Interview: Muff Potter vom 19.08.05

Passend zum neuen Album führt ich eine Mailinterview mit den Kollegen
Shredder von Muff Potter.
BB = BastiB; MP = Muff Potter (Shredder)

BB:  Das neue Album „von wegen“ erscheint am 04.10.05, vorab gibt es eine
        7“ EP: Wie klingt Muff Potter 2005? Was kann man von dem neuen Ma-
        terial erwarten? Wieviele Songs habt ihr für die Platte geschrieben? Wer
        wird enttäuscht sein, wen wird die Platte eurer Meinung nach begeistern?
        Was war euch bei dieser Platte besonders wichtig? Geht die Platte den
        Weg konsequent weiter der mit „bordsteinkantengeschichten“ eingeschla-
        gen und mit „heute wird gewonnen, bitte.“ fortgeführt wurde oder steht ein
        Richtungswechsel an?
MP:  Wenn man neue Songs für ein neues Album schreibt, macht man sich
        ja im Vorfeld eher wenig Gedanken darüber, welche Richtung man damit
        einschlägt, oder wem und wem nicht welche Songs gefallen könnten.
        Wenn man darauf achten würde, würde man sich selber einschränken,
        und könnte nicht kreativ sein. In dem Fall wäre ich der Meinung, dass man
        sich besser auflösen sollte. Aber da das bei uns zum Glück noch nicht der
        fall ist, schreibt man halt die Songs, die gerade entstehen ohne auf irgend-
        einen Style zu achten.
        Trotzdem glaube ich einschätzen zu können, dass einige Leute eher über-
        rascht reagieren werden, oder ihnen vielleicht sogar ein Stein vom Herzen
        fällt. Das letzte Album „heute wird gewonnen, bitte“ war ja eher etwas vor-
        sichtiger und poppiger. Wir hatten viele Streicher und anderen Kram be-
        nutzt. So was wollten wir halt einmal gemacht haben, und das haben wir
        gemacht.
        Dieses Album sind wir von Anfang an anders angegangen und so klingt es
        auch. Erst mal haben wir die Songs viel schneller und unverkopfter ge-
        schrieben als bei der „heute wird gewonnen, bitte.“ Dann haben wir nicht
        wie bei der letzten platte „live“ aufgenommen, sondern alle einzeln einge-
        spielt. Was einem schon mal viel mehr Freiheiten zum probieren und auch
        konzentrieren auf jedes einzelne Instrument lässt. Das alleine klingt schon
        mal ganz anders. Dann war uns wichtig, einen guten, fetten, aber auch ech-
        ten Sound hinzubekommen, was wir nach teilweise wirklich längerem aus-
        probieren der einzelnen Instrumentensounds und Mixmöglichkeiten auch
        gut hinbekommen haben. Ich finde das Album klingt sehr „frisch“ und „erdig“.
        Wir haben insgesamt 17 Songs aufgenommen, von denen jetzt 12 aufs Al-
        bum kommen. Wenn du es so wissen willst, sind natürlich auch eher pop-
        pigere Songs vorhanden, genauso wie Songs die derbe Arsch treten, was
        man von uns in der art und weise vielleicht eher nicht kennt. Aber so was
        kann man selber halt immer sehr schwer beurteilen.
        Meiner Meinung nach macht man auch einen konsequenten weg einer band
        nicht daran fest, ob sie ihren style der vorgängerplatten weiterführt, sondern
        ob ein neues Album neue Ideen enthält und den Hörer überrascht. z.B. weiß
        ich allmählich wie Bad Religion klingen, so dass ich weniger gespannt auf
        ein neues Album wäre. (womit ich Bad Religion mit Sicherheit nicht schlecht
        machen will!)

BB:  Die CD Version des Albums erscheint in Kooperation mit Universal. Wie
        sieht diese Kooperation aus? Wie ist sie zustande gekommen? Gab es auch
        schon Reaktionen auf diese Kooperaton oder bisher nur Glückwünsche?
        Was erwartet Universal von euch bzw. dem Album? Was erwartet ihr? Könnt
        ihr endlich eure Jobs hinschmeissen und von der Musik leben?
MP:  Es war so, dass unter anderem Universal reges Interesse an unserem fer-
        tigem Album zeigten. Wir haben uns also zusammengesetzt und uns gegen-
        seitig unsere Vorstellungen von einer guten und sinnvollen Zusammenarbeit
        klargemacht. Es gab im Vorfeld einige Punkte die bei uns für eine Zusammen-
        arbeit mit einem größeren Label hohen Stellenwert hatten. und danach haben
        wir das Beste für uns ausgesucht, womit wir im Endeffekt auch alle sehr gut
        zufrieden sind. Die meisten Reaktionen darauf waren bis jetzt positiv. klar
        gab es auch Leute,  die „...eeh, ihr seid nicht mehr meine Lieblingsband, weil
        ihr jetzt beim Major seid...!“ reagiert haben, aber die gibt es ja immer bei jeder
        Veränderung. Das ist normal und auch egal.
        Was Jobs angeht muss natürlich jeder von uns immer noch zusehen, dass
        er seine Miete zusammenkriegt.

BB:  Zum Leidwesen einiger langjähriger Fans spielt ihr live eigentlich nur noch
        Songs von den beiden letzten Alben. Warum lasst ihr die alten Sachen außen
        vor? Steht ihr nicht mehr zu den alten Songs? Was haltet ihr im nachhinein
        von eurem alten Material.
MP:  Es macht uns oft einfach mehr Spaß die neueren Sachen zu spielen. was
        keineswegs heißt, dass man nicht mehr zu den alten Sachen steht. Ok, man-
        che Texte und Lieder gefallen einem halt nicht mehr so gut wie früher mal,
        aber wie gesagt. zum glück entwickelt man sich weiter und hat neue Ideen.
        Allerdings überlegen wir doch ab und zu z.B. für unsere Tour, die im Oktober
        startet, vielleicht mal wieder was geiles, altes mit ins Programm zu nehmen.

BB:  Wir haben Ende 2002 schonmal ein Interview geführt, da lebten drei von euch
        in Münster, Brami in Köln. Lebt ihr immer noch soweit von einander entfernt?
        Wenn ja: Wie kommt eine Band auf eurem Niveau mit dieser Trennung zurecht?
        Steht diese Trennung vielleicht einem größeren Erfolg im Weg?
MP:  Brami ist dann wahrscheinlich kurz nach dem Interview mit dir, aus Köln weg-
        gezogen, so dass wir jetzt schon länger alle hier in Münster vereint sind, und
        im Grunde jeden Tag proben könnten, was wir zeitweise, z.B. für die letzte Plat-
        te, sogar getan haben. Das macht alles natürlich schon viel einfacher. is auch
        geiler, wenn man sich mal eben aufn Bierchen treffen kann, ohne gleich ne hal-
        be Weltreise antreten zu müssen.

BB:  Wie steht es eurer Meinung nach um die deutsche Musikszene? Welche Bands
        sollte man sich unbedingt anhören? Was kotzt euch an?
MP:  Es gibt viele gute deutsche Bands. z.B. finde ich unter anderen Blackmail sehr
        geil! Gute deutsche Bands, die auch gute deutsche Texte haben, gibt es mei-
        ner Meinung nach im Moment eher wenige. Aber es ist ja auch total egal mit wel-
        cher Sprache man sich in seiner Musik ausdrückt. Es nerven auf jeden fall ex-
        trem solche „schwarz-rot-gold-wir-sind-wieder-wer-hampelmänner“ wie z.B.
        Fler, welche stolz darauf sind, deutscher Herkunft zu sein und das auch so ver-
        mitteln. Dabei geht es ja auch nicht um Deutschland. Jegliche art von national-
        stolz ist total über. Egal in welcher Sprache. Das braucht kein Mensch!

BB:  Wenn man auf deutsche Bands wie die Beatsteaks, Wizo oder auch die Terror-
        gruppe schaut, oder auf internationale Acts wie The Hives oder The Living End,
        dann sieht man immer wieder dass gerade die Erstgenannten massiv von Grö-
        ßen wie den Toten Hosen oder den Ärzten unterstützt wurden um hier richtig
        Fuss zu fassen. Erwartet ihr auch Unterstützung von anderen Bands? Versucht
        ihr Supporttouren für große Bands zu ergattern? Stehen vielleicht sogar schon
        spezielle Supportshows fest?
MP:  Supportsachen zu „ergattern“ würde ich nicht sagen. Wenn ein gutes Angebot
        von einer Band die wir mögen kommt, freut man sich natürlich. Als uns z.B. Die
        Die Ärzte oder die Toten Hosen oder auch Terrorgruppe einluden mit ihnen zu
        spielen, sprach für uns absolut nichts dagegen. Was anderes auszuprobieren
        ist ja immer reizvoll. Und wann hat man schon mal die Chance vor 16.000 Leu-
        ten zu spielen? Das sind Erfahrungen, die wir gerne sammeln.
        Wenn man solche Sachen nicht übertreibt, so dass man nur noch als „Vorband“
        wahrgenommen wird, ist das auch in Ordnung. Andererseits hat man auch schon
        Sachen abgelehnt, weil man der Meinung war, dass es nicht wirklich zusammen-
        gepasst hätte. Also bestimmt nicht alles um jeden Preis mitnehmen. Gute, größ-
        ere Bands zu supporten wird in Zukunft sicherlich auch passieren. Etwas festes
        gibt es aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu berichten.

BB:  Wie ausgiebig werdet ihr nach dem Release des Albums touren? Welche Größen-
        ordnung oder Art von Clubs wollt ihr spielen? Gibt's euch noch im Selbstverwalte-
        ten Jugendzentrum oder nur noch in rein professionellen Clubs?
MP:  Die Clubs der Tour die im Oktober losgeht, werden ungefähr die Größenordnung
        haben, wie bei der Tour zur letzten Platte. wir werden erst mal zwischen 2 und 3
        Wochen unterwegs sein und in so ziemlich jede Ecke kommen. Und nach diesem
        „immernur2tagewochenendfestivalsommer“ freuen wir uns tierisch darauf, endlich
        wieder richtig auf Clubtour zu gehen. Natürlich gibt es uns auch noch im selbstver-
        waltetem Jugendzentrum. Das schließt ja nicht aus, dass es trotzdem ein fähiger
        und „professioneller“ Veranstalter ist. Wens interessiert, der kann wie immer alles
        zu Konzerten und anderen Kram unter www.muffpotter.net nachlesen.

BB:   Besten Dank. Viel Glück mit der Platte.