Review: Ememvoodoopöká – Dort jak brus

Review: Ememvoodoopöká – Dort jak brus

Label: Silver Rocket
VÖ: 08.12.05
Tracks: 14
Format: CD
Links: http://www.silver-rocket.org, http://www.krasnej.net/sajty/
Schublade: Electro Post Punk
 

Die mir bis dato unbekannte tschechische Band Ememvoodoopöká mischt seit
zehn Jahren weitestgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in der Mu-
sikszene mit, bezeichnet werden sie als electro post punk machos. Ihr „lauter,
rockender Postpunk mit dem Sound von alten analogen Keyboards“ präsentiert
sich hier mit  mal mit schreiendem, mal mit ziemlich trockenem, tschechischem
Gesang auf einem Silberling mit dem Namen „Dort jak brus“.

Die Grundlage der Tschechen bilden volle, angenehm hallende Drums stets ver-
bunden mit effektgeladenem Instrumentarium aus mal kratzigen, mal grungigen
Gitarren und treibendem Bass untermalt von einem ausuferndem Keyboard, wel-
ches zu besten Zeiten melodiös erfreut, aber auch die übelsten Störgeräusche
von sich geben kann. Neben ein paar Stoner-Anleihen präsentiert sich Ememvoo-
doopöká hier öfters experimentell angehaucht, bleiben aber weitestgehend bei
festen Strukturen der Songs, die jedoch meistens ausufern.

Besonders das 2. Lied „Akélá“ ist eines der Highlights der Platte, da sich eine
simple, beinahe Hymnenartige Melodie teils elektronisch, teils scheinbar gepfiffen
durch das Stück zieht und in einem Kneipenchor gipfelt, der trotz aller Euphorie
überhaupt nicht besoffen klingt. "Robot-Rock" verbindet sich mit leichten Emo-
Anklängen, die jedoch vom teilweise etwas pöbelnden Gesang schnell wieder aus-
geräumt werden.

Ein weiteres Schmankerl auch das direkt folgende „H?iby“; eingeleitet von einer
verrückt-fröhlichen Melodie, die in einen überaus gleichmütigen Gesangsstil mün-
det, der wohl jedem erst mal ein Lächeln abgewinnt und zum leichten Schunkeln
animiert. Banjoklänge mit lustigen Hintergrundgeräuschen wechseln ab und zu
mit strengen Stimmen und am Ende ist es viel zu schnell vorbei.

Nach ein paar Stückchen mehr Emo und balladesken Klängen unterstützt von
Heimatklängen einer Mundharmonika und Melodien, die einem irgendwie bekannt
vorkommen, geistern Ememvoodoopöká irgendwo zwischen chilligen Einlagen,
hektischem Post-Punk und straightem Rock’n’roll. Dabei steht jedoch ein melan-
cholisch düsterer Unterton meistens im Vordergrund. Manchmal nimmt die Elek-
tronik etwas überhand, so dass sich einzelne Riffs leider wie Sportfreunde Stiller
anhören, aber im Grunde versprüht die Gruppe stets eine seltsame Trunkenheit,
die meistens von einer nüchternen Stimme wieder eingefangen wird.

Ein kleiner Ausreißer ist das vorletzte Stück „Nanár“, das überaus archaisch da-
her kommt. Mithilfe eines einzelnen Akkordenriffs, tragenden Bassklängen, sowie
einem Stampfen und dezenten Hintergrundgeräuschen wird eine mystische Stim-
mung aufgebaut, die das Bild vermittelt, dass eine alte Volksweise in Form einer
tragischen Geschichte in tiefster klirrend kalter Nacht erzählt wird.

Aufgerüttelt wird der Hörer dann ürplötzlich wieder vom letzten Stück „Mukl“, dass
mit seiner rotzig punkigen Aufmachung verbunden mit wiederum hymnischen At-
mosphäre die Nostalgik des vorigen Liedes scheinbar zu spotten sucht und gleich-
zeitig als der perfekte Schluss der CD daher kommt. Wenn, ja wenn nicht wieder
alles aus dem Ruder zu laufen schiene und man sich in einer ausufernden Odys-
see auf der Suche nach dem Schluss befände. Dieser findet sich dann doch in
dem Ausklingen einer Gitarre, was sich anhört als ob ein angestoßenes Geldstück
kurz vor dem Erliegen auf dem Tisch rotiert.

Fazit:
Und dann ist der Groschen gefallen: „Dort jak brus“ ist ein teils verstörendes, aber
immer sympathisch zwinkerndes Album, das doch noch so manche Überraschung
bereit hält.

Joscha
 

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