Stemwede, mitte August 2002: Auf der Waldbühne
des Stemweder
Open Airs macht sich Nachmittags eine
Band startklar, die Wiese
vor der Bühne füllt sich etwas,
von überfüllt kann aber überhaupt kei-
ne Rede sein. Das Publikum vor der Bühne
freut sich auf "die ... But
Alive-Nachfolgeband"; freudige
und gespannte Gesichter wohin man
sieht. Obwohl Kettcar kurz zuvor
ihre selbstproduzierte Debüt-EP
"solang die dicke frau noch singt, ist
die oper nicht zu ende" zum Gra-
tisdownload auf ihre Homepage gestellt
hatten, waren einige der An-
wesenden offensichtlich noch nicht im
Bilde, welche Art von Musik
das Quintett um Marcus Wiebusch jetzt
macht. Mit den ersten Tönen
verzogen sich dementsprechend einige Gesichter:
Es gab weder an-
spruchsvollen und politischen Punkrock
à la ... But Alive, noch hatte
der Sound der Band irgendetwas mit dem
Ska-Punk Marke Rantan-
plan zutun (wo ja Bassist Reimer
Bustorff und Marcus Wiebusch zu-
vor gespielt hatten). Andere Teile des
Publikums feierten die Band von
Anfang an ab, ich verhielt mich recht
neutral: Zwar fand ich die Jungs
soweit ganz nett und der Sound von Kettcar
war mal was Neues, je-
doch hat mich das Ganze nicht wirklich
überwältigt oder umgehauen.
Ich beschäftigte mich lieber damit,
das Bühnenbier der Band zu trin-
ken...
Gut drei Jahre und zwei zwei Alben später
sind die Hamburger aus den
CD-Regalen vieler Musikfreunde mit ganz
unterschiedlichem musikali-
schen Background kaum noch wegzudenken.
Und auch wenn bei mir
zuhause äußerst selten Kettcar
läuft und ich die Entwicklung der Band
kaum mitverfolge, dachte ich mir: "Wenn
die Jungs schonmal im Ring-
lokschuppen
spielen gehtste einfach hin, mal schauen wer noch so da
ist..."
... und es waren erstaunlich viele da.
Ich erwartete rund 700-800 Kon-
zertbesucher, die sich in die kleine Halle
des Ringlokschuppens quet-
schten sollten. Tatsächlich waren
jedoch schon im Vorverkauf ca. 1400
Karten verkauft worden und mit 1800-2000
Konzertbesuchern fand das
Konzert letztendlich natürlich in
der großen Halle statt. Da sieht man
mal, was ich für eine Ahnung hab.
Als Support gab es Grafzahl, von de-
nen ich aber leider nichts mitbekam, weil
ich noch zum Abendbrot ein-
geladen war. Die schon Anwesenden waren
anschließend geteilter Mei-
nung... naja immerhin gibt's hier ein
Foto:
![]() |
| Qualitätsfotos: Jens-Christof Niemeyer / jcniemeyer.de |
Nach Marcus Wiebuschs Ansage "Kettcar
- Hamburg" legten dann pünkt-
lich um 21 Uhr Kettcar los. Unter
dem Banner des bandeigenen Labels
Grand Hotel Van Cleef gab es als
Opener den Titelsong der aktuellen Sin-
gle "Deiche". Ich wunderte mich von der
Empore aus über das Publikum:
Zwar wurde gekreischt was das Zeug hielt,
Bewegung gab es anfangs
allerdings nur begrenzt. Auch der Sound
war beim ersten Song noch
nicht wirklich ideal.
Weiter ging es mit "Tränengas im
High-End-Leben", ebenfalls von aktuel-
lem Album "von spatzen und tauben, dächern
und händen", gefolgt von
der ersten Single-Auskopplung des Albums
"48 Stunden". Ein guter Auf-
takt wie ich finde: erstmal die aktuellen
Singles raushauen.
Mit "Jenseits der Bikinilinie" und den
Hits "Money left to burn", "Balkon ge-
genüber" und "Landungsbrücken
raus" gab es anschließend etwas vom
Debüt-Album "du und wieviel von deinen
freunden". Mir gefiel die Show
der Jungs echt gut und besonders die Jugendgeschichten
von Bassist
Reimer Bustorff trugen zur allgemeinen
Belustigung bei.
Das wirklich gemischte Publikum, von vereinzelten,
alten Punkrockern
über Leute die ich sonst nur bei
Hardcoreshows sehe bis hin zum Disco-
prinzesschen war alles dabei, war mittlerweile
warmgelaufen. Das gran-
diose "Handyfeuerzeug gratis dazu" folgte
und auch auf "Wäre er echt"
von Debüt-EP und vom Debüt-Album
musste niemand verzichten. Der
Gesang von Markus Wiebusch kam
teilweise live noch nuscheliger rüber,
als er auf Platte schon klingt, ansonsten
konnte man sich über den Sound
nicht mehr beschweren.
Mit "Stockhausen, Bill Gates und Ich",
"Anders als gedacht", "Ich danke der
Academy" und "Nacht" wurde das Set beendet.
Doch das Publikum wollte
natürlich mehr...
... als ersten Zugabenblock gab es "Ausgetrunken",
"Die Ausfahrt zum
Haus deiner Eltern" und das überwältigende
"Im Taxi weinen", bei dem in
Bielefeld im BVO-Bus geweint wurde.
Als einzelne Zugaben gab es noch
"Genauer betrachtet", ebenfalls von der
Debüt-EP, und ganz zum Schluss
"Balu".
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| Qualitätsfotos: Jens-Christof Niemeyer / jcniemeyer.de |
Fazit:
Ein wirklich überzeugender Auftritt
und auch wenn die CD's bei mir zuhau-
se wahrscheinlich immer noch nicht oft
laufen werden, so kann ich mir die
Jungs live doch wirklich gut geben. Das
1,5 Stunden Set beinhaltete alle
Hits der noch jungen Bandgeschichte, die
Kommunikation zwischen Band
und Publikum war unterhaltsam und das
Ambiente des Ringlokschuppens
genau richtig für diese Band. Hamburger
Schule? Indie-Rock? Pop? Wie
auch immer man es nennen will, nächstes
Mal bin ich gerne wieder dabei...
BB
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