Farin Urlaub - Am Ende der Sonne
Label: Völker hört die Tonträger
VÖ: 29.03.05
Tracks: 14
Spielzeit: 56:39 min
Format: CD/LP
Links: http://www.farin-urlaub.de
Weltpremiere: noch nie zuvor habe ich die
aktuelle Nr.1 der deutschen
Album Charts besprochen! Mit seinem neuen
Album "Am Ende der
Sonne" setzt Farin Urlaub Kontraste
zu seinem Debüt-Album "Endlich,
Urlaub" und weiss wahrlich zu überraschen.
Schon das Artwork der beiden Platten unterscheidet
sich grundsätzlich
und zeigt die Richtung von "Am Ende der
Sonne" an: Setzte "Endlich,
Urlaub" auf helle Farben im Artwork und
geniale, teilweise sehr farbkräf-
tige Fotos im Booklet, so ist "Am Ende
der Sonne" schlicht schwarz ge-
halten, die Fotos im umfangreichen Booklet
sind wieder wirklich gut, je-
doch allesamt schwarz/weiss gehalten.
Songbesprechungen:
Musikalisch macht Farin da weiter, wo
er mit "Ok" aufgehört hatte: Das
eröffende "Mehr" ist textlich quasi
das Gegenstück zu "Intro" auf dem
Solo-Debüt oder "Super Drei" auf
der Ärzte Platte "Planet Punk", also
der typische "Ich bin wieder da"-Song.
Vom Sound her geht's hier aller-
dings bedeutend düsterer zur Sache,
es gibt nicht den typischen, locker-
flockigen Farin-Urlaub-Pop-Punk, sondern
einen harten, schon fast me-
tallischen Sound. Überraschung gelungen!
Alles andere als fröhlich geht es
auch mit "Sonne" weiter, Melancholisch
und garnicht sonnig klingt die Nummer!
Besonders der Bass und Textzei-
len wie "Es ist nicht wie im Film / man
kann nicht einfach gehen / man
kann auch nicht zurückspulen / um
das Ende nicht zu sehen" können mich
überzeugen.
Wirklich schön ist "Augenblick",
der Song kommt bei einer Spielzeit von
über drei Minuten mit acht Zeilen
aus, auch etwas ganz neues aus dem
Hause Urlaub.
Melancholisch und relativ ruhig geht es
auch in "Porzellan" ans Werk, in
dem Song geht es um das hochzerbrechliche
Glück, textlich und musika-
lisch stark verpackt.
"Unter Wasser" bietet wieder etwas Härte
und macht auch mehr Tempo,
jedoch kann man von Textzeilen wie "Ich
nehme Anlauf und dann springe
ich hinein / und gehe unter wie ein Stein
/ doch unter Wasser kann ich
nicht schreien" nicht gerade behaupten,
dass sie ein positives Lebens-
gefühl vermitteln.
Wenn man einen Blick auf's Backcover wirft,
sticht einem auf Grund sei-
nes langen Titels sofort der Song "Wie
ich den Marilyn-Manson-Ähnlich-
keitswettbewerb verlor" ins Auge. Und
wer hätte es gedacht: Einer der
Hits der Platte, Textzeilen wie "der Mann
vom Zoll wollte kein Autogramm
von mir / denn ich hab nicht mal ne Scheide
auf den Bizeps tätowiert"
zeigen mal wieder den typischen Ärzte-Humor,
dazu gibt es die netten
Bläser von den Busters und
starke Background Stimmen.
"Unsichtbar" könnte auch ein Ärzte
Song sein, denn es handelt sich um
eine dieser typischen Pop-Punknummern
mit Herz-Schmerz-Problematik.
Es folgen "Apocalypse wann anders", ein
Song in dem wieder der Bass
dominiert, und das Klavierstück "Schon
wieder", das quasi ein Intro für
"Immer noch" ist.
"Immer noch" ist wieder eine härtere
Nummer, die aber nicht unbedingt in
den Punkbereich, sondern von der Gitarrenarbeit
her schon eher in die
Hardcore Richtung geht.
Ein weiterer Hit der Platte ist "alle
dassselbe": musikalisch höchst abwechs-
lungsreich, und textlich brilliant: "Ich
glaub ich gründe nen Verein / da darf
kein anderer hinein".
Düster wird es dann wieder mit "Kein
Zurück". Thema Selbstmord, musi-
kalisch von Akkustikgitarre bis Punkrock.
Etwas Ska gibt es dann endlich mal mit
"DerMitDer", bevor mit "Dusche"
der letzte Song, der auch gleichzeitig
die erste Singleauskopplung ist, folgt.
Die meisten von euch dürften den
Song kennen, ich halte ihn für den
Schwachpunkt des Albums.
Fazit:
Ihr wisst schon: Farin Urlaub,
das ist der Mann mit dem 52 Zähne Grinsen
und wenn von dem eine Solo-Platte erscheint,
in deren Titel auch noch das
Wort "Sonne" vorkommt, dann erwarte ich
Poppunk mit lustigen Texten, ein
wenig Ska und die üblichen Experimente.
Sehr zu meiner Überraschung ist
die Platte jedoch wirklich sehr düster,
melancholisch und ernster geworden
und auch wenn es genau das Gegenteil von
dem ist, was ich erwartet hab,
so bin ich doch begeistert. Hatte mir
das letzt Ärzte Album "Geräusch" alles
andere als zugesagt, so geht Farin
solo mal wieder mit der nötigen Härte
ans Werk.
Textlich mal wieder brilliant, erinnert
"Am Ende der Sonne" vom musikalisch-
en Stil her öfters mal an "Ok". Neben
all den melancholischen Songs vergisst
Farin auch den Spass nicht ganz
und überzeugt mehrfach mit der gewohnten
Narrenfreiheit.
BB
Ps: Einen Hiddentrack gibt es natürlich
wie immer nicht...