Review: Beatsteaks - Limbo Messiah
 
 
Beatsteaks - Limbo Messiah

Label: Warner
VÖ: 30.03.07
Format: CD (Bonusedition mit DVD)
Tracks: 11
Links: http://www.beatsteaks.org
Schublade: Rock
 
 
 
 
 
 
 

 

Schon alleine der Erwartungsdruck der mit diesem Album verbunden ist hätte andere Bands
wohl längst zerdrückt wie eine leere Konservendose. Da gelingt 2004 nach 9 Jahren harter
Arbeit endlich der große Durchbruch, doch wie soll es nun weitergehen? Am besten schnell
das nächste Album nachlegen um nicht in Vergessenheit zu raten. Doch wie soll das klingen?
Noch mainstreamtauglicher um sich weiter bei den Massen beliebt zu machen? Back to the
Roots um der Basis zu beweisen dass man "real" geblieben ist? Einfach den Vorgänger ab-
kupfern und langsam aber sicher auf den Untergang warten?

Die Beatsteaks wären nicht die Beatsteaks wenn sie nicht alles anders gemacht hätten. Mit
"Limbo Messiah" liegt ziemlich genau drei Jahre und eine DVD nach "Smack Smash" das
neue Album der Berliner vor und eins steht fest: Auch wenn die Platte optisch ein wenig an
die "Living Targets" erinnert, klingt sie mal wieder anders als alle ihre Vorgänger und damit
ist auch direkt eine der größten Stärken der Beatsteaks benannt.

Mit "As I Please" wagen die Jungs einen ganz unverfrorenen Einstieg, der einen beim ersten
Durchgang nicht unbedingt aus den Socken haut, aber live garantiert zündet. Es folgt die er-
ste Singleauskopplung "Jane Became Insane", die zumindest in meinem Umfeld kontrovers
diskutiert wird.

"Sharp, cool und collected" beginnt wie ein Oldschool Hardcoresong, doch macht spätestens
mit Einsetzen des Gesangs klar, dass diese Beschreibung für den Song zu kurz greifen wür-
de. Das Tempo bleibt hoch, der Song wird viel vom Schlagzeug getragen, dazu kommen
durchgeknallte elektronische Spielereien. Roh. Ganz im Gegensatz zu "Meantime", von dem
man sich durchaus vorstellen könnte, dass es irgendwann als Single erscheint.

"Demons Galore" rumpelt dann wieder ordentlich, bevor in "Cut Off The Top" locker und
lässig im elektronischen Gebiet gewildert wird. "Bad Brain" findet seine Einflüsse, wie der
Titel schon vermuten lässt 80er Jahre US-Hardcore, wobei man hier das Wort Einfluss be-
tonen muss, denn mehr ist es wirklich nicht, es klingt immer noch eigenständig nach Beat-
steaks.

"She Was Great" ist dann richtig funkig und der Gesang auch gleich mal drei Oktaven hö-
her. Mit "Soljanka" folgt ein für mich typischer Song der Post-"Launched"-Ära, "Hail To The
Freaks" nimmt anschließend dunkle indie-alternative Anleihen. Das abschließende "e-g-o"
ist nochmal nen Hit, der zum einen von seiner beatsteakstypische Coolness und zum an-
deren von den abwechselnden Gesangsparts lebt.

Fazit:
Die Beatsteaks haben sich mal wieder selbst erfunden: Klar Beatsteaks und klar was ganz
neues und das Ganze auf einer einzigen Scheibe. Die Berliner sind mittlerweile eine der
Bands, die man nicht mehr mit Kategorien wie "Punkrock" oder "Hardcore" greifen kann.
Die Jungs stecken voller Ideen und die lassen sie raus. Was dabei entsteht ist ihre ganz
eigene Spieltart, die in vielen Stilen und Einflüssen der Rockkultur verwurzelt ist. "Limbo
Messiah" zündet nicht beim ersten Mal, zeigt aber immer wieder neue interessante Fasa-
den. Szene-Idiologen werden mit diesem Album natürlich mal wieder nichts anfangen
können, viele andere werden aber ihren Gefallen daran finden. Ich persönlich weiß immer
noch nicht auf welchem Platz meiner Beatsteaks-Album-Charts das neuste Werk steht,
ich kann nur sicher sagen: Nicht ganz oben, aber auch nicht ganz unten. Auf jeden Fall
bestätigen die Berliner mit diesem Album, dass sie eine der ganz wenigen deutschen
Bands sind, die eigenständig Trends setzen können.

BB
 

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