Review: Muff Potter - Steady Fremdkörper
 
Muff Potter - Steady Fremdkörper

Label: Universal
VÖ: 18.05.07
Format: CD
Tracks: 11 
Links: http://www.muffpotter.net
Schublade: Angry Pop Music 

Seit der "Boardsteinkantengeschichten" bin ich Muff Potter Fan. Auch der fol-
genden "Heute wird gewonnen, bitte." konnte ich viel abgewinnen. Dann folgte
der Majordeal und wie so oft beginnt man als "Freund der alten Tage" dann
mit dem Meckern. Mit "Steady Fremdkörper" folgt nun das zweite Majoralbum
der Jungs und ich war tatsächlich gespannt, denn die Wahlmünsteraner gehö-
ren zu den Bands, die sich von Platte zu Platte wirklich entwickeln... ob der
letzte Entwicklungsschritt zur "Von Wegen" als Fortschritt zu sehen ist sei an
dieser Stelle dahingestellt, also: Frohen Mutes an's Werk!

Das man bei "Angry Pop Music" mittlerweile zumindest musikalisch eigentlich
das "Angry" streichen kann zeigt direkt "Ich bin doch kein Idiot": Das Rauhe in
Nagels Stimme ist so gut wie weg, auf den instrumentalen Spannungsaufbau
folgt nicht der große Startschuss, sondern ein Song der Aggressivität gänzlich
außen vor lässt.

"Das Finkelmann'sche Lachen" kommt leider recht belanglos rüber und geht
mir dafür mit 4:17 eindeutig zu lang. "Das seh ich erst wenn ich es glaube" ist
hingegen ein Highlight der Platte. Gute Gesangswechsel zwischen Nagel und
Dennis, endlich mal etwas Tempo und textlich ebenfalls nicht zu verachten. Als
Kritik lässt sich hier höchstens anwenden, dass der Song irgendwie nicht ins
Gesamtbild passst.

"Sie tippen wie irre auf deinen Möbeln" lässt es wieder ruhig angehen, trotz-
dem kann der Song überzeugen, gerade auch wegen dem hymnischen Re-
frain, den man schon erwartet wenn man die Strophe hört. "Das halbvolle Glas
des Kulturpessimus" ist textliche eine spitzen Sache, ich zitiere: "Die besten
Lieder sind gesungen, die besten Bücher sind geschrieben, und so sehr wie
Romeo und Julia wird sich niemand je mehr lieben. Die Mittel schaffen den
Zweck wie 1000 Liebeslieder zeigen, und wo die Not zur Tugend wird verliebt
man sich ins Schweigen. Und dann der eine Moment - glücklich ist wer ihn er-
kennt". Und auch musikalisch durchaus angenehm.

"Fotoautomat" könnte der ein oder andere von euch bereits aus dem TV oder
Radio kennen, denn es ist die erste Singleauskopplung. Meiner Meinung nach
kein überwältigender, wenn auch kein schlechter, Song, der keine Single wert
ist. Das anschließende "Wunschkonzert" konnte mich live ziemlich überzeugen
und auch Platte kommt der heißer Tropfen Aggression auf dem Stein Platte
ganz gut.

"Gestern an der Front" war ebenfalls im Set auf der "Visions Sping Tour", geht
aber in eine ganz andere Richtung. Mit "Die Guten" folgt der Song der meiner
Meinung nach als Single hätte kommen sollen: Ein wunderbarer Freund der ei-
ne zerbrochene Beziehung reflektiert, jedoch ohne Groll auf die Ex, sondern
ganz im Gegenteil: "Wir beide sind die Guten".

Bedeutend schwerer kommt "Plötzlich tatsächlich" daher, dieser Song verkör-
pert für mich die Perfekt die "neuen Einflüsse", sie sich seit der "Von Wegen"
bei Muff Potter eingeschlichen haben und die mir nicht zusagen: Eine weniger
direkte Songstruktur und klarerer Gesang. Das abschließende   "Steady
Fremdkörper" lässt es nochmal ein wenig krachen, haut mich aber auch nicht
wirklich von Hocker.

Fazit:
Muff Potter legen mit "Steady Fremdkörper" ein Album vor, das leider die
Entwicklung der "Von wegen" fortsetzt. Trotz einiger guter Songs wie "DIe Gu-
ten", "Das seh ich erst wenn ich es glaube", "Wunschkonzert" und "Das halb-
volle Glas des Kulturpessimus" stelle ich enttäuscht fest: Muff Potter haben
vor allem mit "Boardsteinkantengeschichten", aber auch mit "Heute wird ge-
wonnen, bitte." den bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens hinter sich. Ich ge-
höre bei den Wahlmünsteranern wohl zu den Fans, die langsam aber sicher
auf der Strecke bleiben.

BB
 

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