Interview: Jesse (Epoxies) vom 23.05.04

Am 23.05.04 spielten die Epoxies, als Support von Nofx, im Hydepark in Osnabrück.
Im Vorfeld der Show konnte ich ein Interview mit Keyboarder Jesse führen.

J = Jesse, BB = BastiB
 

BB: Ich weiß nicht wie es in der europäischen New Wave Szene aussieht, aber in der
       europäischen Punkrockszene seit ihr, soweit ich das beurteilen kann, weitestgehend
       unbekannt. Wie sieht es in den Staaten aus? Wieviele Leute kommen zu euren Shows?
       Wieviele CDs verkauft ihr?
J:     In den Staaten läuft es wirklich gut: Wir sind stolz, dass wir von unserem ersten Album
       ungefähr 10 000 Stück verkauft haben! Zu unseren Konzerten kommen in den größeren
       Städten 300 bis 500 Leute.

BB: Ihr seid jetzt das erste Mal in Europa: Wie sind die ersten Shows mit Nofx gelaufen? Ihr
       seid ja nicht gerade die typische Nofx-Vorband...
J:     Das ist absolut richtig! Die Reaktionen waren natürlich unterschiedlich, aber das wußten
       wir vorher. Wir wußten, dass nicht alle Kids die Nofx mögen auch unsere Musik mögen.
       Aber ich glaube, dass es ganz gut gelaufen ist: ich würde sagen, die Reaktionen sind 50:50!
       Es gibt natürlich auch einige Kids, die überhaupt nicht darauf klar kommen, dass da etwas
       komplett anderes auf der Bühne gespielt wird. Die ärgert es dann wirklich, dass wir auf der
       Bühne stehen. Aber ich denke, dass es für uns wirklich gut ist mit Nofx zu spielen: Wenn
       du vor 5000 Leuten spielst und 10 % es mögen, dann reicht das schon!

BB: Was erwartet ihr von eurer eigenen Club-Tour?
J:     Das ist schwer vorherzusagen! Ich glaube, dass es wirklich gut wird. Ich habe gehört, dass
       viele Leute in Deutschland wirklich auf uns gewartet haben. Plattenverkauf und Presse liefen
       hier auch sehr gut, die Leute scheinen von unserer Platte begeistert zu sein. Aber auf der an-
       deren Seite wissen wir es auch nicht, wir haben halt noch nie in Deutschland gespielt.

BB: Wie ist es zu dem Kontakt zwischen euch und Fatwreck gekommen? War es Fat Mike, der
       euch da angesprochen hat oder wie war das?
J:     Ja, Mike kam vor ein paar Jahren zu unserer zweiten Show in San Francisco. Er fand es
       wirklich gut...

BB: Gibt es Leute die euren Deal mit Fatwreck kritisieren? Was sagen die alten Fans?
J:     Das hatte ich auch befürchtet, aber die meisten Leute haben uns wirklich unterstützt. Jeder
       scheint das zu verstehen, z.B. ist Ken von Dirtnap Records, unserem alten Label, wirklich
       glücklich darüber, denn auch sein Label profitiert davon. Unser Europa-Release ist  z.B.
       ein Deal zwischen Fatwreck und Dirtnap, Dirtnap wird für die Rechte fair bezahlt und darum
       sind alle glücklich.

BB: Was können wir von eurem nächsten Album erwarten? Wird es euer Styl bleiben oder
       wird es wegen Fatwreck mehr Punkrockeinflüsse geben?
J:     Nein, es wird unser Stil bleiben! Wir sind auch jetzt schon eine Punkrockband, nur halt keine
       California Punkband, sondern eine New Wave Punkband. Natürlich werden wir uns ein bischen
       weiterentwickeln, aber das ist natürlich. Wir werden aber keine Fatwreck-Bands hören und pro-
       bieren das nachzumachen.

BB: Ihr nehmt an der Punkvoter-Kampagne teil. Was war euer persönlicher Grund daran teil
       zu nehmen?
J:    Also, ich könnte jetzt wirklich lange darüber reden was an der Bush Adminstration alles
      schlecht ist... aber ich glaube, was an Punkvoter wirklich cool ist, ist dass es darum geht junge
      Menschen anzusprechen, die nicht politisch sind. Es ist sehr wichtig Kids zum nachzudenken
      anzuregen. Diese Wahl ist so wichtig, da sollten die Leute nicht da sitzen und nicht wählen. Die
      Epoxies sind keine sehr politische Band, aber ist so wichtig, dass wir einfach versuchen müssen
      etwas zu tun. Ich hoffe, dass sich ein paar Leute die CD (Anm. d. Red.: er meint die "Rock against
      Bush" Compilation) anhören, die DVD anschauen, dann wirklich anfangen nachzudenken und wäh-
      len gehen. Selbst wenn es nur ein paar hundert Kids sind kann das am Ende den Unterschied
      machen.

BB: Hier denken viele Leute, dass die Demokraten auch nicht wirklich besser sind als die Repu-
       blikaner und darum kritisieren einige Punkvoter, weil Punkvoter dazu aufruft die Demokraten
       zu wählen. Was denkst du darüber? Magst du die Demokraten oder denkst du "die sind nur
       weniger schlimm"?
J:     Sie sind nur weniger schlimm! Sie sind auch schlimm! Aber Punkvoter unterstützt keine
       Kandidaten, es ist nur gegen Bush! Es ist nicht für die Demokraten! Wenn durch Punkvoter
       Leute politisch werden und sich dazu entschließen Nader oder die grüne Partei zu wählen,
       dann ist das toll. Es geht nur darum aktiv zu werden und nachzudenken. Ich glaube Leute
       müssen individuell entscheiden was sie wählen, aber im Grunde haben nur die Demokraten eine
       echte Chance gegen Bush. Ich persönlich versuche Personen zu wählen, die auch gewinnen können:
       bei der Präsidentschaftswahl kann vielleicht nur John Kerry gegen Bush gewinnen, aber bei Kom-
       munalwahlen hat man die Chance wirklich coole Leute in ein Amt zu bringen und ich denke das ist
       ein Anfang. Man kann nicht auf einmal einfach die Demokraten gegen die Grünen austauschen, man
       muss von unten anfangen und es dauert eine lange Zeit.

BB: Wie sind in den Staten die Reaktionen auf die Kampagne?
J:     Nun, ich bin nicht in der Position das vernünftig beurteilen zu können, aber ich weiss das
       die Website von einer Millionen Menschen oder so pro Tag besucht, also wirklich viel.
       Die CD hat sich auch wirklich gut verkauft, unfassbar gut! Wir wissen nicht ob die Leute
       deswegen wählen gehen, aber ich glaube und hoffe dass sie es tun werden.

BB: Ich habe mir euer erstes Album angehört: First-Generation Punkrockgitarren, Effekte wie
       in den 80ern und so weiter. Von wem seid ihr beeinflußt worden?
J:     Viele Leute sagen wir sind eine 80er Band, aber das finde ich nicht fair. Wenn du an die
       80er denkst, dann denkst du an so Bands wie A-ha und Culture Club, aber das hat alles
       nichts mit uns zutun. Ich glaube mehr dass wir von den Bands zwischen 1975 und 1981
       beeinflußt sind, z.B. Two Man Army, Blondie, The Cars, usw., da kommen wir her. Wir
       versuchen nur Punksongs zu schreiben, mit den Instrumenten wir haben ist  es ganz natürlich
       was dabei rauskommt.

BB: Kennst du Nena?
J:    Na klar kenne ich die. "99 Luftballons" ist, in der englischen Version, in den Staaten sehr er-
      folgreich gewesen. Aber ich mochte auch die "Stripes": Nenas erste Band, eine deutsche Band,
      wirklich sehr sehr gut.

BB: Wer gründete die Band und wer ist für den Stil verantwortlich?
J:     Für den Stil sind wir natürlich alle verantwortlich, gegründet haben ich und Viz, der Gitarrist,
       die Band.

BB: Ihr nennt euch eine "New Wave Punkband", also gehört ihr zu beiden Szenen?
J:     Ich glaube, dass das beides dasselbe ist! New Wave ist nur eine Marketingname um Punkrock
       in Mittelamerika zu verkaufen. Guck dir die Bands an, die New Wave genannt wurden: The
       Dead Kennedys, The Ramons, Blondie,... das sind alles Punkbands. Auf den Namen kommt es
       nicht an.

BB: Alles klar! Besten dank! Viel Glück heut abend!
J:     Danke! Mach's gut!