7 Seconds - Take it back, take it on, take it over!
Label: Sideonedummy/Cargo
VÖ: 02.11.04
Tracks: 17
Spielzeit: 28:15 min
Format: CD
Links: http://www.7seconds.com,
http://www.sideonedummy.de
Man kennt das ja: eine nicht nur gute,
sondern für ihre Stilrich-
tung auch äusserst wichtige Band,
bringt nach langer Zeit mal
wieder ein Album raus. Die Allgemeinheit
freut sich nen Ast und
wenn die Platte dann im CD-Spieler liegt
ist die Enttäuschung
groß: Experimentelles Zeug, ein
für Fans nicht nachzuvollziehen-
der Stilwechsel oder einfach ein Abklatsch
des alten Zeugs um
nochmal so richtig Kasse zu machen.
Ganz anders läuft das beim 7 Seconds.
Die Ankündigung des
neuen Album "Take it back, take it on,
take it over" sorgte bei
vielen alten Fans für besorgte Gesichter:
"Kann das denn noch-
mal was werden?", "Reicht die Platte an
Alben wie "The Crew"
oder "New Wind" heran?", "Sind das Hits
wie "Young until I die"
und "Walk Together, Rock Together" drauf?"
Ganz verstehen kann ich diese zögerliche
Haltung nicht. Klar, be-
sagte Alben zählen zu den wichtigsten
der Hardcore-Geschichte
und es folgte die ein oder andere Enttäuschung,
da guckten Kids
die mit der Band aufgewachsen sind schon
einmal ganz blöd aus
der Wäsche. Wer allerdings die 2000er
Live-Platte "Scream real
Loud" gehört hat, müsste eigentlich
um so gespannter auf neues
Material sein, denn 7 Seconds haben
sich spätestens mit dieser
Scheibe auf den Weg "back to the roots"
gemacht.
Kein Intro, kein ruhiger Anfang: "All came
undone" sorgt gleich
für eine postive Grundstimmung. Hier
wird nicht rumgeschwätzt,
es geht gleich zur Sache. Keine überflüssige
Technik, kein Gitar-
renrumgezupfe: Drei Akkorde und gut! Nahtlos
geht es nach 58
Sekunden mit "Meant to be my Own" weiter,
man merkt eigentlich
garnicht, das man schon beim nächsten
Song angelangt ist.
Schneller, melodiöser Hardcore ohne
Geschrei, so geht es auch
weiter. "This is Tempory" setzt erstmals
auf Singalong-Charakter,
"My Band, our Crew" macht mit mächtig
"gerumpel" weiter.
"Still on it" ist eine Runde meldiöser
und langsamer, wobei lang-
sam natürlich relativ ist, als die
ersten vier Songs. Eine gute Punk-
rock-Hymne und eine, ich zitiere die Release-Info,
"Kampfansage
an alle, die 7S für tot erklärten".
"Say My Thanks" gibt dann aber wieder
richtig Gas und es rum-
pelt mächtig im Karton, "Big Fall"
toppt das ganze jedoch noch,
auch wenn der Song mit einigen mehrstimmigen
Passagen zwi-
schenzeitlich noch eingänger erscheint.
Die ganze Platte erscheint mir wie ein
durchgetretenes Gaspedal:
Immer die volle Breitseite, das Schlagzeug
und der Gesang sor-
gen für, wie ich es nenne, "Gerumpel".
Da macht "Just here and
just stare" genauso wenig eine Ausnahme
wie "Where's the Dan-
ger".
Zurück zur Melodie geht es mit "Big
Hardcore Mystery". Beim Intro
dachte ich: "Klingt wie das Intro einen
Ska-Punk-Songs!", jedoch
gibt's im weiteren Verlauf keine Hinweise
auf jamaikanische Off-
Beat-Musik: Es handelt sich einfach um
einen guten Punkrocksong.
Tanzbar, Mitsingbar und ein paar Töne
Rock'n'Roll!
Es folgt "Panic Attac". Der Song verbindetet
im Grunde genommen
straighten Hardcore mit melodiöseren
Elementen.
Mit "Our Core" und "One Friend too many"
geht es wieder auf die
Schlachtbank: Die Jungs prügeln sich
durch die Strophen um dann
wieder zum Singalong-Refrain überzugehen.
"Breaking News" klingt richtig schön
old school. Die Standardlänge
von einer Minute und 30 Sekunden wird
kaum überschritten, an
Tempo natürlich nicht gespart und
der Gesang passt auch einfach.
"Your Parents Hardcore" ist der erste
Song der mit einem Bassin-
tro startet, dann geht es mit bestem meldodischem
Punkrock und
mehrstimmigem Gesang weiter. Der wohl
ruhigste Song der Platte,
hymnenhaft und natürlich mitsingkompatibel.
Mit "Your Frustrations" und "Rules to
Follow" bietet uns das Quar-
tett dann nochmal die volle Breitseite.
Hätte irgendwer was anderes
erwartet?
Fazit:
7 Seconds treten das Gaspedal noch
einmal richtig durch: 17 Songs
in 28 Minuten, statt komplexer Songstrukturen
gibt es ein paar Gi-
tarrenriffs: Old School! Ähnlich
wie es Sick of it All mit "Life on the Ro-
pes" gelungen ist, schaffen es auch 7
Seconds den Weg "back to the
roots" zu bestreiten ohne sich zu wiederholen.
Melodiöser Hardcore ohne Metal-Einflüsse,
der im wesentlichen ohne
Screaming auskommt. Alle Leute die Angst
hatten, dass diese Platte
ein Reinfall wird, können beruhigt
durchatmen. Das Quartett verliert
sich nicht in den vielen Facetten, die
Hardcore und Punk heutzutage
bieten, sondern macht ganz straight ihr
eigenes Ding.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: das
Album hätte durchaus einen biß-
chen abwechslungsreicher ausfallen dürfen.
Ich möchte nicht urteilen,
ob die Platte mit "The Crew" oder "New
Wind" mithalten kann. Ich den-
ke, so ein Urteil kann man schon aufgrund
der historischen Funktion der
beiden Alben garnicht fällen. Ich
kann nur sagen: Von dieser Platte
muss kein Fan enttäuscht sein.
Ein Bonbon für alle europäischen
Fans ist natürlich, dass die Platte
pünktlich zur Resistance Tour
und somit 5 Monate vor US-Release er-
scheint. Wann hat es so etwas schon einmal
gegeben? Da wird die Vor-
freude auf die Resistance Tour,
7
Seconds treten neben Sick of it All
als Co-Headliner auf, doch gleich noch
viel größer. Ich bin echt gespannt,
wie die Songs live rüberkommen.
BB