Passend zum neuen Album führt ich
eine Mailinterview mit den Kollegen
Shredder von Muff Potter.
BB = BastiB; MP = Muff Potter (Shredder)
BB: Das neue Album „von wegen“ erscheint
am 04.10.05, vorab gibt es eine
7“ EP: Wie klingt Muff Potter 2005? Was kann man von dem neuen Ma-
terial erwarten? Wieviele Songs habt ihr für die Platte geschrieben?
Wer
wird enttäuscht sein, wen wird die Platte eurer Meinung nach begeistern?
Was war euch bei dieser Platte besonders wichtig? Geht die Platte den
Weg konsequent weiter der mit „bordsteinkantengeschichten“ eingeschla-
gen und mit „heute wird gewonnen, bitte.“ fortgeführt wurde oder steht
ein
Richtungswechsel an?
MP: Wenn man neue Songs für
ein neues Album schreibt, macht man sich
ja im Vorfeld eher wenig Gedanken darüber, welche Richtung man damit
einschlägt, oder wem und wem nicht welche Songs gefallen könnten.
Wenn man darauf achten würde, würde man sich selber einschränken,
und könnte nicht kreativ sein. In dem Fall wäre ich der Meinung,
dass man
sich besser auflösen sollte. Aber da das bei uns zum Glück noch
nicht der
fall ist, schreibt man halt die Songs, die gerade entstehen ohne auf irgend-
einen Style zu achten.
Trotzdem glaube ich einschätzen zu können, dass einige Leute
eher über-
rascht reagieren werden, oder ihnen vielleicht sogar ein Stein vom Herzen
fällt. Das letzte Album „heute wird gewonnen, bitte“ war ja eher etwas
vor-
sichtiger und poppiger. Wir hatten viele Streicher und anderen Kram be-
nutzt. So was wollten wir halt einmal gemacht haben, und das haben wir
gemacht.
Dieses Album sind wir von Anfang an anders angegangen und so klingt es
auch. Erst mal haben wir die Songs viel schneller und unverkopfter ge-
schrieben als bei der „heute wird gewonnen, bitte.“ Dann haben wir nicht
wie bei der letzten platte „live“ aufgenommen, sondern alle einzeln einge-
spielt. Was einem schon mal viel mehr Freiheiten zum probieren und auch
konzentrieren auf jedes einzelne Instrument lässt. Das alleine klingt
schon
mal ganz anders. Dann war uns wichtig, einen guten, fetten, aber auch ech-
ten Sound hinzubekommen, was wir nach teilweise wirklich längerem
aus-
probieren der einzelnen Instrumentensounds und Mixmöglichkeiten auch
gut hinbekommen haben. Ich finde das Album klingt sehr „frisch“ und „erdig“.
Wir haben insgesamt 17 Songs aufgenommen, von denen jetzt 12 aufs Al-
bum kommen. Wenn du es so wissen willst, sind natürlich auch eher
pop-
pigere Songs vorhanden, genauso wie Songs die derbe Arsch treten, was
man von uns in der art und weise vielleicht eher nicht kennt. Aber so was
kann man selber halt immer sehr schwer beurteilen.
Meiner Meinung nach macht man auch einen konsequenten weg einer band
nicht daran fest, ob sie ihren style der vorgängerplatten weiterführt,
sondern
ob ein neues Album neue Ideen enthält und den Hörer überrascht.
z.B. weiß
ich allmählich wie Bad Religion klingen, so dass ich weniger
gespannt auf
ein neues Album wäre. (womit ich Bad Religion mit Sicherheit
nicht schlecht
machen will!)
BB: Die CD Version des Albums erscheint
in Kooperation mit Universal. Wie
sieht diese Kooperation aus? Wie ist sie zustande gekommen? Gab es auch
schon Reaktionen auf diese Kooperaton oder bisher nur Glückwünsche?
Was erwartet Universal von euch bzw. dem Album? Was erwartet ihr? Könnt
ihr endlich eure Jobs hinschmeissen und von der Musik leben?
MP: Es war so, dass unter anderem
Universal reges Interesse an unserem fer-
tigem Album zeigten. Wir haben uns also zusammengesetzt und uns gegen-
seitig unsere Vorstellungen von einer guten und sinnvollen Zusammenarbeit
klargemacht. Es gab im Vorfeld einige Punkte die bei uns für eine
Zusammen-
arbeit mit einem größeren Label hohen Stellenwert hatten. und
danach haben
wir das Beste für uns ausgesucht, womit wir im Endeffekt auch alle
sehr gut
zufrieden sind. Die meisten Reaktionen darauf waren bis jetzt positiv.
klar
gab es auch Leute, die „...eeh, ihr seid nicht mehr meine Lieblingsband,
weil
ihr jetzt beim Major seid...!“ reagiert haben, aber die gibt es ja immer
bei jeder
Veränderung. Das ist normal und auch egal.
Was Jobs angeht muss natürlich jeder von uns immer noch zusehen, dass
er seine Miete zusammenkriegt.
BB: Zum Leidwesen einiger langjähriger
Fans spielt ihr live eigentlich nur noch
Songs von den beiden letzten Alben. Warum lasst ihr die alten Sachen außen
vor? Steht ihr nicht mehr zu den alten Songs? Was haltet ihr im nachhinein
von eurem alten Material.
MP: Es macht uns oft einfach mehr
Spaß die neueren Sachen zu spielen. was
keineswegs heißt, dass man nicht mehr zu den alten Sachen steht.
Ok, man-
che Texte und Lieder gefallen einem halt nicht mehr so gut wie früher
mal,
aber wie gesagt. zum glück entwickelt man sich weiter und hat neue
Ideen.
Allerdings überlegen wir doch ab und zu z.B. für unsere Tour,
die im Oktober
startet, vielleicht mal wieder was geiles, altes mit ins Programm zu nehmen.
BB: Wir haben Ende 2002 schonmal
ein Interview geführt, da lebten drei von euch
in Münster, Brami in Köln. Lebt ihr immer noch soweit von einander
entfernt?
Wenn ja: Wie kommt eine Band auf eurem Niveau mit dieser Trennung zurecht?
Steht diese Trennung vielleicht einem größeren Erfolg im Weg?
MP: Brami ist dann wahrscheinlich
kurz nach dem Interview mit dir, aus Köln weg-
gezogen, so dass wir jetzt schon länger alle hier in Münster
vereint sind, und
im Grunde jeden Tag proben könnten, was wir zeitweise, z.B. für
die letzte Plat-
te, sogar getan haben. Das macht alles natürlich schon viel einfacher.
is auch
geiler, wenn man sich mal eben aufn Bierchen treffen kann, ohne gleich
ne hal-
be Weltreise antreten zu müssen.
BB: Wie steht es eurer Meinung nach
um die deutsche Musikszene? Welche Bands
sollte man sich unbedingt anhören? Was kotzt euch an?
MP: Es gibt viele gute deutsche
Bands. z.B. finde ich unter anderen Blackmail sehr
geil! Gute deutsche Bands, die auch gute deutsche Texte haben, gibt es
mei-
ner Meinung nach im Moment eher wenige. Aber es ist ja auch total egal
mit wel-
cher Sprache man sich in seiner Musik ausdrückt. Es nerven auf jeden
fall ex-
trem solche „schwarz-rot-gold-wir-sind-wieder-wer-hampelmänner“ wie
z.B.
Fler, welche stolz darauf sind, deutscher Herkunft zu sein und das
auch so ver-
mitteln. Dabei geht es ja auch nicht um Deutschland. Jegliche art von national-
stolz ist total über. Egal in welcher Sprache. Das braucht kein Mensch!
BB: Wenn man auf deutsche Bands wie
die Beatsteaks, Wizo oder auch die Terror-
gruppe schaut, oder auf internationale Acts wie The Hives oder
The Living End,
dann sieht man immer wieder dass gerade die Erstgenannten massiv von Grö-
ßen wie den Toten Hosen oder den Ärzten unterstützt
wurden um hier richtig
Fuss zu fassen. Erwartet ihr auch Unterstützung von anderen Bands?
Versucht
ihr Supporttouren für große Bands zu ergattern? Stehen vielleicht
sogar schon
spezielle Supportshows fest?
MP: Supportsachen zu „ergattern“
würde ich nicht sagen. Wenn ein gutes Angebot
von einer Band die wir mögen kommt, freut man sich natürlich.
Als uns z.B. Die
Die Ärzte oder die Toten Hosen oder auch Terrorgruppe
einluden mit ihnen zu
spielen, sprach für uns absolut nichts dagegen. Was anderes auszuprobieren
ist ja immer reizvoll. Und wann hat man schon mal die Chance vor 16.000
Leu-
ten zu spielen? Das sind Erfahrungen, die wir gerne sammeln.
Wenn man solche Sachen nicht übertreibt, so dass man nur noch als
„Vorband“
wahrgenommen wird, ist das auch in Ordnung. Andererseits hat man auch schon
Sachen abgelehnt, weil man der Meinung war, dass es nicht wirklich zusammen-
gepasst hätte. Also bestimmt nicht alles um jeden Preis mitnehmen.
Gute, größ-
ere Bands zu supporten wird in Zukunft sicherlich auch passieren. Etwas
festes
gibt es aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu berichten.
BB: Wie ausgiebig werdet ihr nach
dem Release des Albums touren? Welche Größen-
ordnung oder Art von Clubs wollt ihr spielen? Gibt's euch noch im Selbstverwalte-
ten Jugendzentrum oder nur noch in rein professionellen Clubs?
MP: Die Clubs der Tour die im Oktober
losgeht, werden ungefähr die Größenordnung
haben, wie bei der Tour zur letzten Platte. wir werden erst mal zwischen
2 und 3
Wochen unterwegs sein und in so ziemlich jede Ecke kommen. Und nach diesem
„immernur2tagewochenendfestivalsommer“ freuen wir uns tierisch darauf,
endlich
wieder richtig auf Clubtour zu gehen. Natürlich gibt es uns auch noch
im selbstver-
waltetem Jugendzentrum. Das schließt ja nicht aus, dass es trotzdem
ein fähiger
und „professioneller“ Veranstalter ist. Wens interessiert, der kann wie
immer alles
zu Konzerten und anderen Kram unter www.muffpotter.net nachlesen.
BB: Besten Dank. Viel Glück mit der Platte.