Review: Everest - Demons for Company

Everest - Demons for Company

Label: Like the Mountain / Alive
VÖ: 07.02.05
Tracks: 11
Spielzeit: 36:34 min.
Format: CD
Links: http://www.everestmusic.net

Eine Band aus der Punkrockprovinz Darmstadt hat schon einen
Majordeal in der Tasche, doch dann  kommt das typische "Singt
doch mal auf Deutsch!" und "Wir brauchen noch ne Hitsingle"...
sympathischer Weise lassen die Jungs das nicht mit sich machen,
kaufen ihre Aufnahmen zurück und gründen ihr eigenes Label um,
nach einem Jahr hin und her mit der Industrie, die Platte selber her-
auszubringen. Die Jungs schmeissen ihr Studium, ziehen nach
Berlin, schlagen sich mit schlechten Jobs durch und wollen es jetzt
richtig wissen... klingt wie ein schönes Punkrockmärchen die, viel-
leicht etwas dick aufgetragene, Geschichte von Everest und ihrem
Album "Demons for Company".

Bedrohliches Brummen eröffnet die Platte, geht jedoch in den wun-
derbaren Pop-Punk Song "A Kick and a Hit" über. Eine starke
Stimme, starkes Arrangement und Eingängigkeit bis zum geht-
nicht-mehr.
Da schließt auch "Wake up get real" an. Emo-Pop-Punk vom Fein-
sten, da muss sich jemand nicht hinter amerikansichen Vorbil-
dern verstecken... "this is my only wish, keep the fire inside!"
Es folgt die erste Single-Auskopplung "Next Stop Hell": Ich bin ge-
spannt ob die Jungs mit diesem Song den Durchbruch auch ohne
Major-Unterstützung schaffen, denn das Potenzial ist definitiv da,
auch wenn ich nicht unbedingt diesen Song als erste Single ge-
wählt hätte.
Mit "Castles in the Air" folgt eine Ballade die es in sich hat. Die
Wahlberliner gehen Gott sei dank nicht zu zimperlich ran und machen
einfach einen schönen Song, ohne auf verzerrte Gitarren zu verzich-
ten.
Mit Streichern und Akkustikgitarre beginnt "Living the Circles", das
sich zu einem absoluten Hit der Scheibe entwickelt. Besonders das
Keyboard wird hier sparsam, aber gut eingesetzt.
Es folgt der Song, den ich als erste Single ausgekoppelt hätte: "Up-
grade yourself Today". Der Song bietet einen guten Überblick über
das was Everest so drauf haben: Nach vorne gehende Gitarren mit
dezenter Keyboardunterstreichung, ruhige Parts mit geflüstertem Ge-
sang, dann wieder Screaming... halt all das, was in die Schublade
Emo-Pop-Punk passt.
Etwas mehr nach vorne geht es wieder mit "Music is Dead": Ein gu-
ter Pop-Punk Song.
Mit "The Bad and the Good" folgt ein 45-Sekunden Song, von dem
20 Sekunden Breitseite und 25 Sekunden Geräuschkulisse sind.
"Today I seriously..." ist einfach ein schöner Song, der schon fast ins
Balladenhafte geht. Gute Pop-Musik.
Mein persönlicher Lieblingssong auf der Platte ist "Queen of her own
Jail", der auch eine wunderbare Single abgeben würde: Rockt ohne
die Emotionen zu vergessen. Natürlich eingäng und mitsingkompati-
bel.
Und auch der elfte und leider schon letzte Song der Scheibe "Small
Wings" stellt keinen Schwachpunkt dar. Ich glaube langsam, dass die
Major-Verantwortlichen auf der Suche nach Singles den Wald vor lau-
ter Bäumen nicht gesehen haben. Ein Hit!

Fazit:
Everst gehen mit Herz ans Werk: Nicht nur die Musik passt, auch ein
Teil der Erlöse geht an die Aktion "Kein Mensch ist illegal".
Eine unglaubliche Platte für alle Freunde des Emo-Pop-Punks ist das,
was die Wahlberliner da vorlegen. Bleibt zu hoffen, dass diese Schei-
be ohne Major-Label nicht im Fahrwasser von Bands wie Jimmy Eat
World, den Donots, den Get up Kids oder Saves the Day untergeht.