Bayside - Bayside
Label: Victory / Soulfood
VÖ: 15.08.05
Tracks: 11
Spielzeit: 40:42 min
Format: CD
Links: www.baysiderocks.com,
www.victoryrecords.com
Schublade: Emopop
Wenn Alben aus dem Hause Victory
ins Haus flattern, schlägt mein
Herzchen erwartungsvoll freudig etwas
höher. Noch dazu, wenn die
CD von den 4 Jungs von Bayside
ist. Ihr erster Longplayer „Sirens
and Condolences“ gefiel schon sehr gut.
Bekannt wurde die Band
aus Long Island, NY nicht nur durch die
Sampler von Victory, sondern
auch durch die Weblogs Friendster
und Myspace, wo sich schnell
eine große Fangemeinde aufbauten.
Beim ersten Durchhören muss ich sagen,
war ich etwas enttäuscht.
„Hello Sh*tty“ ist ein kurzer knackiger
Einsteiger, kurzes Autogehupe/
Straßenlärm, nach-vorne gespielte
Gitarren und melodischer Gesang
und es dreht sich natürlich - wie
kaum anders zu erwarten, um den
so bekannten Liebesschmerz.
Auch im zweiten Lied ist nichts von der,
in der Bandinfo angekündig-
ten durchscheinenden Hoffnung der Emojungs
zu erkennen. „Devo-
tion und Desire“ ist ein ohrwurmlastiges
Stück mit schönen Gitarren-
arrangements, eins meiner Favoriten auf
der Platte.
Etwas düster geht es dann mit „Tortured
of the damned“ weiter. Mit
Glockengeläut und dem Einstiegssatz
„I hate myself more than ever
let on“. Wobei im Refrain doch die Hoffnung
durchschimmert: “I’ve
made mistakes but I’ll find my way”.
Bei „They looked like strong hands“ kommt
Anthony Raneris Stimme
voll zur Geltung. Melancholisch und intensiv
singt er über Selbstzwei-
fel und die Erkenntnis, dass er sich und
anderen etwas vor gemacht
hat. Eins der ruhigeren, nachdenklicheren
Lieder auf der Platte.
„Mountak“ ist der Name eines Strandes
in Long Island, wo sich ein
(Ex-)Pärchen treffen soll. Eins der
wenigen Lieder, das auch schon
beim ersten Hören eingängig
und interessant ist. Tempowechsel,
einfallsreiche Gitarrenparts und Anthonys
klare Stimme.
Erst leise, nur von den Drums und Bass
begleitet geht „Blame It on
Bad Luck“ los, welches dann flotter wird
und zum rhythmischen mit-
nicken einlädt. Obwohl es natürlich
um die schlechte, böse, traurige
Welt geht hat wenigstens die musikalische
Untermahlung etwas po-
sitives.
„We’ll be o.k.“ ist ein typischer Emosong,
der einfach dazu einlädt,
Parallelen zu Alkaline Trio und
anderen bekannten Größen dieses
Genres zu ziehen.
Genau das gleiche gilt für „Existing
in a crisis (Evelyn)“. Wobei hier
angemerkt werden muss, dass es sich nicht
um einfallslos daherge-
spielte Weltschmerzlieder handelt und
auch eine Portion Rock dabei
ist.
„Don’t call me peanut“ ist ein wunderschöner
Akkustiksong. Zwei Gi-
tarren, ein Klavier und ein Haufen Gefühle
die ohrenschonender Wei-
se nicht wimmernd und leidend, sondern
klar vorgetragen werden.
Rockig geht’s dann mit „Half a Life“ in
die vorletzte Runde, bevor dann
mit „Dear Tragedy “ ein tragischer Schlusspunkt
gesetzt wird. Unglück-
lich verliebt in einen „breathtaker and
smilefaker“. Beim letzten Lied
wird noch mal leidvoll geschrien bevor
dann im Chor gesungen noch
einmal emoresque unterstrichen wird:
„I never had anybody, but beeing
alone wasn’t half as bad as beeing obsessed...“.
Fazit:
Das selbstbetitelte Album begeistert (mich
zumindest) erst nach dem
zweiten und dritten hören mit seinen
melodiösen Poprockstücken. Erst
dann eröffnen sich alle Facetten
der phantasievollen Gitarrenarrange-
ments. John „Beatz“ Holohan und Nick Ghanbarian
(u.a. auch Bassist
von the Movielife) haben sich gut
in die Band integriert, um dies deutlich
zu machen wurde das Album auch „Bayside“
benannt. Insgesamt ist
das Album harmonisch und solide, für
meinen Geschmack fehlt ihm
aber noch die allerletzte Kirsche auf
der Sahnehaube.
Wiebke