechge-
sangparts und die Einflüsse anderer
traditioneller Musikstile
konnten vollkommen überzeugen.
Aufgrund der Sprachbarriere kommunizierte
die Band nicht
viel mit dem Publikum, sondern spielte
einen Hit nach dem
anderen. "No te detengas" und "Pequeno"
waren zwei abso-
lute Highlights im Set.
Wie es sich für eine ordentliche
Band gehört sangen Panteon
Rococo nicht nur von "Fiesta" und
"Cerveza", sondern be-
zogen auch politisch klare Standpunkte.
Wer die Inhalte nicht
über die Texte der Band verstand,
konnte sich am Merchandise
mit politischen Informationen versorgen.
Während des Kon-
zerts sammelte das Welthaus Bielefeld
spenden für verschie-
dene Projekte in Lateinamerika, die auch
von Panteon Rococo
unterstützt werden.
"Borracho" und "J.Alfredo" brachten das
Publikum noch einmal
richtig in Fahrt, bevor mit "Esta Noche"
und "Dosis" der offizielle
Teil des Abends beendet wurde. Doch der
Saal kochte...
... und so gab es natürlich Zugaben.
Im ersten Zugabenblock
war "La Carencia" das absolute Highlight
und eigentlich auch das
Highlight des Konzerts. Das Publikum stürmte
die Bühne und
vor der Bühne wurde einfach nur wild
getanzt. Wieder gab es
laute Zugaberufe und...
... die Band kam für eine weitere
Zugabe zurück. Über mehr
als 5 Minuten wurde der Song "Concha"
gezogen, improvisiert
und einfach nur abgefeiert. Wieder war
es auf der Bühne voll
und lauter fröhliche, erschöpfte
Gesichter verabschiedeten die
Band aus Mexiko, von der Decke tropfte
Schweiß.
Nach dem Konzert spielten einige Panteon
Rococo-Mitglieder
noch mit den verbliebenen Besuchern Kicker,
auch wir lümmel-
ten uns noch ein wenig im Kamp rum und
tranken die ein oder
andere Organina.
Fazit:
Zum fairen Eintrittspreis von 10 €
(bzw. 12 € Abendkasse) bo-
ten Panteon Rococo 2 Stunden und
15 Minuten erstklassige
Musik. Das Publikum tanzte, schwitzte
und lächelte um die
Wette; im Kamp tropfte es anschließend
von der Decke. Eine
wirklich wunderbares Konzert mit Rhytmen,
die auch den küh-
len Deutschen einfach ins Blut gingen.
Ein sympathisches,
zwölfköpfiges Orchester mit
guter Musik, politischer Aussage
und sozialem Engagement.
BB
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