Déjà-Vu:
Um 17:30 Uhr kommt Paddy mit seinem raumkomfortablen
Fiat Uno zu mir gefah-
ren... Ich bin mit Paddy seit über
2 Jahren auf keinem Konzert außerhalb von Bre-
men gewesen und grade dieser ereignisreiche
Tag, der irgendwie genauso begann,
wie jener im Januar 2004, sollte doch
so anders enden. Denn anstatt mich mit Bier
auf den Beifahrersitz zu lümmel um
im Suff den Kategorischen Imperativ neu zu
erfinden, gibt es heute einen Rollentausch.
Paddy steigt aus, gibt mir die Schlüssel
in die Hand und begibt sich Richtung Passiv-Fahrertür.
Es ist geplant, es soll so
sein. Ich werde uns heute nach Hamburg
fahren. Zu unseren Jugendhelden Me First
and the Gimme Gimmes. Ich weiß
nicht mehr, wann ich diese Band das erste Mal
gehört habe, aber ich war damals
sicher noch nicht sehr alt, höchstens 16. Paddy
und ich haben grade angefangen, zusammen
Musik zu machen und kurz darauf
Hobby & Teneriffa gegründet,
um Gimme Gimmes Songs zu covern.. wirklich origi-
nell! Und jetzt, kurz nach unserer Auflösung
gibt es sie immernoch und endlich soll-
ten wir die Möglichkeit haben diese
göttliche Band live zu sehen! Motoren an und
mit 45 PS ab auf die Piste, Motherfucker!
.... die erste Pause kommt gleich nach
2 Minuten an der Blumenthaler Shell, denn
Paddys Plan ist unmissverständlich:
Er will stramm in Hamburg das „Docks“ errei-
chen. Also kommt er mit reichlich Bier
beladen wieder zurück, getankt haben wir
übrigens nicht.. war noch voll. Ab
auffe Autobahn und Mucke an. Heute ist gutes
Wetter, endlich Frühling, die gute
Laune ist kaum zu bremsen, bis Paddy plötzlich
von einen Gedanken eingenommen wird, der
ihn bis zum Betreten des „Docks“
nicht mehr loslassen wird: Kommen wir
mit unseren Karten überhaupt rein? Denn
immerhin ist die ganze Me First
Europa Tour nachgebucht worden, weil sie letztes
Jahr wegen eines Familienunglücks
im Hause Fat Mike abgesagt werden musste.
Alles logische Argumentieren meinerseits
auf alle erdenklichen Schreckens-Szena-
rien hilft nicht, bis Paddy total irritiert
und verängstigt dem Türsteher seine Karte
hinhält und dieser ihn natürlich
durchlässt. Das is ja nochmal gut gegangen! ;-)
Die Vorband, The Sainte Catherines,
ist scheiße! Langweilige Lieder, alles Hardcore
Punk Richtung Sick Of It All und
Good Riddance, nur schlechter und langweiliger...
nix für mich, vielleicht für
Euch, bildet euch eure eigene Meinung... Selbst die 3 Gitar-
ren machen die Sache nicht besser.. Schon
mal was von den Bitch Crackes gehört?
Um 21:45 Uhr ist es endlich soweit: Joey
Cape betritt im Hawaii Hemd die Bühne,
auf seiner Gitarre im Weltraumraketen-Stil
klimpert er absolut grauenerregend falsch
Led Zeppelin´s „Stairway
To Heaven“. Der Song, über den das ungeschriebene Ge-
setzt wacht, dass ihn niemand außer
Jimmy Page zum Besten geben darf, damit er
nicht verschandelt wird, erfährt
hier eine Ignoranz, die ihres Gleichen sucht. Punkrock!
Kurz darauf wackeln die restlichen Gimme
Gimmes auf die Bühne, alle sichtlich ange-
trunken und der Song ballert richtig los,
stumpf, aber gut und ist unbarmherzig schnell
wieder zuende, was die Band zur Gelegenheit
nutzt, sich selbst ordentlich zu feiern,
indem sie sich abklatschen und umarmen.
„The best show of the tour, so far!“ Es ist
herrlich!
Von Anfang an fliegen Bierbecher auf die
Bühne, denn das „Docks“ nimmt bekanntlich
keinen Becherpfand. Die Band findets cool,
Joey ist Hauptziel für die Werfer aus dem
Publikum, schafft es aber hin und wieder
geschickt auszuweichen und so gibt es über
die ganze Show hinweg eine riesen Becher
Schlacht, Publikum vs. Gimme Gimmes,
Gimme Gimmes vs. Publikum und Gimme
Gimmes vs. themselves! Es ist nicht zu
übersehen, wieviel Spaß diese
Punkrock-Allstar Band bei ihren seltenen Konzerten
hat. Immerhin sind alle ja vergleichsweise
viel mit ihren „Hauptbands“ Nofx, Lagwa-
gon, Foo Fighters und Swinging
Utters beschäftigt.
Sie spielen alle Hits, natürlich,
weil sie nicht anders können. „Dannys Song“, „Nobody
Does It Better“, „Seasons In The Sun“,
„Summertime“, „Over The Rainbow“, „Wild
World“, „Blowing In The Wind“ „Sloop John
B.“, "Me & Julio Down By The Schoolyard“
und ein paar Songs vom zur Zeit produzierten
neuen Album, das aus Country Songs
besteht, um nur einige zu nennen. Dabei
feiert sich die Band nach jedem Song, als
wäre sie unschlagbar. Gleichzeitig
pöbelt sie sich selbst und das Publikum an. Mitten
in den Songs rempeln sie sich gegenseitig
um, verspielen sich, spielen einfach weiter.
Die Leute findens geil, wir natürlich
auch und grölen alles mit.
Abgesehen von ihrer total überdrehten
Bühnenshow sind die Gimme Gimmes eine
ziemlich eingespielte Truppe. Lagwagon-Schlagzeuger
Dave knüppelt gnadenlos gut
die schnellen Punk-Covers und besonders
Jackson, hauptberuflich Foo Fighter, macht
die Songs durch seine Soli zu echten Hits.
Fat Mike und Joey zeichnen sich hingegen
durch vollkommen übertriebenes Posen
und gelegentliche Tanzeinlagen während der
Songs aus. Sänger Spikes Stimme ist
live genauso gut wie auf CD und zur Überra-
schung aller, bringt der Swinging Utters
Frontmann auch noch gelegentliche Ansagen
in beinahe akzentfreiem Deutsch.
Sowieso gibt es nach jedem Song ausgiebige
Unterhaltungen, immerwider vom Trom-
melfeuer fliegender Becher begleitet.
Nach ca. 45 Minuten ist das Spektakel zuende.
Aber um eine Zugabe sind die Gimme
Gimmes nicht verlegen und so folgen noch wei-
tere Songs, „I Believe I Can Fly“, „Mandy“
und „Science Fiction Double Feature“, bei
dem sich die Band nochmal so gravierend
verspielt, dass das Lied unterbrochen wer-
den muss. Die kurze Pause nutzt Fat Mike
kurz nochmal für eine politische Ausufer-
ung mit „Nobody loves us, everybody hates
us-America“-Sprechchor bis die Kombo
schließlich nahtlos am Fehler wieder
einsetzt. Der letzte Song ist, wie Paddy gehofft
und vorausgesagt hat, „End Of The Road“.
Ein wirklich gelungener Abschluss eines
grandiosen Konzerts! Zeit für uns
zu fahren...
(traditionelles Shitletter-) Fazit:
Geile Band! Geiles Konzert! 70 Minuten
Punkrock Party! Wärmstens zu empfehlen!
Grilli
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