Review: Drowningman - Don't Push Us When We're Hot

Drowningman - Don't Push Us When We're Hot

Label: Thorp Records
VÖ: 17.10.05
Tracks: 10
Format: CD
Links: www.drowningmanisnotyourbabydaddy.com , www.thorprecords.com
Schublade: Hardcore / Indie / Noise
 

Nach "Learn to Let it Go" aus dem Jahre 2004 haben Drowningman mit
"Don't Push Us When We're Hot" ein neues Album am Start. Musika-
lisch geht es in die Hardcore/Indie/Noise-Richtung, auf der Bandwebsite
las ich nach, dass die Musik des Vermonter Quinettets nicht selten mit
den Worten "chaotisch" und "spastisch" beschrieben wird. Ich war also
gespannt was mich erwartet.
"Yeah, You're Pretty But Do You Think You'll Really Get Away With It?":
verdammt langer Titel für das erste Lied... Es geht kraftvoll ohne Intro
oder sonstiges los, was ein bisschen wachrüttelt beim ersten Hören. Hier
kann man wohl eher den (Post-)Hardcore-Anteil der Band genießen, der
Song klingt im Vergleich zum Anfang eher langsam aus.
Folgendes wusste ich auch noch nicht: "John Cougar Mellencamp Is The
White Devil". Man merkt: textlich haben die Jungs einiges drauf. Noisige
Gitarre im Hintergrund und stoisches Schlagzeugspiel, das baut Stimmung
auf, bis dann der Gesang einsetzt. Die Beschreibung als"chaotisch" findet
hier ihre erste Bestätigung. Quer durch alle gitarrenlstigen Genres wird
hier einiges auf den geneigten Hörer losgelassen.
Geradliniger geht es weiter mit "Dude Status: Revoked", klarer, treibender
Hardcore mit Erholungspart in der Mitte, nicht unbedingt zum starken Ab-
gehen geeignet, kann man sich aber durchaus anhören.
Mit einem lustigen Songtitel fahren wir fort: "Today's Special: Still Beating
Hearts". Textlich geht es hier weniger lustig zu, das Lied  handelt von Lie-
beskummer. So fängt es auch im Gegensatz zu dem bisher gehörten Songs
eher ruhig an, ohne Geschrei und rumgekloppe auf den Instrumenten, man
versteht sogar den Text recht deutlich, was ich nur begrüssen kann. Hier
legt sich der Indie-Einfluss also nieder, bis jetzt das Highlight auf dem Al-
bum.
Ein Statement gegen Rassismus ist "White People Are Stupid", kann man
ja nur gutheißen. Musikalisch geht es mir dann doch etwas zu wild durch-
einander, hier wäre eine klare Ausrichtung besser gewesen, es ist einfach
zu unklar was sie jetzt machen wollen, zumindest für meine Ohren.
"Drowningman Dance Party, Bring Your Own Bodybag", hört man diesen
Titel denkt man es geht hart zur Sache, dem ist aber nicht so, nur der Re-
frain wird mit mehr Stimme und Musik gespielt, sonst plätschert der Song
mehr so vor sich hin, es kommt keine richtige Stimmung im Sinne des Ti-
tels auf.
Gott findet auch Erwähnung in einem ihrer Songtitel, und zwar bei "Dear
God, Life Is Hell", und wieder ist eine Mixtur aus diversen Stilrichtungen,
mal schneller mal langsamer, mal lauter mal leiser, ich wüsste nicht wie
ich mich bei einem Konzert zu so einem Lied verhalten sollte...
Schnell weiter zu "The Last Honest Man Sells Out", diesmal etwas klarer
in die Indie-Richtung, und ich muss sagen, wenn sie sich mal auf eines kon-
zentrieren, dann kann das sehr gut gefallen, jedenfalls ein weiteres High-
light.
Auf auf zu "Major Disappointment Reporting For Duty", wieder eines der
besseren Stücke des Albums, hier wird sich wieder auf Post-Hardcore
konzentriert, zum (leider) ersten mal merkt man das Drowningman auch
musikalisch einiges drauf haben, außer quer durcheinander zu spielen, hier
wechseln schnelle und langsame Parts so, dass man sich nicht gestört fühlt.
Der längste Titel zum Schluss: "Lucl, Love Life Time Guarantees And
Other Things Assholes Believe In". Abgefahrener Titel, abgefahrenes Lied,
hier wird dann noch mal alles durcheinander geschmissen was man kann.
Teilweise straighter Hardcore, dann wiederum Noise, danach ein Indie-Part
mit "spastischer" Gitarre, teilweise klingt manches in diesem Lied fast schon
poppig, ein eher ruhiger Ausklang für dieses Album.

Fazit:
Neben den lustigen Songtiteln hat mir dieses Album nur manchmal Freude
gemacht, es geht einfach zu wild vor sich. Ich mag wie die Jungs spielen,
nur sollte man nicht so viele, und dann auch noch so unterschiedliche Mu-
sikrichtungen in einen Song packen, es wirkt nur störend. Wer aber nicht
abschreckt ist und auf gutes Songwriting (das ist ernstgemeintl) steht, dem
kann die Platte nur empfohlen werden.

Ingo

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