Interview: The Busters vom 01.02.03
(Erschienen in den Ausgaben 3/2003 und 4/2003)

Teil 1 (aus Ausgabe 3/2003)

Am 01.02.03 hatte ich im Rahmen des BUSTERS Konzertes in Bielefeld die
Möglichkeit mit: Richie (Voc), Rob (Posaune) und Stefan (Schlagzeug)
zu sprechen!
Ri = Richie
Ro = Rob
St = Stefan
BB = Basti

Teil 1

BB: Zum neuen Live-Album! "The Busters-live", warum habt ihr
       ausgerechnet diesen Titel genommen, der ja doch sehr unkreativ ist,
       halt so standard.
St: Es entspricht eben voll und ganz der Wahrheit...(lacht)...
     und ist ok so!
Ri: Wir wollten einfach nicht so einen Titel wie "live in düsseldorf",
     "live in sonstwo" oder "live in buxtehude". Das Konzert war einfach
      so großartig, dass wir das eigentlich garnicht anders nennen
      konnten.

BB: und bei der Songauswahl? es sind jetzt ja mehr neue lieder, also von
       nach 1995 drauf, als alte.  habt ihr das so gemacht, weil es vorher
       schon  2 Live-Alben gab und die Songs sich möglichst nicht über-
       schneiden sollten?
St: Ja, ich meine es ist ja schon ärgerlich, wenn man jetzt 3-Busters-
     Live-CDs zuhause stehen hat, und überall sind die selben Sachen
     drauf. Klar, nen paar Klassiker kannste einfach nicht weglassen,
     aber die Sachen, die sich seit 1995 nicht mehr viel verändert haben,
     wie z.B. "Mickey Mouse in Moscow", die muss man jetzt dann nicht
     unbedingt nochmal draufnehmen. Und das wir mal geguckt haben, was
     die Band so nach 1995 gemacht hat das war uns auch sehr wichtig!
     Also 15 Jahre sind 15 Jahre und nicht nur 8!
Ro: Es gibt auch Songs, die unterscheiden sich von den Studioversionen.
      Die haben sich live noch entwickelt. Da haben wir dann auch drauf
      geachtet, dass die mit draufkommen.

BB: Wie sieht das mit nem neuen Studioalbum aus?
Ro: Ja, wir setzen uns nach der Tour zusammen. Mal schauen. Ich hab
      teilweise schon angefangen, ideen weiterzuentwickeln und zu
      komponieren. Wenn wir dann ins Studio gehen, bietet sich das nach
      der Tour an, denn wir sind gerade sehr gut eingespielt, und wollen
      das neue Album live im Studio einspielen.
Ri: Das haben wir noch nie geschafft, muss ja auch mal gesagt werden...
St: ...so richtig in alter Jazz-Manier alle zusammen ins Studio!

BB: wie arbeitet ihr überhaupt im Studio? Ich kann mir das mit so vielen
      Leuten garnicht vorstellen, auch beim Songschreiben etc. Ihr seit ja
      keine 3-Mann-Metzel-Kapelle, bei euch steckt da ja mehr dahinter und
      von euch kann mir auch niemand erzählen, dass er sein Instrument
      nicht gelernt hat.
St: Es ist so, dass wir in der Tat alle unsere Instrumente gelernt
     haben. Die meisten sogar nen bißchen über Musikschul niveau hinaus,
     also dass die das studiert haben. nd jeder der Songs schreibt, ist
     in der Lage, dass zuhause auch aufzuschreiben, zu Papier zu bringen,
     wie dann das ganze Arragement aussehen soll oder eben zuhause aufm
     computer nen demo aufzunehmen, dass die anderen wissen, wie das
     klingen soll. Was dann natürlich noch übrig bleibt, ist dass die
     anderen Leute dann auch noch ihren Teil dazu beizutragen haben.
     Nen Bläser weiss natürlich besser wie die Bläser spielen sollten,
     oder nen Sänger wie ne Line gesungen werden muss. Nachdem dieses
     Grundlayout vorgestellt wurde sagt die Band dann halt "ok, und jetzt
     machen wir was draus..."
Ri: oder auch nicht ...(lacht)...

BB: Wie wird das jetzt musikalisch bei euch weitergehen, ihr habt das
       letzte Album, die "360°" als "entspannt" bezeichnet. Wie wird das
       jetzt in Zunkunft laufen?
St: Es schwebt uns vor, das Ganze nen bischen rauher zu machen. Ich hab
     neulich Mal nen Quer gehört durch die ganzen Platten und die aller-
     letzte klingt schon nen vergleichweise Glatt, gegenüber den Vorher-
     igen. Das soll schon nen bischen rauher werden, das heißt aber nicht
     schneller oder aggressiver, sondern dass wir uns mal an Prince
     Buster oder solchen Sachen orientieren. Es wird wahrscheinlich wieder
     was ganz anderes bei rauskommen, aber Ziel ist ja schonmal wichtig.
BB: Was haltet ihr von Dr Woggle and The Radio? Für euch die Aufsteiger
       des Jahres?
Ro: Kommt drauf an, was man jetzt als Aufsteiger des Jahres bezeich-
       net...
Ri: Also ich hab ne ganz gute Freundschaft zu den ganzen Jungs, mit
     Niko usw. Ich find die eigentlich sehr gut, muss ich sagen. Ist
     immer Geschmackssache. Das gute an der Band ist einfach, dass die
     auch nen eigenen Stil haben. Es gibt viele Bands, die einfach so
     einen Einheitsbrei haben und sich wenig unterscheiden von anderen
     Bands und deshalb gehen die dann auch nicht so sehr ab.

BB: Ihr habt im voraus schon erwähnt, dass eure Tour super läuft und
      darum interessiert mich, ob auch international was geplant ist?
      Ihr habt ja schon erfolgreiche USA Touren zu Beginn der 90er
      hinter euch, plannt ihr sowas mal wieder? Oder nen größeres
      Festival, wie das Montreux Jazz Festival 1995?
St: Also angedacht ist in Frankreich was zu machen. Im Anschluss an
     die jetzige Tour werden wir in der Schweiz und in Österreich
     spielen, Italien ist in Plannung. Und seitdem wir jetzt THE ROLLINS
     kennengelernt haben, mit denen haben wir letzte Woche zusammen-
     gespielt, denken wir auch nen bischen über Japan nach.
 

Teil 2 (aus Ausgabe 4/2003)

BB: Ihr habt ja in letzter Zeit relativ häufig große Bands aus dem
    Punkbreich supportet, hat das in irgend einer Form euer Publikum
    verändert, dass die jetzt nur noch auf schnellere Lieder stehen oder
    halt nur noch Kiddies in Ärzte-T-Shirt da stehen?
St: Also erstmal stimmt das schon, dass jetzt viele Kids in Ärzte-Shirt
    dastehen, aber die erwarten jetzt nicht, dass wir nur abtoben die
    ganze Zeit. Die gehen bei den ruhigen Nummern genauso mit. Das ist
    schon gut so! Also mit 16 hat man auch eine sehr romantische Ader
Ri: Das ist auch so bei der Toten Hosen Sache: Mit denen haben wir jetzt
    ja auch bei 2 Auftritten gespielt, die Hosen sind ja auch ne eta-
    blierte Band, und nach 20 Jahren haben die ja auch nen sehr breit
    gefächertes Publikum, dass sich zum Teil schon mit unserem Über-
    schneidet...
Ro: ... das coole ist auch, dass Ärzte-Shirts nach einem Konzert sowieso
    gegen Busters T-Shirts eingetauscht werdeb. Oder die ziehen sich noch
    Krawatten drüber... (lacht)... hübsche mit Busters-Emblem!

BB: Könntet ihr euch auch mal vorstellen, für eine Platte oder ne Tour
    EP mal so ein paar Ska-Punk Nummern zu machen? So Less than Jake
    mässig?
St: Haben wir schon, so "Do ya thang" oder "No Risk no Fun"...
BB: ...naja...
Ri: ... is dir das nicht derb genug?
BB: nicht wirklich!
St: aha
Ro: Aber wir hängen schon an der Melodie! Am schönen ...(lacht)...
    Kein Brachialpunk!
Ri: Die Frage ist auch, ob das dann überhaupt noch glaubwürdig ist, wenn
    man dann auf einmal solche Sachen macht. Ob man dann nicht vermark-
    tet klingt.

BB: Ihr habt euch ja in eurem Kaff gegründet, für ein einziges Festival.
    Mich interessiert mal, wie man es dann schafft, so eine große Band
    auf Dauer zusammen zuhalten und die ganzen Wechsel zu überleben.
St: Wie du schon gesagt hast, kommen wir aus einem Kaff und du nicht aus
    der Großstadt Bielefeld ...(lacht)...
BB: ... ich darf überall zu Kaff sagen...
St: ... Wiesloch hat so um die 20 000 Einwohner, man hat also auf der
    einen Seite diese Nestwärme, klingt vielleicht ein bißchen blöd. Aber
    die Band hat sich eigentlich aus Leuten zusammengesetzt, die sich
    aus so vielen verschiedenen anderen Geschichten wie Schul Big Bands,
    Stadtkapelle Wiesloch, Jazzclub Kapelle und diverse Punkbands kannten
    und so irgendwelche Schnittpunkte miteinander hatten. Also das ist
    schon so ein Stück Heimatgefühl gewesen. Das andere ist, dass wir un-
    heimlich stur sind!

BB: Gerade ist euer neues Album erschienen! Habt ihr schon irgendwie mit-
    bekommen, wie es läuft?
Ro: Wie warme Brötchen! Es ist überwältigend im Moment, was läuft! Ich
    denke, dass wir haben den Blutdurst aller live-willigen Zuhörer ge-
    stillt haben, mit dieser Platte.
Ri: Der Wunsch war ja auch da, nach einer Live-Platte. Und jetzt war
    der Zeitpunkt, zum 15jährigen Jubiläum, auch einfach da, das man die
    Spielfreude irgendwie festhält, weil wir alle auch ne Menge Spass
    hatten bei dem Auftritt. Ich denke die Platte kommt deswegen auch
    wirklich sehr gut an bei den Leuten.

BB: Wenn ihr auf Tour seit, bilden sich dann auch so Grüppchen? Oder
    ist das wie bei ner 3 Mann Band, dass dann alle auch immer
    zusammenhängen?
St: Klar haben wir Gruppen ...(lacht)... das liegt schon daran, dass
    wir zwei Busse haben. Darum sind wir dann auch automatisch zwei
    Gruppen! Aber das verflüchtigt sich in dem Moment, wo wir alle
    den selben Raum betreten. Dann sind wir alle zusammen.
Ro: Außerdem herrscht bei uns das Rotationsprinzip vor. Das heißt: kein
    Tag mit den selben Leuten!

BB: Wollt ihr im Sommer irgendwelche Festivals, wie Bizarre oder Rock
    am Ring spielen? Da sind ja alle immer hinterher!
St: Es ist nicht so, dass wir da jetzt was gegen hätten, aber ich denke
    das ist wohl immer ein bißchen mehr nach Chartplazierungen orien-
    tiert. Wir hoffen natürlich, dass wir jetzt mit der Tour und der CD
    ein bißchen Wirbel gemacht haben und interessant sind für
    Veranstalter, viel können wir da sonst nicht tun.

BB: Zu Beginn: wie hat da die Finanzierung der Band funktioniert?
Ro: War auf jeden Fall nen draufleg geschäft am Anfang! Die ersten
    Konzerte haben in Jugendzentren stattgefunden und dann in klein-
    eren Clubs. Man war dann schonmal drei oder vier Wochen unterwegs
    und es gab am Ende garnichts oder nur ganz wenig, aber darum
    ging's nicht.

BB: Bei euch sind ja schon einige ausgestiegen, weil sie es mit dem
    Beruf nicht mehr geschafft haben! Wie läuft das jetzt? Seit ihr
    alle Berufsmusiker?
Sr: ja.
BB: ja?
Ro: ja!
BB: au, dann brauch ich ja garnicht mehr fragen, was ihr sonst so
    macht ...(alle lachen)...

BB: Wie läuft das bei euch mit dem Proben? Übt ihr getrennt, z.B. nur
    die Bläser?
Ro: Ja, hin und wieder haben wir das schon gemacht, aber die Stücke
    werden zusammen im Proberaum erarbeitet.

BB: Nach euren ganzen Auftritten mit sämtlichen größen aus dem Ska-
    Bereich und eurem Auftritt bei Montreux Jazzfestival, was habt
    ihr noch für Ziele? In die Charts?
Ri: Die Weltherrschaft! ...(lacht)...
St: Nett wäre auch, wenn Prince Buster auf uns zukommen würde um ne
    Tour mit uns zu spielen, fänd ich schon gut, oder Elvis...
Ri: ...der lebt ja noch! oder? ...(lacht)...
Ro: Ich glaub man würd sich nicht weigern, in die Charts zu kommen,
    aber wie das jetzt läuft ist auch sehr positiv. wenn man mal
    die zuschauerzahlen bedenkt. Zu unseren Konzerten kommen mehr
    Leute als zu manchem Chartact. Das ist natürlich Großartig!
    und dann ist auch dieser Druck nicht da. Wir werden mit Sicher-
    heit nicht probieren, mit aller Gewalt in die Charts zu kommen,
    das soll sich dann wenn eher von der Musik entwickeln. Aber wir
    würden da nie im Leben irgendwie Geld investieren um das zu er-
    reichen.
St: Goldene Worte!

BB: Jetzt kommen die gefürchteten Leserfragen! Dennis möchte wissen:
    Angenommen ihr würdet den Echo gewinnen, da gibt es nur eine
    Trophäe, wer würde sie kriegen?
Ro: Da gibt's nur eine?

BB: Also in der Mail stand, dass die maximal 3 rausgeben, also
    immernoch zu wenig!
Ri: Das wird dann wohl nen Wanderpokal... das Jahr hat ja nen paar
    Monate.

BB: Rob, du warst ja auch mit Farin Urlaub auf Tour und hast an
    seinem Soloalbum mitgearbeitet, wie siehts mit einem neuen
    Soloalbum aus? Seid ihr wieder dabei?
Ro: Ich habe Schweigepflicht! Ich kann darüber keine Auskünfte geben,
    aber es wird auf jeden Fall was kommen!
St: Ärztliche Schweigepflicht ...(lacht)...
Ri: Jetzt muss er sich erst wichtig tun! ...(lacht)...

BB: Was haltet ihr von Rantanplan, die ja mit Rodrigo Gonzalez zu-
    sammenarbeiten?
Ri: Die hab ich letztes Mal, das is ganz schön lange her, ge-
    sehen... Die hab ich in Weinheim mal gesehen, bei uns inner
    Nähe.
BB: Cafe Central?
Ri: Genau, im Central. Vor boah... mit sicherheit 6 Jahren! Seit dem
    leider, leider nicht mehr gesehen. Aber ich würde die gern mal
    wieder sehen! Deshalb kann ich leider da nicht viel zusagen.
Ro: Was machen die mit Rod?
BB: Die sind auf RodRec und werden halt von im produziert.
Ro: aha

BB: ok, tobias möchte wissen: Ska-Musik ist ja immer mit der Skin-
    headszene eng verknüpft. Was haltet ihr von der Szene und ihrer
    Entwicklung?
St: Also so richtig bescheid wissen, über die Szene, wie sie funk-
    tioniert, tun wir nicht! Von uns ist keiner aktiv in der Skin-
    headszene. Das ist das eine. Das andere ist, also die Ent-
    wicklung von einer Bewegung, die erstmal mit jamaikanischen
    Einwanderern zusammen Ska getanzt hat, zu einer Bewegung die
    zum Teil mit Leuten zutun hat, die eben diesen jamaikanischen
    Einwanderern am liebstens auf's Augen hauen würden, find ich
    schon ein bißchen komisch. Wichtig ist aber auch, wir versuchen
    das auch immer wieder publik zu machen, das eben Skinheads
    nicht gleich Nazis sind. Auf unseren Konzerten, gibt's ja auch
    Leute, die ich jetzt als Skinheads bezeichnen würde und wenn
    wir dann unser Statement gegen Rassismus abgeben und die dann
    klatschen, bin ich damit natürlich einverstanden!

BB: Wie sieht eure Meinung zum Irak Krieg aus?
St: Also krieg will glaub ich niemand. aber die frage ist: der
    gemeine Bundesbürger oder Weltbürger weiss ja eigentlich nicht
    wirklich alle Hintergründe. Ist ja auch immer schwer zu sagen
    und sich ne Meinung zu bilden. Ich glaube nachdem, was wir
    jetzt wissen, wäre es uns allen am liebsten, wenn es da jetzt
    nicht sofort richtig rumpeln würde.

BB: Danke das war's!
Ro: Bitte!
Ri: Viel Spass gleich beim Konzert!
St: Tschüss!
 

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