Review: American Eyes - Never Trust...

American Eyes - Never Trust Anything That Bleeds

Label: Sideonedummy
VÖ: 10.10.05
Tracks: 6
Format: CD
Links: www.americaneyesmusic.com, www.sideonedummy.de
Schublade: Emo / Screamo / 80ties Pop

American Eyes sind eine weitere Newcomerband aus Los Ange-
les, auf Sideonedummy erscheint nun ihre Debüt-EP "Never
Trust Anything That Bleeds", deren Cover einen Abfluss mit Blut-
spritzern zeigt. Keine Ahnung ob es den Spruch in Amerika in
der Form schon vorher gab, oder ob die Jungs ihn sich selber
ausgedacht haben, in Deutschland ist die Nummer jedenfalls
mehr als ausgelutscht. Noch unverständlicher finde ich, dass ge-
rade eine so emotionale Band ihre Platte so chauviemässig beti-
telt, obwohl sich die Thematik Frauen, Liebe, Beziehung, Tren-
nung, Enttäuschung und Trotz natürlich wie ein roter Faden
durch die ganze Scheibe zieht. Trotzdem: Vom Titel her ist die
EP bei mir schonmal durchgefallen.

Musikalisch sieht es dagegen ganz anders aus. Als Neo-Goth-
Dance-Punk bezeichnen die American Eyes ihren Stil und ich
muss sagen: Ich habe selten eine dermassen unpassende Be-
schreibung des eigenen Stils gehört, denn was die Kappelle
aus L.A. macht ist nichts anderes als ein Spaziergang auf der
Grenze zwischen Rock und Emo, versehen mit einigen 80ies
Popeinflüssen.
"Knife Fight With A Girl" eröffnet schmerzhaft die Platte. Der
Song erzählt das Ende einer Liebe, musikalisch geht es sehr
eingäng, aber nicht so dramatisch zur Sache, wie es der Inhalt
vielleicht vermuten lassen würde.
Weiter geht es mit "Telephone Wires": Der Song beginnt mit
leichtem Rumgetrommel wie beim Karneval in Rio, dazu gibt's
die Bassdrum. Und auch wenn später natürlich die Gitarren ein-
setzten, so bleibt die Rhytmussektion hier doch die dominieren-
de. Produzent Michael Patterson, der sonst Sachen wie P.Diddy
und Notorious B.I.G. produziert hat, beweisst hier ein gutes
Händchen beim einarbeiten von 80ies-Elementen.
Mit "Carry On For Keepsake" folgt mein persönlicher Lieblings-
song auf der Platte, besonders der wunderschöne Gesang und
die Gitarrenarbeit können hier wirklich überzeugen: Eingängig,
poppig und fast gänsehautwürdig schön spielt sich die Nummer
im unteren Midtempo-Bereich ab.
Ein bißchen mehr zur Sache geht es mit "The Girl With The Bro-
ken Heart (By The Way)": Eine schöne Poppunk-Nummer, bei
der sich zeigt, dass die Band eigentlich in allen Bereichen gut be-
setzt ist, auch wenn der Bass doch eher unauffällig ist.
Es folgt die Ballade "Day We Died", bei der im Hintergrund ver-
stärkt mit Sounds und Streichern gearbeitet wird: Neben dem
Gastsänger Curt Smith von Tears For Fears scheint auch ein
Engelschor die Jungs aus L.A. zu unterstützen.
Das Konzept der Platte wird mit dem trotzigen "Radio" abgerun-
det. Ein Abschiedssong, der es nochmal richtig in sich hat: Melo-
die, Eingängigkeit und Hitcharakter sind dem Song nicht abzu-
sprechen. Ein starkes Ende.

Fazit:
Ich schätze von den American Eyes werden wir noch einiges hö-
ren: Supportshows für Bands wie Bad Religion, My Chemical Ro-
mance und Atreyu und eine von Hip Hop Top-Produzent Michael
Patterson produzierte Debüt-EP auf Sideonedummy sprechen
eine deutliche Sprache wie ich finde. Scheiss Titel, aber musika-
lisch ein Genuß für Freunde von frischem, poppigem Emopunk.
Die Produktion des Albums ist für Mitte 2006 geplant.

BB

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