Label: People Like You
VÖ: 20.07.07
Format: CD
Tracks: 19
Spielzeit: ca. 66 min.
Links: www.broilers.de
Schublade: Punk / Oi! / Soul
Die Broilers aus Düsseldorf haben sich in den letzten Jahren zu einem Act
entwickelt, dessen Namen man auch außerhalb des Undergrounds schon-
mal gehört hat. Von Platte zu Platte hat man sich stets mutig weiterentwik-
kelt, was für Bands aus der Oi!-Ecke mit Sicherheit nicht selbstverständlich
ist. Man hat sich nicht gescheut sich auch Feinde zu machen und dabei vie-
le Freunde gewonnen.
Der nächste Große Schritt in der Bandgeschichte liegt nun mit "Vanitas"
vor, dem ersten Album auf dem weltweit beachteten Rock'n'Roll Label People like you Records. Auf der Platte zeigt sich das Quartett experimen-
tierfreudiger, softer und poppiger als je zuvor, eine Entwicklung die ja in
Kombination mit dem Wechsel zu einem großen Label bei Fans immer für
Kritik und Enttäuschung sorgt.
Aber so einfach sollte man "Vanitas" nicht abschreiben. Im Gegenteil. Die Broilers schaffen es, für mich vergleichbar mit dem was Against Me! mit
"New Wave" gelungen ist, ein Album hinzulegen, dass sowohl auf eine be-
deutend breitere Masse schielt aber dennoch auch alte Fans überzeugen
kann.
Das Grundtempo der Platte ist im Vergleich zu Vorgängern zurückgenom
men worden, Sänger Sammy singt durchgehend mehr als das er schreit
bzw. gröhlt und schon das Intro mit klassischer Gitarre deutet an, dass man
sich auch an den Instrumenten und was Songstrukturen angeht mächtig
weiterentwickelt hat.
Viel liebe zum Detail und noch mehr Mut sorgen dafür, dass die Broilers
einen bisher ungekannten Mix aus Punk, Oi!, Soul, Rockabilly, Reggae
und Ska kreieren. Da wird mal ein Song vom Klavier getragen, dann
kommen wieder Bläser gezielt und nicht im Überfluss zum Einsatz. Nichts
scheint unmöglich, an Abwechslungsreichtum mangelt es folglich nicht.
Und auch textlich kommen die Jungs alles andere als stupide daher, die
Songs sind intelligent aber nicht nichtssagend vertrackt. So ergibt sich
insgesamt ein Konzept das einfach zusammenpasst: Ein edles, schlicht
schwarz-goldenes Artwork, ein breites musikalisches Spektrum und
Texte die wunderbar zum "Vanitas"-Motiv passen.
Fazit:
Ich war nie ein großer Broilers Fan und auch nie ein Fan der Oi!- und
der Fußballszene, in denen die Band äußerst beliebt ist. Trotzdem muss
ich diesem Album Respekt zollen: Eine mutige und eine gelungene Plat-
te mit einem sinnvollen Konzept! Die Band beweißt ihre Eigenständig-
keit und ihre Fähigkeit als Schmelztigel verschiedener Stile zu wirken.
Ich bin gespannt wie weit es die Broilers bringen werden und ob sie es
auf ihrer jetzt startenden Tour schaffen auch verhältnismäßig große Lä-
den, wie z.B. am 02.10. das Bielefelder Kamp, zu füllen. Ich denke, dass
die DüsseldorferInnen mit diesem Album an ihrem Limit angelangt sind.
Mehr Mainstreamtauglichkeit geht mit einer Band mit diesen Wurzeln
ohne Glaubwürdigkeitsverlust denke ich nicht. Aber ich lasse mich gerne
eines besseren belehren und bin gespannt was die Broilers uns in Zukunft
noch zu bieten haben. Das Oi!-Genre haben sie ja schließlich auch mit
Leichtigkeit gesprengt...