Review: Beecher - This Elegy, His Autopsy

Beecher - This Elegy, His Autopsy

Label: Earache
VÖ: 12.09.05
Tracks: 13
Format: CD
Links: www.beecher-online.com, www.earache.com
Schublade: Noisecore / Modern Hardcore

Die erst 2001 gegründete Band ist hierzulande noch ein recht unbeschrie-
benes Blatt. Die fünf jungen Leute aus Manchester, konnten bisher ledig-
lich als Vorband von Killswitch Engage, Isis, Poison The Well oder The
Dillinger Escape Plan von sich reden machen. Mit "This Elegy, His Autopsy"
versuchen sich Beecher an ihrem bereits zweiten Album. Noch vor dem
ersten Anhören muss ich leider zwei Minuspunkte verteilen: 1. Das Design
des Covers: es tut fast schon in den Augen weh, und 2. dass die Promo
in 99 Tracks, zwecks Verhinderung des Rippens der CD, gesplittet ist ...
aber gut.
Dafür entschädigt jedoch das erste Stück "It's Good Weather For Black
Leather". Schon am Titel merkt man das der englische Humor auf der Plat-
te nicht zu kurz kommt. Jedenfalls wird hier das Gaspedal durchgetreten,
eine schnelle Rhythmusgitarre und eine kraftvolle Stimme, die mich an
Dennis Lyxzen von den guten alten Refused erinnert, überzeugen. Refu-
sed an sich beschreibt den Stil den diese Band mit dem ersten Song an
den Tag legt recht gut, jedoch klingt das Ganze nicht großartig geklaut.
"Function! Function!" wirkt da schon etwas anders, alles klingt dunkler und
aggressiver: Metallriff und Doublebassdrum, sowie eine Stimme die nach
einer Mischung aus Metalcore und Deathmetal klingt, da standen wohl die
einschlägigen Bands Pate, bei denen sie das ein oder andere Mal als Vor-
band auftreten durften.
"The Womaniser And The Alcoholic" beginnt mit... ja was ist das eigentlich?
Hört sich im entfernten Sinne nach Schlagzeug und Bass an, kann man aber
nicht genau definieren, hört sich ein wenig nach der Anfangsmelodie von
Terminator 1 an... auf alle Fälle ein Instrumentalstück welches eher in eine
experimentelle Richtung geht.
"Knight The Arsonist" tritt dafür wieder voll Arsch, wieder im Refused-Stil,
wechseln sich schnelle Gitarre und Gesang mit eher ruhigem Schlagzeug-
part ab. Also die Stimme von Edward Gdby gefällt mir sehr gut, muss ich
wirklich mal sagen.
"Not Guilty" (auf der Promo Track 27-38) ist dann eher ein ruhigeres Lied,
einzig allein die Stimme verleiht dem ganzen etwas Druck, die verzerrten
Instrumente tragen eher zur Verwirrung und zum weiterskippen bei...ist mir
dann doch etwas zu abgefahren.
"And On The Day That He Became A Human Plumb Line" was für ein Titel...
ein Stück das irgendwie nicht so richtig reinpasst in das Konzept des Al-
bums... es beginnt ohne die vorher zu Tage gelegte Aggressivität und den
enormen Druck. Im Entfernten denkt man an At the Drive-In, die Stimme
mehr im Hintergrund, gesprochener Text, langsam sich aufbauende Drums
und eine melodische Gitarre. Ein kurzer "Ausraster" zum Schluss ist das
einzige Indiz das es sich hier um den Song einer Hardcoreband handelt.
Bei "Psycho Galvanic Skin Response" hingegen kriegt man es unweigerlich
mit, viel schneller, dumpfer, wieder mehr in Metal-Gefielden angesiedelt, darf
Edward wieder zeigen was seine Stimmbänder draufhaben, völlig abgehen
also.
"Man The Traps" klint mir persönlich ein bißchen zu viel von Refused abge-
kupfert, manche Passagen aus deren Album "The Shape of Punk to Come"
scheinen mir 1:1 übernommen worden zu sein, man kann ja nicht sagen
das sie es schlecht gemacht haben, aber es wirkt halt geklaut.
"Brown Eyes (No Name)" ist das nächste Stück, und hier kann wieder von
eigenem Talent die Rede sein, die Instrumente fügen sich wundervoll zu ei-
nem Gesamten zusammen, fast typisch schon der Wechsel von langsa-
men und schnellen Parts.
"The Biting Cold" beginnt langsam, man erwartet ständig das es nun richtig
losgeht...aber denkste, es ist ein Instrumentalstück... diese Erwartung treibt
einen fast in den Wahnsinn, man will unbedingt das nächste Lied hören,
das find ich irgendwie geil, denn nahtlos geht es über in "I Won't Miss, Or Be
Missed", zu nächst sehr Metallastig, dann steckt das Bein aber wieder bis
zur Kniescheibe im Rektum, Live stelle ich mir diese beiden Stücke in Ver-
bindung sehr stark vor, Metalcore mit einem Drumsolo im Mittelstück veran-
lasst den Fuss zum mitwippen und den Kopf zum gegen die Wand zu schla-
gen. Langsam geht dieses Stück dann zuende, das eindeutige Highlight des
Albums.
"Happiness" bleibt einem nur im Gedächtnis weil es einem das Trommelfell
ruiniert wenn man die Lautsprecher zu laut aufgedreht hat, und man nicht
weiss was das für ein "Lied" wird... es ist einfach nur ein Gerausche und Ge-
dudel, das man sich ruhig hätte sparen können: Bockmist, aber weiter...
... "Reach Up to the Gods", ist dann etwas was man wieder Musik nennen
kann. Es fängt gewohnt schnell an, geht dann über in einen fast traumatisch-
en Zustand der Band. Der Name des Stückes klingt epochal...ich glaube
auch das es der längste Song ist auf der Platte...zumindest von der Titelan-
zahl (...85-99...). Es plätschert so vor sich hin... ein allzu typisches Ende für
so eine Platte, schade eigentlich... die letzten ca. 3,5 Minuten lassen Beecher
ihre Gitarren ausklingen... hätte man sich auch sparen können...

Fazit:
Sieht man über das hässliche Cover hinweg hält man ein Album in der Hand,
was sich im oberen Mittelfeld platziert. Die Stücke sind teilweise sehr gut,
technisch einwandfrei und die Stimme weiß wirklich zu überzeugen. Minus-
punkte sind leider, dass recht viel abgekupfert klingt und es teilweise experi-
mentellen Quatsch gibt, den man sich hätte sparen können. Das größte Pro-
blem das Albums könnte jedoch sein, das man sich erst richtig auf das Album
einlassen muss. Hört man es nebenbei bleibt nicht viel hängen, außer den
Gehörschaden von "Happiness"... das ist schade, denn wie ich selber festge-
stellt habe ist es eigentlich ein gutes Album, was von vielen aber wahrschein-
lich viel zu schnell weggepackt werden wird. Einige von euch werden die Com-
bo mit Sicherheit auf der kommenden Darkest Hour Tour als Support erleben.

Ingo

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