Review: Anti-Flag - The Terror State

Anti-Flag - The Terror State

Label: Fatwreck
VÖ: 21.10.03
Tracks: 13 (die ersten 15 000 Exemplare erhalten noch einen Bonus-Track)
Spielzeit: 36:00 min
Format: CD / LP
Links: http://www.anti-flag.com, http://www.fatwreck.com, http://www.theterrorstate.com

Wirklich gespannt habe ich auf diese CD gewartet und meine Erwartungen waren
nicht gerade niedrig: Mit "The Terror State" veröffentlichen Anti-Flag ihr erstes
Album nach dem Afghanistan-Krieg und unmittelbar nach dem offiziellen des Ende Irak-
Kriegs. Außerdem ist es auch ihr erstes Album mit etwas Abstand zum 11. September,
auf "Mobilize" hatte die Band ja unmittelbar nach den Anschlägen auf das WTC mit
"911 for Peace" ein sehr emotionales Statement für den Frieden abgegeben. Das neue
Album versprach also nach der weiteren traurigen weltpolitischen Entwicklung politisch
noch brisanter zu werden als alle vorherigen Anti-Flag Alben. Erste Reaktionen gab es
bereits durch einige große Plattenläden, die sich geweigert haben das Album mit Original-
Cover (ein, erst lebendes dann totes, in Militärkleidung gekleidetes, salutierendes und
mit einer Maschienenpistole bewaffnetes Mädchen) in ihr Sortiment aufzunehmen.
Thematisch beschäftigt sich das Album, wie zu erwarten, vor allem mit dem Thema Krieg
bzw. Frieden und greift dabei natürlich besonders US-Präsident Bush und die aggressive
US-Politik an, lässt aber auch Platz für andere Themen wie die Kritik an der Existenz von
Grenzen, Globalisierungsprozessen und staatlicher Gewalt gegen Demonstranten.
Anti-Flag gelingt es auf diesem Album besser denn je den Zuhörer aufzurütteln  und zu
eigenem Engagement aufzurufen. Das liegt zum einen an den wirklich guten Texten, zu
denen es allerlei Erläuterungen im Booklet gibt, zum anderen aber auch an der Musik,
die im Vergleich zu "Mobilize" auf jeden Fall wieder ein Schritt in die richtige Richtung ist.
Ungewöhnlich viele dieser Anti-Flag typischen "hebdiefaustundschreideinenzornheraus"-
Songs finden sich auf dem Silberling wieder, fast alle Songs sind, zumindest im Refrain,
mitsing-kompatibel.
Produzent Tom Morello (Rage Against The Machine / Audioslave) hat es geschafft die
Wut der Band in eine wirklich gut Scheibe zu verwandeln.

Den Anfang macht gleich einer der Hits des Albums. "Turncoat" beginnt zwar ungewohnt
mit Akkustikgitarre, doch das hält nicht lange an, dann gibt's besten Punkrock. Beim
Gesang wechseln sich Justin und #2 ständig ab und im Refrain seh ich schon ein tobendes
Live-Publikum das Statement an die Adresse von George Bush mitschreien: "Turncoat!
Killer! Liar! Thief!"
Auch interessant ist der Song "Post-War Breakout". Den Text haben Anti-Flag aus dem
Archive mit unbenutzten Texten des politisch-engagierten Folkmusikers Woody Guthrie,
auf Einladung dessen Nachkommen, entnommen. Ein weiteres Zeichen für den bekannt-
heitsgrad der Band und die Anerkennung ihres Engagements auch über die Punkrock-
szene hinaus. Das musikalische Gerüst dieses Songs haben Anti-Flag jedoch selber ge-
baut und auch das weiss zu überrachen. Beginnt der Song mit einer coolen off-beat Gi-
tarre zu einem simplen Bassriff, so entwickelt er sich weiter zu einer Art Hymne.
Die Songs "Sold as Freedom" und "Power to the Peaceful" sind wieder typischer "Anti-
Flag Peace-Punk". Aggressiv und textlich brilliant wird räumt "Sold as Freedom" mit der
Propaghanda auf, dass man als Soldat für Freiheit kämpfen könne. Zeilen wie "War is
Peace. Now we know. Fight fire with Fire!" und "Join now. Don't wait. Make death,
your Date" zeigen wie Sinnlos der Dienst an der Waffe ist und das sich durch Kriege nie
eine Lösung der Probleme dieser Welt finden lässt. Das ganze wird musikalisch so unter-
legt, dass die entsprechenden Teile jeder mitsingen kann, so werden die Texte hoffent-
lich nicht ihre Wirkung verfehlen. Thematisch passend dazu "Power to the Peaceful".
Der Titel sagt eigentlich alles und auch musikalisch überzeugend.
"Mind the G.A.T.T." beschäftigt sich mit den schwerwiegenden Folgen der GATS Ver-
handlungen. Die WTO treibt in diesen Verhandlungen, ohne Rücksicht auf Menschen und
Umwelt, den Abbau von Handelsbarrieren voran. Anti-Flag machen dieses Thema nicht
nur Publik, sondern zeigen mit dem Paul Hawken Model auch eine Alternative auf.
Mit "You can kill the Protester, but you can't kill the protest" greifen Anti-Flag mal wieder
einen schon bekannten Spruch auf und machen in einem aggressiven, aber melodiösen,
Song darauf klar, dass es solange es Ungerechtigkeit gibt auch Proteste geben wird. Na-
türlich wieder mitsing/-schrei kompatibel.
In "When you don't control your Government People want to kill you" suchen Anti-Flag
nach Ursachen für den 11. September und Terrorismus. Justin rotzt sein dreckigstes "Boom
Boom Boom" raus.
Bei "Operation Iraqi Liberation (O.I.L)" beweißen Anti-Flag wieder einmal intelligente Wahl
beim Songtitel. Der Song beschäftigt sich natürlich mit dem Irak-Krieg und neben der Musik
bestechen Zeilen wie "to save you we may have to kill you" und "freedom from...live", die die
amerikanische Propaghanda "wir befreien den Irak" verblassen lässt.
Mit "One People, one Struggle" kommt selbst als letzte Song noch ein absoluter Hit. Ein
Unity-Song erster Klasse. Den Beginn "The People united will never be defeated" werden
die Fans bald vielleicht mitsingen wie den Beginn von "Die for your Government" und auch
der Refrain "One People one Stuggle! Stay united! Stay peaceful" geht ins Ohr und lässt
sich wunderbar mitsingen.

Fazit:
Anti-Flag ist es gelungen ein wirklich überzeugendes Album nachzulegen! Sowohl musikalisch
als auf textlich super! Aggressiver, mal melodischer mal herausgeschriener, Punkrock mit
intelligenten Texten. Fast jeder Song lässt sich mitsingen und das ohne dass etwas an politischer
Aussagekraft verloren. Anti-Flag ist trotz des enormen Erfolgs in den letzten Jahren eine der
engagiertesten Bands geblieben. Meine hohen Erwartungen sind absolut erfüllt und sogar über-
troffen worden.

Anspieltipps:
Turncoat; Sold as Freedom; Power to the Peaceful, Wake up!; Tearing down the Borders;
One People, one Struggle

BB

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