Interview: Ryan Thomas (Sommerset)

Im Rahmen der dritten Sommerset-Europa-Tour hatte ich die Gelegenheit ein In-
terview mit Ryan Thomas zu führen. Das Interview mit dem Sänger und Gitarristen
fand am 02.09.04 im Bauteil 5 in Gütersloh statt.

RT = Ryan Thomas
BB = BastiB

 

BB: Ihr habt schon zu eurem letzten Album "Fast Cars, slow Gitars" gute Kritiken
       bekommen, aber bei "Say what you want" drehen alle am Rad. Warum ist das
       neue Album noch besser?
RT: Ich glaube das neue Album ist fokusierter! An "Fast Cars" haben wir drei Jahre
      geschrieben, bei diesem Album haben wir nur ein Jahr für das Song-Writing ge-
      braucht: Wir haben also mehr Songs in kürzerer Zeit geschrieben. Wir haben ei-
      nen Sound für das ganze Album kreiert. "Fast Cars" ist eine Sammlung von
      wirklich guten Songs: kurze Hardcore-Songs. Bei diesem Album ist das anders:
      Es ist konsistent, die Songs gehören zusammen.

BB: Wer schreibt bei euch die Songs? Wer hat die Ideen?
RT: Meistens bin ich das, aber zur neuen Scheibe hat Milon, der zweite Gitarrist, au-
       ch drei Songs beigesteuert. Meistens ist es so, dass ich eine Basis-Idee habe
       und Milon noch etwas beisteuert. Jay, unser alter Drummer, der auch die Platte
       mit eingespielt hat, ist sehr kritisch, er hat immer gesagt "Das ist scheiße und
       das ist auch noch scheiße...". Das war manchmal recht hart, aber er hat uns da-
       zugebracht eine wirklich gute Platte zu schreiben.

BB: Ich glaube, es gibt nicht viel Bands deren Roadie die Backing-Vocals singt.
       Wie ist es bei euch dazu gekommen?
RT: Ja, das ist lustig! Wenn du auf Tour bist, dann geht das ganz schön auf die Stim-
      me. Irgendwann sagte Scottie dann "Ok, ich mache die Backing-Vocals" und wir
      meinten "Gute Idee, helf uns!". Es ist ungewöhnlich, einige Bands haben uns des-
      wegen auch ausgelacht, aber die meisten fanden es gut. Ich finde es cool, er ist
      ein guter Sänger. Scottie ist übrigens erst seit vier oder fünf Wochen dabei, also
      brandneu.

BB: Die erste Single heißt "Inside", warum habt ihr gerade diesen Song gewählt?
RT: Der Song ist ein bißchen anders...
BB: ... genau darum Frage ich...
RT: ... naja, das war so: Als wir uns entschlossen "Inside" aufzunehmen, bekamen wir
      etwas Geld um eine Single aufzunehmen. Wir wussten, dass es noch mindestens
      sechs Monate bis zum Album Release dauern würde und "Inside" war zu diesem
      Zeitpunkt einfach schon am weitesten. Für uns stand fest, dass "Say what you
      want" die Hauptsingle in Neuseeland werden sollte, also passend zum Album-Re-
      lease escheinen sollte. Also dachten wir, dass es gut wäre mit etwas frischem,
      was auch ein bißchen anders klingt, zu starten. Der Song ist sehr catchy und tanz-
      bar. Wir haben ihn auf der letzten Tour schon gespielt und die Leute mochten ihn,
      ein guter Live-Song. Da der Song sehr rough und energetisch ist, war es viel Ar-
      beit den Song so hinzukriegen, dass er nicht nur live, sondern auch auf Platte gut
      klingt.

BB: Es wird also auch eine zweite Single geben. Wie sieht es mit einer DVD aus?
RT: Ja, als zweite Single wird es den ersten Track der neuen Platten geben: "Say what
       you want". Zu der Single wird es auch ein Video geben, das in Neuseeland übri-
       gens sehr beliebt ist! DVD? Ich würde gerne eine DVD machen, auch von der Eu-
       ropa-Tour, aber Zeit und Geld sind da die Probleme.

BB: Euer Song "Faded". Erzähl doch mal was zur Message des Songs...
RT: ... ich denke Kultur wird weltweit zu einem Einheitsbrei. Es gibt Leute die das gut
       finden, aber ich finde es cool, dass jedes Land seine eigene Kultur hat. Man be-
       merkt die Amerikanisierung nicht von einem Tag zum nächsten Tag, aber wenn man
       ein bißchen weiter zurückschaut, sieht man, was von der eigenen Kultur schon ver-
       schwunden ist.  In kleinen Ländern wie Neuseeland sieht man das vielleicht noch
       stärker als in großen Ländern. Meine Vorfahren sind Walisisch und ich hab mich mit
       der Geschichte von Wals beschäftigt. Ich denke, was früher die Engländer waren,
       sind heute vielleicht die Amerikaner...

BB: Ich habe in eurem Release-Info gelesen, dass ihr die erfolgreichste und vielleicht auch
       die einzige neuseeländische Band aus dem Bereich Hardcore/Punk seid. Wie viele
       Leute kommen da zu eurem Shows, wieviele Platten verkauft ihr?
RT: In Neuseeland kann man das schwer vorher sagen: mal kommen 350, mal 550.Wir ha-
      ben einige große Shows gespielt, z.B. als Support von Nofx und Sum 41, dann kamen
      2000-3000 Leute. In Australien klappt das besser, da kommen immer 300-400 Leute.
      Wie viele Platten wir verkauft haben kann ich nicht sagen: von den ganzen DIY-Releas-
      es wissen wir das nicht, es geht aber in die Tausende... wenn du in Neuseeland ein
      paar Hundert verkaufst ist das schon super. Neuseeland ist so klein, soweit ich weiss,
      hat da noch niemand mehr als 90 000 Platten verkauft.

BB: Was kannst du uns über die Szene in Neuseeland erzählen. Was ist anders.?
RT: Natürlich ist da nicht viel anders. Wirklich nicht viel. Das mag ich auch so an Punkrock
      und Hardcore. Es ist eher so, dass innerhalb Neuseelands Unterschiede da sind, so
      unterscheidet sich die Szene in Auckland z.B. von der im Rest von Neuseeland...
BB: ... so wie in Deutschland Berlin...
RT: ... genau die berliner Szene vielleicht gegen die kölner Szene usw, ich mag die Szene
       in Neuseeland aber.

BB: Du hast es vorher schon angesprochen: In Neuseeland wart ihr mit Bands wie Nofx,
      The Living End, etc. auf Tour. Welche Band war am nettesten? Gibt's interessante Ge-
      schichten aus dem Backstage?
RT: Nein, interessant ist das bestimmt nicht (lacht). Am nettestens fand ich Less than Jake
      und Strung Out!
BB: Gibt's noch irgendeine Band, die ihr mal gerne Supporten wollt?
RT: Ich wollte schon immer mal mit Hot Water Music spielen, aber die kamen jahrelang
      nicht nach Neuseeland. Und als sie kamen waren wir in Europa. So ist das Leben!
      Wenn man zurück schaut: Ich hätte gerne mit den Maniac Street Preachers gespielt, als
      die gerade ihr erstes Album rausgebracht haben. Die waren so cool, aber jetzt sind sie
      auch nur noch eine alte Business-Rockband.

BB: Das ist eure dritte Deutschlandtour. Wie läuft's?
RT: Gut, aber es gibt einige Unterschiede zu den ersten Touren: Wir haben erstmals ein
      paar Festivals in Deutschland gespielt und wir sind zum ersten Mal im Sommer hier. Mir
      macht diese Tour bis jetzt am meisten Spass, weil die Leute uns und unsere Songs ken-
      nen.

BB: Was macht ihr, wenn ihr zurück in Neuseeland seid?
RT: Wir haben in Neuseeland bisher erst ein paar Album-Release-Shows gespielt, dann
      sind wir nach Europa gereist. Darum werden wir dort nochmehr Shows spielen, um die
      neue Platte zu promoten. Dann gehen wir das Album in Australien vorstellen, wir sind au-
      ch blöd: Da haben wir das erste Mal in Australien richtig Erfolg und wir hauen ab nach
      Europa. Aber der Zeitplan passt mir ganz gut: Wenn wir wieder zu Hause ankommen ist
      dort Sommer und wir können die großen Festivals mitnehmen.

BB: Ok! Danke und weiterhin viel Glück!
RT: Alles klar. Bis dann.