Interview: Paddy Kroetz vom 30.09.05

Einige von euch dürften Paddy Kroetz aus dem TV kennen und
zwar als Moderator von Toggo TV auf Super RTL. Das in
dem Moderator einer Kindersendung auch ein Punkrocker stek-
kt dürften einige von euch noch nicht wissen, doch Paddy hat
in den letzten beiden Jahren die No Fun At All Reunion Shows
in Köln organisiert... Grund genug für den Shitletter mit dem Mo-
derator zu sprechen.

PK = Paddy Kroetz; BB = BastiB

BB: Erstmal zu dir: Wie bist du zu Toggo TV / Super RTL gekom-
       men? Was gefällt dir besonders an dem Job bzw. was nicht?
PK: Ich habe als 15jähriger nach einem 14tägigen Schulpraktikum
       1994 bei MME in Hamburg angefangen mit Freunden Sketche
        und Promi-Interviews zu drehen - daraus hab ich alle 2 Mona-
        te eine neue Show mit dem Namen "extrem.shitzophren" ge-
        bastelt und an alle möglichen Sender geschickt. Erschwerend
        hinzu kam,  dass ich seit meiner Kindheit eigentlich stottere,
        was aber vor der Kamera deutlich weniger als beim "normalen"
        Sprechen ist... trotzdem hab ich's dann geschafft 1997 zu Nicke-
        lodeon zu kommen. Da hab ich dann auch meine Ausbildung
        als Redakteur absolviert und meine Reportagen "Paddy auf Ach-
        se" selbst produziert (d.h. recherchiert, gedreht, geschnitten, ver-
        tont). Seit 1999 bin ich bei Super RTL. Mir gefällt die familiäre At-
        mosphäre, natürlich regt man sich auch ständig über irgendetwas
        auf, aber unterm Strich ist alles super. Gut ist z.B. auch, dass
        man auf der Strasse als Kindermoderator nicht so polarisiert wie
        z.B. ein Daniel Küblböck, d.h. die Reaktionen - gerade von Älteren
        - sind fast immer positiv.

BB:  Wie und wann bist du zu Punkrock gekommen? Welche Bands
        hörst du so?
PK:  Punkrock höre ich seit Ende 1993. Mein erster Lieblingssong war
        "She's gone" von Nofx (auf dem "White trash..."-Album). Beim A&M
        Mailorder hab ich mir dann ein Jahr später eine Millencolin-CD be-
        stellt, weil in der Beschreibung stand "Nofx leben jetzt in Schweden
        und tarnen sich mit dem Namen Millencolin"... es folgten schon
        bald No Fun At All, Randy, The Mighty Mighty Bosstones und viele
        andere - der Rest ist Geschichte.

BB:  Wie bist du konkret zu NFAA gekommen? Was verbindet dich mit
        der Band?
PK:  Ich höre NFAA seit 1996 und das sehr intensiv - die meiste Zeit im
        Auto. Sie waren dort einfach immer bei mir: Wenn ich schlecht drauf
        war, wenn ich gut drauf war - so erreicht man mit einer Band eine
        fast intime Atmosphäre, obwohl man sie noch nie getroffen hat.

BB:  Du hast bereits am 10.10.04 die erste NFAA Reunionshow im Köl-
        ner Underground veranstaltet. Wie bist du auf die Idee gekommen?
        Wie leicht kamst du an die Jungs ran bzw. wie leicht waren sie zu
        ködern? Was ist dein Fazit der Show?
PK:  Das war schon eine verrückte Geschichte: Ich kam irgendwann im
        Juni mal spät nach Hause und bin dann noch etwas im Netz gesurft.
        Im Hintergrund lief mein Winamp mit irgendwelchen MP3s. NFAA wa-
        ren natürlich dabei und während "Waste of time" lief kam ich auf die
        Idee, mal zu schauen, ob es irgendwas neues gab: Ich hab ein biss-
        chen gegoogelt und stieß auf etwas unglaubliches: Da hatten die Jungs
        doch tatsächlich im April eine Fun-Reunionshow in Schweden gespielt.
        Einfach so. Ich bin fast ausgerastet & sofort zu meinem Nachbarn
        (bzw. fast-WG-Mitbewohner) Joni rüber & meinte "Ich hole NFAA ins
        Underground". Er meinte nur: "Jaja, leg Dich mal lieber hin...". Am näch-
        sten Tag hab ich an alle möglichen eMail-Adressen geschrieben (mei-
        stens irgendwelche von Burning Heart). Leider ohne Erfolg. Irgendwie
        bin ich dann aber auf einer alten NFAA-Fanpage auf die richtige ge-
        stoßen und da kam dann innerhalb von einem Tag eine Antwort. Am
        9.7. kam dann die Zusage... Wahnsinn! Die Show war einfach einzig-
        artig - fast jeder der da war sagte, dass es das beste Konzert seines
        Lebens (!) war. Ich kann das nur bestätigen... es war von Anfang an
        klar, dass die Live-Music-Hall-Show da niemals drankommen kann.

BB:  Wann hast du dich entschieden die zweite Reunionshow am 18.09.05
        zu veranstalten, wann haben NFAA zugesagt? Stand von Anfang an
        fest in die riesige Live Music Hall zu gehen und die Ticketpreise anzu-
        heben oder hast du dich zu diesem Schritt nur wegen höherer Forder-
        ungen von NFAA entschieden?
PK:  Die Sache war die: Nach der UG-Show im Oktober 04 haben mich vie-
        le Fans angeschrieben, die damals keine Karten mehr bekommen hat-
        ten. Nachdem dann die Show in Belgien fest war, dachte ich: Ok, dann
        mach ich auch noch eine. Leider hab ich mich total verkalkuliert & kräf-
        tig draufgezahlt. Das ist eben das Los, wenn man sowas als Fan
        macht. Man nimmt sich einfach nicht die Zeit, um alles in Ruhe durch-
        zukalkulieren, sondern will einfach, dass alles möglichst schnell unter
        Dach und Fach ist. Zum Glück nage ich nicht am Hungertuch, aber
        nochmal würde ich das nicht machen...! LMH stand von Anfang an
        fest, weil ich zu den UG/LMH-Leuten einen sehr guten Draht habe.

BB:  Wie ist für dich der Abend gelaufen?
PK:  Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist für mich - leider - ziemlich be-
        schissen gelaufen. Ich habe mir 6 Monate den Arsch aufgerissen und
        füllte mich an diesem Abend bis zur Besinnungslosigkeit ab - so dass ich
        einen Filmriss hatte und lallend auf der Bühne herumstolperte. Einerseits
        war es sicherlich geplant abzufeiern, aber nicht so. Ich wollte z.B. auch
        auf keinen Fall auf der Bühne auftauchen und auch keine Ansage wie da-
        mals im UG machen, aber es kam dann leider doch dazu. Ich war am
        nächsten Tag schon ziemlich enttäuscht und sauer auf mich selbst, weil
        ich mir das alles anders vorgestellt hatte. Das Konzert war allerdings gut
        bis auf die Tatsache, dass die Securities teilweise total überfordert und
        arschig waren. Ich konnte teilweise Sachen verhindern, aber leider nicht
        überall sein. Der Chef der Securities war total in Ordnung und er hat dann
        auch später meine Anweisungen weitergegeben, was dann für Stress
        unter ihnen gesorgt hat. Das Ding ist einfach: Kein Security-Typ hat Bock
        sich irgendwas sagen zu lassen. Jeder glaubt, er ist Gott. Solche Typen
        kotzen mich einfach nur an. Ich hatte in einem Früh-Stadium mal auf mei-
        ner Liste stehen, vor dem Gig ein Treffen mit allen Secs zu machen, was
        dann aber wegen meiner "Feierlaune" ins Wasser gefallen ist.

BB:  Wie kommt ein Super RTL Moderator auf die Idee eine Vorband wie die
        Kassierer zu buchen? Keine Angst um dein Image?
PK:  Jaja, die Kassierer: Niko, der Gitarist, ist ein Freund von mir und ihr wärt
        überrascht, wenn ihr ihn kennen würdet: Niko ist fast spießig! Alles, was
        die Kassierer auf der Bühne abziehen ist nicht echt (Stichwort: Fist-Num-
        mer). Provokation ist der Auftrag und das geht auch ganz gut auf. Ich per-
        sönlich sehe die Kassierer mit der nötigen Portion Humor und fahre damit
        auch echt gut. Bassist Mitch z.B. gibt im richtigen Leben Managersemina-
        re (von wegen "alles Assis").

BB:  Zufällig ist ja am 18.09.05 auch Wahl und Wolfgang Wendland tritt als
        Kanzlerkanidat für die APPD an. Hast du unter diesem Umständen über-
        legt die Kassierer wieder auszuladen, um nicht in Verbindung mit der Par-
        tei gebracht zu werden? Engagierst du dich politisch? Hält dich dein öffent-
        licher Job in irgendeiner Weise davon ab, dich politisch zu äußern bzw. zu
        engagieren? Wer wird Kanzler/in werden?*
PK:  Das Konzertdatum stand bereits seit März diesen Jahres. Das Konzert
        war also nie als politische Sache gedacht. Die Kassierer haben sich mit
       APPD-Parolen auf der Bühne ja auch ziemlich zurückgehalten. Ich denke
        nicht, dass man nach dem Abend denkt, ich hätte irgendwas mit der
       APPD zu tun. Mein Job hindert mich nicht daran, mich auch politisch zu
        äußern. Ein echtes engagieren müsste jedoch ziemlich genau abgesproch-
        en werden, da man den Einfluß von Kindermoderatoren auf Kinder nicht
        unterschätzen darf. Man muss damit sehr sorgfältig umgehen. Politik ist
        zu kompliziert, um hier mal schnell ein kurzes Statement abgeben zu kön-
        nen, nur soviel: Ich wünsche mir, dass Deutschland rot bleibt - 16 Jahre
        Kohl/CDU-Ära reichen (immernoch!).

BB:  Könntest du dir vorstellen regelmässig Konzerte zu veranstalten?
PK:  Nein, NFAA waren ein Herzensding und das Blue Shell-Konzert mit
        einer der Supportbands 3 Feet Smaller (3feetsmaller.com) war eine Aus-
        nahme... dennoch eine gute Erfahrung.

BB: Das war's auch schon.
PK: Danke für die interessanten Fragen.
BB: Danke für die ehrlichen Antworten.
 

* an dieser Stelle ist vielleicht interessant, dass ich Paddy die Fragen schon
  vor dem 18.09. (Wahltag und Konzertabend) geschickt habe.

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