| Beatsteaks - Limbo Messiah
Label: Warner
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Schon alleine der Erwartungsdruck der mit
diesem Album verbunden ist hätte andere Bands
wohl längst zerdrückt wie eine
leere Konservendose. Da gelingt 2004 nach 9 Jahren harter
Arbeit endlich der große Durchbruch,
doch wie soll es nun weitergehen? Am besten schnell
das nächste Album nachlegen um nicht
in Vergessenheit zu raten. Doch wie soll das klingen?
Noch mainstreamtauglicher um sich weiter
bei den Massen beliebt zu machen? Back to the
Roots um der Basis zu beweisen dass man
"real" geblieben ist? Einfach den Vorgänger ab-
kupfern und langsam aber sicher auf den
Untergang warten?
Die Beatsteaks wären nicht
die Beatsteaks wenn sie nicht alles anders gemacht hätten.
Mit
"Limbo Messiah" liegt ziemlich genau drei
Jahre und eine DVD nach "Smack Smash" das
neue Album der Berliner vor und eins steht
fest: Auch wenn die Platte optisch ein wenig an
die "Living Targets" erinnert, klingt
sie mal wieder anders als alle ihre Vorgänger und damit
ist auch direkt eine der größten
Stärken der Beatsteaks benannt.
Mit "As I Please" wagen die Jungs einen
ganz unverfrorenen Einstieg, der einen beim ersten
Durchgang nicht unbedingt aus den Socken
haut, aber live garantiert zündet. Es folgt die er-
ste Singleauskopplung "Jane Became Insane",
die zumindest in meinem Umfeld kontrovers
diskutiert wird.
"Sharp, cool und collected" beginnt wie
ein Oldschool Hardcoresong, doch macht spätestens
mit Einsetzen des Gesangs klar, dass diese
Beschreibung für den Song zu kurz greifen wür-
de. Das Tempo bleibt hoch, der Song wird
viel vom Schlagzeug getragen, dazu kommen
durchgeknallte elektronische Spielereien.
Roh. Ganz im Gegensatz zu "Meantime", von dem
man sich durchaus vorstellen könnte,
dass es irgendwann als Single erscheint.
"Demons Galore" rumpelt dann wieder ordentlich,
bevor in "Cut Off The Top" locker und
lässig im elektronischen Gebiet gewildert
wird. "Bad Brain" findet seine Einflüsse, wie der
Titel schon vermuten lässt 80er Jahre
US-Hardcore, wobei man hier das Wort Einfluss be-
tonen muss, denn mehr ist es wirklich
nicht, es klingt immer noch eigenständig nach Beat-
steaks.
"She Was Great" ist dann richtig funkig
und der Gesang auch gleich mal drei Oktaven hö-
her. Mit "Soljanka" folgt ein für
mich typischer Song der Post-"Launched"-Ära, "Hail To The
Freaks" nimmt anschließend dunkle
indie-alternative Anleihen. Das abschließende "e-g-o"
ist nochmal nen Hit, der zum einen von
seiner beatsteakstypische Coolness und zum an-
deren von den abwechselnden Gesangsparts
lebt.
Fazit:
Die Beatsteaks haben sich mal wieder
selbst erfunden: Klar Beatsteaks und klar was ganz
neues und das Ganze auf einer einzigen
Scheibe. Die Berliner sind mittlerweile eine der
Bands, die man nicht mehr mit Kategorien
wie "Punkrock" oder "Hardcore" greifen kann.
Die Jungs stecken voller Ideen und die
lassen sie raus. Was dabei entsteht ist ihre ganz
eigene Spieltart, die in vielen Stilen
und Einflüssen der Rockkultur verwurzelt ist. "Limbo
Messiah" zündet nicht beim ersten
Mal, zeigt aber immer wieder neue interessante Fasa-
den. Szene-Idiologen werden mit diesem
Album natürlich mal wieder nichts anfangen
können, viele andere werden aber
ihren Gefallen daran finden. Ich persönlich weiß immer
noch nicht auf welchem Platz meiner Beatsteaks-Album-Charts
das neuste Werk steht,
ich kann nur sicher sagen: Nicht ganz
oben, aber auch nicht ganz unten. Auf jeden Fall
bestätigen die Berliner mit diesem
Album, dass sie eine der ganz wenigen deutschen
Bands sind, die eigenständig Trends
setzen können.
BB
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