Review: The Busters - Evolution Pop

The Busters - Evolution Pop

Label: Ska Revolution Records
VÖ: 18.11.05
Tracks: 15
Format: CD
Links: http://www.thebusters.com
Sschublade: Ska

Deutschlands bekannteste Ska-Band ist wieder da! Nachdem die Jungs sich mit
dem 2004er Album "Revolution Rock" dem traditionellen jamaikanischen Ska und
Rocksteay-Klängen gewidmet hatten, geht es mit "Evolution Pop" in eine (oder
besser in mehrere) neue Richtung(en).
Passend dazu gibt es mit Ska Revolution Records ein eigenes Label, auf dem die
Platte erscheinen wird. Frei nach dem Motto "Wenn der Hörer nicht zur Musik
kommt, muss die Musik halt zum Hörer kommen" sind die Busters vorab auch
neue Wege gegangen, was die Verbreitung ihrer Musik angeht: Die Single "Radio
Smash Hit" erschien als Gratisdownload auf der Homepage der Band. Fantas-
tisch ist auch die Idee alle Songs gleich im Mp3-Format mit auf die CD zu packen,
so spart man sich das Rippen und kann sich die Songs gleich auf seinen Mp3-
Player ziehen, ich für meinen Teil habe sofort von diesem Angebot gebrauch ge-
macht und kann mir die Platte jetzt ständig anhören.
Prominenz gibt es natürlich auch auf dem Album: Zwei Tracks wurden von Farin
Urlaub produziert, Country-Legende Chuck Waggon singt zwei Songs, Ärzte-Pro-
duzent Uwe Hoffmann legt hier und da mal die Hände an die Regler und Toggo
TV Paddy hat ein Video zu "Radio Smash Hit" produziert.
Auch personell hat sich in der Band etwas getan: Mit Ron hat die Truppe Zuwachs
bekommen und ist mittlerweile ein 12 Mann starkes Orchester, der holländische
Iroträger ist neben Richie zweiter Frontmann.

Für überraschende Klänge sorgt gleich der erste Song der Platte: "Far Away" be-
ginnt zwar mit der guten Hammond-Orgel, bereits wenige Sekunden später fragt
man sich aber schon, ob der Haarschnitt des neuen Mannes in der Band vielleicht
etwas abgefärbt hat, es gibt tatsächlich stellenweise eine verzerrte, rockende E-
Gitarre.
Mit "Whiskey'Til I Drop" folgt eine sehr locker groovige Nummer, die sehr schön
immer weiter plätschert, die ruhige, tiefe Stimme von Chuck Waggon passt hier
wirklich wunderbar. Keine Bläser, kein typischer Ska-Song, trotzdem gefällt mir
die Nummer echt gut.
"Clock's Don't Rock" ist eine poppig, rockige Nummer. Die Offbeat-Gitarre macht
sich anfangs noch nicht bemerkbar, die Bläser werden wieder recht dezent, dafür
aber perfekt eingearbeitet und der Basslauf macht echt Freude.
Mit "Bad Guys" gibt es eine mittelschnelle Off-Beat Nummer, wieder gibt es von
den Bläsern leider nicht viel zu hören.
Pop-Ska-Punk gibt es mit "Radio Smash Hit". Mit diesem Song werden sich die
Busters bei Ärzte Fans, die ja sowieso immer schon in Massen auf den Konzerten
der Band erscheinen, wohl noch ein Stück beliebter machen. Allerdings finde ich,
dass man als Single einen etwas repräsentativeren Song hätte wählen sollen,
mal ganz davon abgesehen, dass mir schnelle Busters Songs der Marke "Dead
or Alive" immer noch besser gefallen, auch ohne derartige Gitarrenbetonung.
"Rude Up Your Live" und "Legalize Love" sind asdreine langsame Ska-Nummern,
wobei zweitere ein bißchen mehr nach dem alten, jamaikanischen Flair klingt und
über schöne Bläserparts verfügt.
Ein bißchen mehr nach den "alten" Busters klingt "Nobody Likes You": Der Song
klingt für mich irgendwie nach "Mickey Mouse In Mocow" auf Fußball. Sinnloses
Thema für einen Ska-Song, da will doch niemand im voraus eine Hymne für die
WM 2006 schreiben, oder?
"Two Million Ways" ist wieder eine schöne Off-Beat-Nummer, deren Text allerdings
mehr gesprochen als gesungen wird. Produ-ziert wurde diese Song, genau wie
"Far Away" von Oberarzt Farin Urlaub.
An die grandiosen Jolly Jumpers erinnert mich "Boogie Nights". Bisher kannte ich
diesen Sound nur vom Swamp Blues der Finnen, doch obwohl die Busters im Hin-
tergrund immer noch einen Tick fröhlicher klingen, gelingt es ihnen mit Unterstütz-
ung von Chuck Waggon eine ähnliche Stimmung zu erzeugen.
"Big Boy" enthält schon Ansätze von majestätischem Ska-Core, kehrt jedoch im-
mer wieder auf die normale Ska-Schiene zurück. Mir persönliche sagt die Nummer
nicht zu, diese Richtung sollten die Busters nicht weiter verfolgen.
Da ist "Hey Little Girl" doch bedeutend besser: Eine schöne, langsame Nummer, in
der es mal wieder ein bißchen was schönes von der Bläserfraktion gibt.
Die Fast-Instrumentalnummer "Rumble In The Jungle" klingt dann mal wieder sehr
old school: Traditioneller Ska wie man ihn mag.
Wieder ziemlich langsam geht es mit dem angenehmen "Life" weiter, bevor es mit
"Take Your Soul Back Home" einen völlig ruhigen Ausklang gibt.
Auch ein Hiddentrack sowie das Video zu "Radio Smash Hit" sind auch der CD
enthalten.

Fazit:
Die Busters sind nach "Revolution Rock" nicht wieder zu ihrem typischen Fun-Ska
zurück gekehrt. Die neue Scheibe geht neue Wege und wenn man von den paar
angerockten Nummern absieht, sind die Jungs im Vergleich zu früher langsamer
geworden. Als ideen- und abwechlungsreich beschreibt man die Platte wohl am
besten, ob das den Ska-Hardlinern gefällt ist eine andere Frage, mir gefällt es ganz
gut. Konnte ich mich mit der Produktion vieler Busters-Scheiben nicht so richtig an-
freunden, so muss ich zu dieser Scheibe sagen: "Top, zusammen mit "Revolution
Rock" das bestklingenste Studio-Album der Wieslocher!"
Kritisieren möchte ich lediglich, dass die Bläser viel zu wenig zum Einsatz kommen
und manchmal ein bischen mehr Tempo auch ihne verzerrte E-Gitarre nicht gescha-
det hätte.
Das sieht doch verdammt danach aus, als wollte es die bereits seit 1987 existieren-
de Ska-Band nochmal richtig wissen, für mich klingt die Scheibe so, als sei ein Chart-
einstiegt im Hinterköpfchen mit angedacht, passend dazu und zum Titel erscheint das
Album im Pop-Art Design.

BB
 

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